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Unsühnbar Roman

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Gebundenes Buch, Leinen mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-7175-2414-4

Erschienen: 08.03.2016
Dieser Titel ist lieferbar.

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Zum 100. Todestag Marie von Ebner-Eschenbachs am 12. März 2016

Zu jung, um die beste Partie Wiens abzulehnen; zu leidenschaftlich, um dem Seitensprung mit dem heimlichen Schwarm zu widerstehen; zu aufrichtig, um der Scheinmoral nicht offen die Stirn zu bieten: Maria von Wolfsberg ist gleichermaßen sympathische Heldin wie tragisches Opfer von «Unsühnbar». Im Bemühen, sich von Schuld zu befreien, entgleitet ihr das Leben und läuft auf eine Katastrophe zu …

Ein schillerndes Figurenensemble, sprühende Dialoge und Seitenhiebe auf die Bigotterie des im Niedergang befindlichen österreichischen Adels machen diesen Ehebruchsroman - erschienen fünf Jahre vor «Effi Briest» - zu einer Leseentdeckung. Eindrucksvoll unterstreicht er den Rang Ebner-Eschenbachs als herausragende Autorin des deutschsprachigen Realismus.

«Eine große Stilistin. Sie wieder zu lesen – und gerade dieser neu aufgelegte Roman eignet sich hierfür vortrefflich – ist schlicht ein Vergnügen.»

DIE WELT KOMPAKT (11.03.2016)

Marie von Ebner-Eschenbach (Autorin)

Marie von Ebner-Eschenbach (1830–1916), geboren auf Schloss Zdislavic in Mähren, entstammte dem böhmischen Adel. Sie heiratete ihren Vetter Moritz Freiherr von Ebner-Eschenbach, zog nach Wien und absolvierte 1879 eine Ausbildung zur Uhrmacherin. Über sechzig Jahre hinweg schrieb sie zahlreiche Erzählungen, Romane und Theaterstücke.

«Eine große Stilistin. Sie wieder zu lesen – und gerade dieser neu aufgelegte Roman eignet sich hierfür vortrefflich – ist schlicht ein Vergnügen.»

DIE WELT KOMPAKT (11.03.2016)

«Wunderbar zu lesen, von schönem, subtilen Humor, die Figuren sind authentisch und stark, und die Protagonistin wird dem Leser unfehlbar ans Herz wachsen.»

SWR 2, Die Buchkritik, Martin Krumbholz (22.07.2016)

«Eine herausragende Vertreterin des bürgerlichen Realismus und mindestens auf Augenhöhe mit Theodor Fontane oder Gottfried Keller zu sehen. … Eine sensationelle Erzählerin.»

Der Tagesspiegel, Tobias Schwartz (11.04.2016)

«Eine moderne Autorin, die mit Witz und Liberalität des Denkens besticht.»

Deutschlandradio Kultur (12.03.2016)

«Dabei war sie als freigeistige Adelskritikerin, als gnadenlos spöttische, elegant pointierte Dekonstrukteurin bürgerlicher Lebenslügen eine Schriftstellerin, die in einer Reihe neben Ibsen und Zola steht.»

DIE WELT, Tilman Krause (12.03.2016)

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Originaltitel: Unsühnbar
Originalverlag: .

Mit Nachwort von Sigrid Löffler

Gebundenes Buch, Leinen mit Schutzumschlag, 352 Seiten, 9,0 x 15,0 cm

ISBN: 978-3-7175-2414-4

€ 22,95 [D] | € 23,60 [A] | CHF 29,90* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Manesse

Erschienen: 08.03.2016

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Die Stunde der Erniedrigung

Von: YukBook Datum: 20.07.2016

www.yukbook.me

Wie bigott und frauenfeindlich die Wiener Adelsgesellschaft Ende des 19. Jahrhunderts war, macht Marie von Ebner-Eschenbach in ihrem Roman „Unsühnbar“ deutlich. Opfer der biederen Konventionen wird die Protagonistin Maria von Wolfsberg, die den kunstliebenden Felix Tessin liebt. Die Gräfin fügt sich jedoch dem Wunsch ihres strengen Vaters und heiratet den biederen Graf Dornach. Als es zum Seitensprung kommt und Marie schwanger wird, schiebt sie ihrem Ehemann das Kind unter. Mit der Zeit lernt sie jedoch, Hermann zu lieben und die zahlreichen Vergnügungen der feinen Gesellschaft zu schätzen. Früher wollte sie um jeden Preis gefallen; nun wollen alle der Gräfin gefallen.

„Ein ganzes Dasein der Rechtschaffenheit muss eine Stunde der Verirrung aufwiegen können“, versucht sie sich einzureden, doch ihre Gewissensbisse und Seelenqualen nehmen mit der Zeit zu. Die Stunde der Erniedrigung bleibt für sie unsühnbar. Da helfen auch ihre Zerstreuungsversuche in Form von opulenten Bällen, der Treibjagd oder Wintersport nicht. Auch ihr Streben nach Vervollkommnung durch Bücher und die Kirche misslingt. Maria, die so viel Wert auf Wahrheit legt, kann nur schwer ertragen, dass ihr eigenes Leben auf einer Lüge aufbaut, und stürzt immer weiter in den Abgrund von Schuld und Sühne.

Auch wenn der pathetische Ton nicht ganz in unsere Zeit passt, werden Marias Leidenschaften und Seelenqualen so nuanciert beschrieben, dass man mit ihr fühlt. Der Roman, der erstmals 1890 erschien, illustriert sehr deutlich die Scheinmoral und die patriarchalische, durch ökonomisches Kalkül geprägte Gesellschaft der damaligen Zeit.

Marie von Ebner-Eschenbach zum Hundertsten

Von: Paul Hübscher Datum: 09.04.2016

blog.litteratur.ch

Vor kurzem, am 12. März 1916, starb Marie von Ebner-Eschenbach. Diese runde Zahl hat offenbar der eine oder andere Verlag zum Anlass genommen, das eine oder andere ihrer Werke wieder zu veröffentlichen. So auch der Zürcher Manesse-Verlag, der Unsühnbar in seiner Bibliothek der Weltliteratur auflegte, mit einem Nachwort von Sigrid Löffler.*)

Unsühnbar ist die Geschichte der Gräfin Maria Wolfensberg, einer hypersensiblen jungen Frau, die im und am patriarchalischen Milieu des Adels, aus dem sie stammt und in das sie heiratet, zu Grunde geht. Ihre Mutter ist seit langem tot. Ihr Vater redet ihr ihre Jugendliebe mehr oder weniger sanft aus und verheiratet sie mit Hermann Dornach - ein dynastischer Schachzug, wie er so oft unter Adelshäusern stattfand. Die Ehe ist nicht einmal unglücklich; Dornach ist sogar ganz ehrlich in Maria verliebt, und das rührt sie. Aber es kommt, wie es kommen muss: Maria trifft 'zufälligerweise' ihre Jugendliebe Tessin wieder. Und auch da kommt es, wie es kommen muss: Sie werden - ein einziges Mal! - intim und Maria wird von Tessin schwanger. Den Rest ihres Lebens bringt Maria nun mit ihrem schlechten Gewissen zu. Als dann der ältere (und legitime) Sohn auf einer Landpartie in einen Bach stürzt und ertrinkt, der Vater, der den Sohn retten will, ebenfalls dabei stirbt, ist es um Maria geschehen. Sie bricht zusammen und gesteht ihre 'Schande'. Die Dornachs kennen sie ab sofort nicht mehr; der Vater Wolfensberg versteckt seine Tochter auf einem abgelegenen Familiensitz.

So weit das Handlungsgerüst. Aber dahinter steht mehr. Die Geschichte der Maria Wolfensberg ist eine Anklage des patriarchalischen Systems. Nicht nur, dass die Töchter aus dynastischen Gründen verschachert werden. Die Frauen leiden ganz allgemein unter der herrschenden Doppelmoral. Die Männer nämlich dürfen mehr oder weniger offen die Ehe brechen. Auch Wolfensberg Vater ist so ein Ehebrecher. Zu ihrer Volljährigkeit kriegt Maria eine Schatulle geschenkt mit dem Tagebuch ihrer Mutter, das beweist, dass die Mutter an des Vaters Ehebruch zerbrochen ist. Der illegitime Sohn aus dieser Affäre, Marias Halbbruder, wird seinerseits zum Instrument von Tessin, der nämlich Maria keineswegs 'zufällig' getroffen hat, sondern das Ganze sorgfältigst arrangierte, um Maria einmal f... zu können. Obwohl Maria es im Folgenden als ihre unsühnbare Schuld betrachtet, 'gefallen' zu sein, zerbricht sie im Prinzip an der (im wahrsten Sinne des Wortes) herrschenden Moral, die die Frau zum blossen Sexual-Spielzeug der Männer macht. Selbst ihre Schuldgefühle sind noch von aussen aufgezwungen und nicht genuin.

Unsühnbar ist 1890 erschienen, 5 Jahre vor Effi Briest, worauf auch der Klappentext hinweist. Solche Hinweise sind gefährlich, denn sie führen unweigerlich dazu, dass der Leser vergleicht. Und obwohl ich Effi Briest keineswegs für Fontanes bestes Werk halte: Unsühnbar kommt nicht daran heran. Ebner-Eschenbach liefert zwar ein paar äusserst gelungene satirische Spitzen gegen de Adel und seine Lebensweise. Sie erkennt und beschreibt sogar, wie diese Lebensform langsam verschwindet: Die Gleichaltrigen waren nicht bereit, zusammen mit der Vätergeneration Maria Dornach für ihren Fehltritt zu verurteilen. Wenn Maria sich selber nicht verurteilt hätte - sie hätte ihr früheres Leben durchaus fortführen können. Allerdings ist diese neue Gesellschaft auch gedankenlos und kümmert sich nicht weiter um Maria, als diese sich völlig von ihr zurückzieht. Unsühnbar kommt nicht an Effi Briest heran, habe ich geschrieben, und das ist vor allem eine Frage des Stils. Wo Fontane subtil andeutet, wird Ebner-Eschenbach recht explizit. Die Seelennöte der jungen Frau drücken sich melodramatisch in Ohnmachtsanfällen, Tränen, Zittern und Händeringen aus. Maria wie Effi sterben an gebrochenen Herzen - aber wie melodramatisch ist Marias Tod nicht geschildert. Ihr Vater, der endlich seine Fehler erkennt, reist aus Wien auf seinen Landsitz, wo die Tochter im Sterben liegt. Wie er ankommt, ist sie gerade gestorben, und - schwupps! - liegt die Leiche des Vaters neben der der Tochter. Das ist ein bisschen zu viel des Guten und bedauerlich insbesondere, weil der Anfang, wo Marie von Ebner-Eschenbach schildert, wie das Publikum gerade aus einer Vorstellung des Fidelio strömt, jeder aber nur an das nun folgende körperliche Plaisir (essen, trinken, beischlafen) denkt, und keiner noch einen Gedanken an die Oper verschwendet (die doch - worauf auch Sigrid Löffler in ihrem Nachwort hinweist - eine Hymne auf eheliche Liebe und Treue darstellt!), dieser Anfang ist einer der gelungensten Romananfänge, die ich kenne. Aber schon der kurz darauf folgende erste Auftritt von Marias Halbbruder, von dem sie damals noch nichts weiss, erfolgt überdramatisch. Ebner-Eschenbach hämmert dem Leser so richtig ein, dass wir hier einen gefährlichen Menschen vor uns haben, und dass diese Begegnung ein schlechtes Omen für Maria sei. Der Leser merkt's und ist ein bisschen verstimmt.

Ansonsten in der üblichen, hohen Qualität der Manesse Bibliothek der Weltliteratur erschienen: Leinen, Fadenheftung, Lesebändchen. Die Erläuterungen haben in etwa das rechte Mass, auch wenn einem fleissigen Leser 'älterer' Literatur die meisten Kutschen-Typen zumindest dem Namen nach bekannt sein sollten (viel mehr erfährt er auch nicht aus den Anmerkungen), und auch der im Text des öftern zitierte Walpole und dessen Burg von Otranto (auch eine Geschichte um genealogisch-dynastische Machenschaften - und Walpoles häufiges Auftauchen vielleicht ein Hinweis darauf, dass Ebner-Eschenbach ihre eigene Geschichte nicht so ganz ernst nehmen konnte) sollten bekannt sein. Dennoch eine verdankenswerte Tat, diese Edition, für jeden, der Marie von Ebner-Eschenbach jenseits von Hundegeschichten und Aphorismen kennen lernen will. (Obwohl aphoristische Zuspitzung einzelner Sätze auch in diesem kurzen Roman zu finden ist.)

*) Von der Random House Group dankenswerter Weise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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