Schwarzer Leopard, roter Wolf

Dark Star 1. Roman

Hardcover
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Sucher, der Jäger mit dem besonderen Sinn, wird vor seine schwierigste Aufgabe gestellt. Er muss einen Jungen aufspüren, der vor drei Jahren spurlos verschwand. Seine Fährte führt ihn durch Wälder und Städte, zu Gestaltwandlern, Ausgestoßenen und Hexen. Aber kann er den Jungen retten und die Welten wieder in Einklang bringen?

»Man Booker Prize«-Träger Marlon James legt mit »Schwarzer Leopard, roter Wolf« den Auftakt zu einer Trilogie vor, die afrikanische Geschichte und Mythen zu einem gewaltigen Fantasy-Epos verflicht.

»Ich habe es nicht mehr aus der Hand legen können.«

stern, Florian Gless (14. November 2019)

Aus dem Englischen von Stephan Kleiner
Originaltitel: Black Leopard, Red Wolf - The Dark Star Trilogy 1
Originalverlag: Riverhead Books
Hardcover mit Schutzumschlag, 832 Seiten, 15,0 x 22,7 cm, 10 s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-453-27222-4
Erschienen am  21. Oktober 2019
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Fantastisches Afrika

Von: Fhina

08.08.2020

Wir steigen in die Geschichte mit dem Satz „Das Kind ist tot. Weiter gibt es nichts zu wissen.“ ein und damit beginnt die 830 Seiten lange Reise auf welche uns Sucher, der Rote Wolf – unser Erzähler– mitnimmt. Unser Erzähler sitzt im Gefängnis und wird wegen des Mordes an diesem Kind verhört. Wir sind Zeuge seines einseitigen Gesprächs mit dem Inquisitor. Von hier aus entfaltet sich die Erzählung in verschiedenen Formen: Der Inquisitor lässt Sucher eine Abschrift ihres Austauschs zur Bestätigung lesen, wodurch wir Zugang zu externen Stimmen erhalten und später bringt der Inquisitor einen Griot – einen singenden Geschichtenerzähler – mit, um Zeugnis über einen Teil von Suchers Leben zu geben, welchen er sich weigert zu erzählen. Auf den ersten Blick scheint es, als wäre die Handlung über Sucher, welcher uns zuerst seine Lebensgeschichte und dann die Geschichte nach der Suche des Kindes nicht nur einmal, sondern zweimal erzählt. Aber in Wirklichkeit ist die Stimme Suchers wie eine Art Magnetfeld um den Kompass der Handlung, das sich verschiebt und verzerrt und seine Nadel durch ineinandergreifende Geschichten dreht, die von einem Leoparden, Hexen und Antihexen, Dämonen, Sklavenhändlern, einem Präfekten, und einer Königin erzählt werden. Dieses Buch kann man definitiv nicht mal eben so nebenbei lesen und es bracht meiner Meinung nach viel Anstrengung um den Faden nicht zu verlieren und nicht aufzugeben. Das liegt zum einen an der Brutalität, welche teilweise sehr detailreich beschrieben wird, aber einfach auch am Stil des Buches und den sehr lange Dialogphasen. Auch wenn die Geschichte selbst sehr einfallsreich und ordinär ist, lassen die langen Phasen des einseitigen Erzählens das Buch sehr langatmig wirken und man kommt erst über mehrere Ecken zum eigentlichen Punkt. Marlon James hat es mit Worten geschafft ein wundervolles Fantasy-Afrika zu schaffen, illustriert wird dies durch Karten, welche die jeweiligen Buchabschnitte von einander trennen. Irgendwann hört Sucher auf mit dem Inquisitor zu sprechen und beginnt damit, die Geschichte noch einmal seiner Willen zu erzählen, zu durchleben auch wenn er den Leser dabei gefühlt immer auf einen Arm Abstand hält, vermutlich um ihn zu schützen. Der Roman ist ein Spektakel, mit wilden Dingen aller Art, die sich durch mehrere Handlungsstränge schlängelt, aber im Mittelpunkt stehen die Abenteuer von Leopard und Wolf. Letzterer, unser Erzähler, wird wegen des verschwundenen Jungen verhört und seine Antworten enthüllen eine interessante, teilweise gruslige Geschichte. Sucher, der wegen seines guten Geruchssinns so genannt wird, wirkt menschlich, obwohl ein Auge das eines Wolfs ist. Leopard, der tatsächlich die Form eines Leoparden annehmen kann, ist sein Freund von Kindheit an und auch wenn sich beide manchmal bis aufs Blut zoffen, schließen sie sich einer Gruppe aus anderen Freak an um den Jungen zu finden. Diese übernatürliche Suche entwickelt sich mit der Zeit in einen fantastischen Machtkampf, in dem der vermisste Junge entweder ein Prinz oder ein Thronräuber sein kann. Der Leser kann inmitten des Kampfes gegen Oger und Hexen aber reale Handlungen finden. Es gibt einen geschäftigen Sklavenhandel, aber der Verkehr bewegt sich nicht nach Westen in Richtung der Schiffe von Spanien oder England, viel mehr sind die Käufer „Menschen, die dem östlichen Licht folgen“ oder nur einen Gott anbeten. Ein Sultan wird erwähnt, aber niemals ein Papst und die Abwesenheit scheint für den Autor von zentraler Bedeutung zu sein. Seine Orks und Elfen sind alle farbig und unter ihnen ist der Grad der Dunkelheit von Bedeutung. Generell gibt es in dem Buch keine weißen Menschen. Insgesamt verzichtet die Geschichte auf Weiße und schließt die Mächte, die diese einflussreiche Region letztendlich in ein Puzzle von Nationen zerhackt haben, vollständig aus Letztendlich ist es Suchers Sensibilität, seine Gefühlstiefe, die das Buch über andere Fantasygeschichten hebt. Der Autor zeigt endlose Raffinesse, egal ob seine Charaktere sich lieben oder töten. Am wichtigsten ist jedoch, wie ein so bizarrer Erzähler wie der Sucher ein Trauma aufdeckt, das jeder Psychoanalytiker erkennen würde: die Narben einer vertriebenen Kindheit und der daraus resultierende Schmerz für ein Zuhause. Besser noch, er findet eine solche Verbindung nur, indem er die Konventionen seiner Gesellschaft verletzt. Der einsame Wolf muss sich verletzlich machen und sein Herz für einen hellhäutigen „Anhänger des östlichen Lichts“ öffnen. Diese interne Transformation ist wichtiger als jede sichtbare Veränderung. Es gibt der Geschichte die nötige Vollständigkeit, auch wenn am Ende noch einige Geheimnisse bleiben. Obwohl die Schrecken dieses Romans den niedrigsten Gott empören würden, weiß er dennoch, wie man den Ort findet, an dem die Liebe lebte. Das Buch ist mit über 800 Seiten wirklich massiv und die Story sehr komplex. Ich hatte vorher schon gelesen, dass die Story wohl teilweise auch sehr verwirrend ist und ich muss ehrlich sagen, dass ich das so auch bestätigen kann. Die Story macht dies aber keineswegs schlecht aber durchaus langatmig, vor allem die ersten 100 – 150 Seiten. Aufgrund dessen habe ich dann teilweise das englische Hörbuch zur Hilfe genommen. Mir hat es aber im Großen und Ganzen gut gefallen und ich werden den zweiten Teil sicherlich lesen.

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Was für ein Ritt! Genie und Wahnsinn liegen nah beieinander

Von: MissErfolg

15.07.2020

Der Wortschatz der deutschen Alltagssprache wird auf etwa 500.000 Wörter geschätzt, und doch fehlen mir die Worte, die dieses Buch in angemessener Weise beschreiben könnten. skurril, eigen, abgefahren, brutal, absurd, zusammenhangslos, verwirrend, wahnwitzig, exzentrisch, anstrengend(!), verstörend, unkonventionell, genial(?!) „Schwarzer Leopard, roter Wolf“ wurde als Afrikanisches Game of Thrones verkauft, aber wie so oft kann ich über ein derart missverständliches Buchmarketing nur den Kopf schütteln. Bis zu einem gewissen Grad mag der Vergleich standhalten. Schwarzer Leopard, roter Wolf ist eine üppige epische Geschichte in einem verzauberten und mythischen Afrika, gefüllt mit Quests, magischen Bestien und bösartigen Schlachten bis zum Tod. Aber es ist auch ein viel seltsameres, verwirrenderes Buch, als die Game of Thrones Vergleiche erahnen lassen. Das meiner Meinung nach größte Alleinstellungsmerkmal: Dieses Buch ist nicht von der Geschichte getrieben. Augenscheinlich fehlt der rote Faden stellenweise komplett. Schwarzer Leopard, roter Wolf widersetzt sich aktiv (!) allen Versuchen des Lesers, in die Welt des Buchs einzutauchen und sich darin zu verlieren. Ein Gefühl, das wir als Fantasy-Leser eigentlich besonders schätzen, würde ich mal behaupten. Die Geschichte ist absichtlich undurchsichtig, sowohl auf sprachlicher als auch auf inhaltlicher Ebene. Inhaltlich ist die Suche nach einem vermissten Jungen, die angeblich die Handlung des Buches antreibt, so verwirrend und hat so wenig mit den Motivationen der Hauptfigur zu tun, dass sich der Rest der Figuren ständig darüber beschwert. „Dieses Kind hat keine Bedeutung für dich“ – Sätze wie diese fallen andauernd und lassen den Leser ernsthaft daran zweifeln, worin eigentlich der Zweck dieser Geschichte besteht. Zumal das Buch mit dem Satz beginnt: „Das Kind ist tot. Weiter gibt es nichts zu wissen.“ Mit anderen Worten: Wir wissen bereits von Anfang an, dass die im Klappentext angepriesene Suche vergeblich sein wird. Davon einmal abgesehen lässt sich die Handlung wie folgt zusammenfassen: Es gibt einen Jungen, der verschwunden ist, und eine mysteriöse Figur heuert mehrere Leute an, die den Jungen finden und zurückbringen sollen, weil dies eine ungeklärte wichtige Bedeutung für das gesamte Königreich haben würde. Die angeheuerte Truppe besteht aus einem Riesen, der kein Riese ist, einem gestaltwandelnden Leoparden, einer Hexe, einem Büffel, einer Wassergöttin und unserem Protagonisten „Sucher“, den alle mit den Worten begrüßen: Man sagt, du hättest eine Nase. Ebendiese Nase kann ihn zu jeder vermissten Person führen, sodass er seinen Lebensunterhalt als eine Art magischer Privatdetektiv bestreiten, der treulose Ehemänner aufspürt. Sprachlich und stilistisch zeigt sich, dass Genie und Wahnsinn oft nah beieinander liegen. Marlon James weiß, was tut, hat dafür in der Vergangenheit den Man Booker Prize gewonnen, und ist zweifelsohne ein fähiger Schriftsteller. Sein Schreibstil in diesem Buch ist extrem eigen, schwer zugänglich und teilweise so herausfordernd, dass es an Zumutung grenzt. Die Sprache ist roh, schmutzig, unverblümt und manchmal richtig „auf die Fresse“. Beim Lesen war ich mir oft nicht sicher: Ist das Kunst, oder kann das weg? Mir persönlich ist das Buch auf den über 800 Seiten irgendwie ans Herz gewachsen. Auch wenn ich ehrlich zugeben muss, dass ich es sicherlich abgebrochen hätte, hätte ich es nicht im Rahmen eines Buddyreads in Angriff genommen! Es war ein wilder, verstörender Ritt, den ich rückblickend aber zu schätzen weiß. Die Geschichte ist kurios, scheint über weite Strecken nur aus reinem Selbstzweck zu existieren, überrascht dann im nächsten Moment aber wieder mit wichtigen Themen wie Selbstfindung, Familie, Liebe und Trauerverarbeitung. Ob ich das Buch weiterempfehlen kann? Schwer zu sagen! Als Tandemlektüre mit einem guten Lesepartner ist Schwarzer Leopard, roter Wolf ein zweifelsohne horizonterweiterndes Erlebnis!

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Vita

Marlon James, geboren 1970 in Kingston auf Jamaika, gilt als einer der bedeutendsten Literaten seiner Generation. Seine Romane wurden in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen geehrt. Unter anderem erhielt James als erster Jamaikaner den Man Booker Prize. Das »Time Magazine« zählte ihn zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten 2019. James lebt heute in Minneapolis, Minnesota.

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Stephan Kleiner

Stephan Kleiner, geboren 1975, lebt als literarischer Übersetzer in München. Er übertrug u. a. Geoff Dyer, Michel Houellebecq, Gabriel Tallent und Hanya Yanagihara ins Deutsche.

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Pressestimmen

»Man kann hier die Freude an Pulp-Fiction-Romanen amerikanischer Bauart ebenso herauslesen wie an Shakespeare-Dramen und den Gemälden von Hieronymus Bosch.«

»Neues Highlight für „Game of Thrones”-Fans ... Und ein feuriges Erweckungserlebnis für alle, die sonst nie Fantasy lesen.«

BRIGITTE, Angela Wittmann (09. Oktober 2019)

»James’ Kraft liegt im Lied seiner Sprache, in ihren Rhythmen, in den wuchtigen Worten, den seltsamen Szenarien. Große, wilde Bilder krachen einem hier in den Kopf, und fordern das Vorstellungsvermögen heraus.«

»Ein Roman wie ein Open-World-Videospiel, indem sich die Geschichte mit jedem Schritt der Hauptfigur verändert.«

»James legt seine Handlung breit an, greift auf ein umfangreiches Ensemble an Figuren zurück und erfindet eine eigene Welt mit farbenfroh angelegten und sauber kartografierten Schauplätzen, die als Kulisse für herzhafte Schlachten dienen.«

DER SPIEGEL (19. Oktober 2019)

»Ein klassisches Heldenepos in moderner Form«

dpa, Axel Knönagel (12. November 2019)

»Tatsächlich fragt man sich, warum erst James auf die Idee gekommen ist, dem alten Tolkien mit Afrikas reichem Volksglauben zurück auf die Füße zu helfen.«

Welt am Sonntag, Wieland Freund (03. November 2019)

»In seinem neuen Roman "Schwarzer Leopard, roter Wolf" baut Marlon James eine bildgewaltige Fantasywelt mitten in Afrika auf.«

»Wie im Vorgänger beeindruckt seine Sprachgewalt, hier kommt aber noch die Eigentümlichkeit der Welt hinzu, die er entwirft und die mit gängigen Afrika-Klischees bricht.«

GALORE, Florian Fischer (10. Oktober 2019)

»Die Sprachgewalt des Autors beeindruckt wie schon bei "Eine kurze Geschichte von sieben Morden".«

Austria Presse Agentur, Wolfgang Hauptmann (30. Oktober 2019)

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