Schwarzer Leopard, roter Wolf

Dark Star 1. Roman

(6)
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Sucher, der Jäger mit dem besonderen Sinn, wird vor seine schwierigste Aufgabe gestellt. Er muss einen Jungen aufspüren, der vor drei Jahren spurlos verschwand. Seine Fährte führt ihn durch Wälder und Städte, zu Gestaltwandlern, Ausgestoßenen und Hexen. Aber kann er den Jungen retten und die Welten wieder in Einklang bringen?

»Man Booker Prize«-Träger Marlon James legt mit »Schwarzer Leopard, roter Wolf« den Auftakt zu einer Trilogie vor, die afrikanische Geschichte und Mythen zu einem gewaltigen Fantasy-Epos verflicht.

»Ich habe es nicht mehr aus der Hand legen können.«

stern, Florian Gless (14. November 2019)

Aus dem Englischen von Stephan Kleiner
Originaltitel: Black Leopard, Red Wolf - The Dark Star Trilogy 1
Originalverlag: Riverhead Books
Hardcover mit Schutzumschlag, 832 Seiten, 15,0 x 22,7 cm, 10 s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-453-27222-4
Erschienen am  21. Oktober 2019
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Fantasy mit ostafrikanischem Setting – Marlon James‘ „Schwarzer Leopard, roter Wolf“

Von: Sören

09.11.2019

Einige Rezensenten haben schon bemängelt: Das sei keine richtige Fantasy. Auf die Idee könnte man kommen. Vom ersten Satz an entwickelt Schwarzer Leopard, roter Wolf einen erzählerischen Sog, der eher an Romane Ngugis, Marquez‘ oder Ben Okris erinnert. Kein Wunder, Autor Marlon James ist zuvor mit dem hervorragenden A Brief History of seven Killings in Erscheinung getreten. Schwarzer Leopard, roter Wolf kennt keine Exposition, kein World-Building im tolkienesquen Sinne, stattdessen eine Stimme, die Geschichte auf Geschichte türmt, und aus der sich erst langsam die Geschichte des „Suchers“ schält, des bisexuellen Ich-Erzählers, der nach dem Glauben seines Dorfes weibliche und männliche Merkmale in sich trägt, weil er die Mannbarkeitsrituale verpasst hat und nicht beschnitten wurde. Fantasy und Klassifizierungswut Nur durch die Augen dieser Figur, als deren große Fähigkeit sich bald eine besonders feine Nase herausstellt, und die nach diversen kleineren Aufträgen schließlich gedrängt wird, einen Jungen aufzupüren, der vor drei Jahren spurlos verschwand, lernen wir die lose auf verschiedenen Mythen und geographischen Örtlichkeiten des östlichen Afrikas basierende Welt kennen, die mit allerlei magischen Wesen, viel Gewalt, explizitem Sex und vor allem einem erzählerischen Bilderreichtum aufwartet, der sich vor den besten Momenten Rushdies nicht verstecken muss. Eigentlich ist alles da. Magische Parallelwelt, Heldengeschichte, ungewöhnliche Städte, Reisen durch Wildnis. Warum spricht mancher Schwarzer Leopard, roter Wolf dennoch ab, „Fantasy“ zu sein? Ich kann es durchaus nachvollziehen. Besonders die High Fantasy hat uns daran gewöhnt, das Fantastische ganz im Sinne der verwalteten Welt zu denken. Es gibt Rassen und Klassen, und eine wohldefinierte Magie, die gewissen Regeln folgt, kurz, dass Fantastische ist von Tolkien über diverse RPGs bis Martin stärker durchsystematisiert als ein typischer Tag in einer deutschen Kleinstadt. Und auch wenn Fans an dieser Stelle gern widersprechen: Sogenannte Low Fantasy und Urban Fantasy weichen da stellenweise zwar von ab, gehen aber höchst selten wirklich einen ganz anderen Weg. Chaos als Prinzip Schwarzer Leopard, roter Wolf aber geht diesen Weg. Seine Welt funktioniert eher wie die des magischen Realismus, sie ist chaotisch, wird mit allen Mitteln der literarischen Moderne als chaotische „visualisiert“, und ihre Magie ist ungezügelt, gleichzeitig kaum greifbar und doch immer und in jedem Moment Teil der Welt. Aber auch die Schublade „magischer Realismus“ greift nicht, denn jener zeichnet sich ja gerade durch das enge Arbeiten an der realen Weltgeschichte aus, die durch magische Momente mit symbolischer Bedeutung gebrochen wird. Meist lässt Magisches sich sowohl übersinnlich als auch (kollektiv) psychologisch lesen. Schwarzer Leopard, roter Wolf aber spielt in einer ausgearbeiteten Parallelwelt. Klar IST das Fantasy, aber eben in einem Sinne, der gleichzeitig Genre-Zuordnungen bedeutungslos werden lässt. Starker Fokus auf Sex und Gewalt Zuletzt einige Schwächen: Was Kämpfe betrifft merkt man Marlon James die Faszination für klassische Fantasy an, hier sinkt das erzählerische Niveau regelmäßig – zumindest in der deutschen Übersetzung – ab, bis hin zu einigen Sätzen, für die man sich schämen möchte, wie etwa „Einer griff mich mit Schwertkunst an“ (S. 31). Das Ausmaß der Welt wirklich fühlbar zu machen, gelingt James nicht. Der Held ist zu stark, wenn er stark ist, und plötzlich schwach, wenn es der Plot verlangt. Die Reise von Stadt zu Stadt wird teilweise lapidar in Sätze gepackt wie, „Ich ging nach XY“, – man bedenke, durch unwegsame Wildnis voller Gefahren. Und trotzdem ist der Roman zu lang. James will zu viel erzählen, verliert sich dann auch noch in seinen Kampfszenen und Beschreibungen, so dass nach 800 Seiten gerade erst ein Drittel der Geschichte fertig erzählt ist, denn dem Plan nach handelt es sich um eine Trilogie. Da kann dann gerade der sprachliche Sog, der am Anfang so an das Buch fesselt, mit der Zeit auch ermüden. Zu viel Überbordendes wirkt irgendwann redundant. Und meine Fresse: Ich glaube ich habe noch nie in einem Roman so oft das Wort „ficken“ gelesen. Es steht mindestens einmal auf jeder Seite. Zwar spricht James über Sinnlichkeit, die in der Literatur oft zu kurz komme. Doch nein: Fast aller Sex ist hier gewaltsam, vieler nicht-konsensuell. Zahlreiche Nebencharaktere sind nur dazu da, vergewaltig zu werden. Eine Zeit lang akzeptiert man das als die generelle „Düsternis“ der Welt. Mit der Zeit wirkt es nur noch pubertär. James soll ein großer Fan von Mervyn Peaks Gormenghast sein. Dort könnte man sich abschauen, dass düster und beklemmend auch ohne dauerndes Blutvergießen und Vergewaltigungen geht.

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Marlon James: “Schwarzer Leopard, roter Wolf” (Heyne Hardcore)

Von: Christian Funke

05.11.2019

Der erste Roman der Dark Star-Trilogie Der im Jahr 1970 in Kingston, Jamaika geborene Schriftsteller Marlon James ist kein Autor einfacher Lektüre. Sein sprachgewaltiger, zum Teil sehr verschachtelter Stil, sein unglaublich komplexer, ausschweifender inhaltlicher Aufbau und seine Schonungslosigkeit in puncto Gewalt traf man bereits in seinen früheren Geschichten, macht aber auch Schwarzer Leopard, roter Wolf zu einem literarischen Brocken, den man sich hart erarbeiten muss. Die mehr als 800 Seiten dienen hier als Einstieg in eine geplante Trilogie, die Elemente der Fantasy und des Horrorgenres auf afrikanische Mythen und Sagen treffen lässt und sich dabei nicht von irgendwelchen stilistischen oder erzählerischen Beschränkungen einengen lässt. Als Leser benötigt man, auch wenn der Stil sehr lesenswert und in seiner klaren Sprache flüssig ist, ein hohes Maß an Aufmerksamkeit, um sich gänzlich in die morbide Welt des Autors zu begeben, sich komplett auf das Geschehen einlassen zu können. Kennt man die anderen Bücher des mehrfach preisgekrönten Marlon James, weiß man, dass einem hier definitiv kein herkömmlicher Fantasy-Roman geboten werden wird. Und so betritt man eine surreale Welt des Aberglaubens, der Fabelwesen und Dämonen, erkennt jedoch auf einer Metaebene gleichzeitig die sehr persönliche Geschichte eines talentierten Autors, der die großen Vorbilder des Genres kennt und offensichtlich ausgiebig studiert hat, sich gleichzeitig jedoch die Freiheit nimmt, sämtliche Grenzen aufzubrechen und den Leser mit mehrzügigen, teilweise sich überlagernden Handlungen zu fordern. Seine Beschreibungen sind dabei sehr freizügig, seine im Roman vorkommende Gewalt monströs. Die Titelfigur, genannt „der Sucher“, soll in einem phantastischen Afrika jenseits unserer Zeitrechnung ein verschlepptes Kind finden, welches die ursprüngliche Thronfolge eines weit entfernten Königreichs wieder herstellen soll. Doch seine Suche ist gefährlich, voller Irrwege und geheimnisvoller Weggefährten. Marlon James nimmt sich die erzählerische Freiheit, eine gänzlich eigene, nach seinen Regeln funktionierende Welt aufzubauen, die er jedoch geschickt mit Elementen afrikanischer Sagen, griechischer Mythologien und Inspirationen aus der klassischen Fantasy vermengt. Keine einfache Lektüre, die es sich jedoch zu erkämpfen lohnt. Schwarzer Leopard, roter Wolf (Originaltitel: Black Leopard, Red Wolf - The Dark Star Trilogy 1, USA 2018) erscheint als gebundenes Hardcover mit Lesezeichenband in einer Übersetzung von Stephan Kleiner bei Heyne Hardcore (832 Seiten, 28 €). Neben der Geschichte befinden sich Karten, eine erklärende Auflistung der Figuren dieser Erzählung zur besseren Übersicht, mehrere schwarz-weiße Abbildungen und eine Danksagung des Autors in dem voluminösen, wunderschön aufgemachten Buch. Schwarzer Leopard, roter Wolf ist ein komplex aufgebauter, afrikanische und griechische Sagen und Mythen mit eigener Fantasy vermengender Brocken von einem Roman, der einen fulminanten, Grenzen sprengenden Einstieg in eine bildgewaltige Welt darstellt. Ein Autor, der erzählerisch Haken schlägt und den Leser damit herausfordert, ihm zu folgen, ohne dabei den Anschluss zu verlieren. Ich bin sehr gespannt, wohin mich dieser Weg noch führen wird! Christian Funke

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Vita

Marlon James, geboren 1970 in Kingston auf Jamaika, gilt als einer der bedeutendsten Literaten seiner Generation. Seine Romane wurden in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen geehrt. Unter anderem erhielt James als erster Jamaikaner den Man Booker Prize. Das »Time Magazine« zählte ihn zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten 2019. James lebt heute in Minneapolis, Minnesota.

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Stephan Kleiner

Stephan Kleiner, geboren 1975, lebt als literarischer Übersetzer in München. Er übertrug u. a. Geoff Dyer, Michel Houellebecq, Lawrence Osborne und Hanya Yanagihara ins Deutsche.

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Pressestimmen

»Man kann hier die Freude an Pulp-Fiction-Romanen amerikanischer Bauart ebenso herauslesen wie an Shakespeare-Dramen und den Gemälden von Hieronymus Bosch.«

»Neues Highlight für „Game of Thrones”-Fans ... Und ein feuriges Erweckungserlebnis für alle, die sonst nie Fantasy lesen.«

BRIGITTE, Angela Wittmann (09. Oktober 2019)

»James’ Kraft liegt im Lied seiner Sprache, in ihren Rhythmen, in den wuchtigen Worten, den seltsamen Szenarien. Große, wilde Bilder krachen einem hier in den Kopf, und fordern das Vorstellungsvermögen heraus.«

»Ein Roman wie ein Open-World-Videospiel, indem sich die Geschichte mit jedem Schritt der Hauptfigur verändert.«

»James legt seine Handlung breit an, greift auf ein umfangreiches Ensemble an Figuren zurück und erfindet eine eigene Welt mit farbenfroh angelegten und sauber kartografierten Schauplätzen, die als Kulisse für herzhafte Schlachten dienen.«

DER SPIEGEL (19. Oktober 2019)

»Ein klassisches Heldenepos in moderner Form«

dpa, Axel Knönagel (12. November 2019)

»Tatsächlich fragt man sich, warum erst James auf die Idee gekommen ist, dem alten Tolkien mit Afrikas reichem Volksglauben zurück auf die Füße zu helfen.«

Welt am Sonntag, Wieland Freund (03. November 2019)

»In seinem neuen Roman "Schwarzer Leopard, roter Wolf" baut Marlon James eine bildgewaltige Fantasywelt mitten in Afrika auf.«

»Wie im Vorgänger beeindruckt seine Sprachgewalt, hier kommt aber noch die Eigentümlichkeit der Welt hinzu, die er entwirft und die mit gängigen Afrika-Klischees bricht.«

GALORE, Florian Fischer (10. Oktober 2019)

»Die Sprachgewalt des Autors beeindruckt wie schon bei "Eine kurze Geschichte von sieben Morden".«

Austria Presse Agentur, Wolfgang Hauptmann (30. Oktober 2019)

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