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Von Edelfedern, Phrasendreschern und Schmierfinken Die schrägen Typen der Journaille

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Gebundenes Buch ISBN: 978-3-7175-2382-6

Erschienen: 26.09.2016
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Journalisten? Hohle Schwätzer und vorlaute Kläffer! Zeitungsmacher? Elende Opportunisten! Kritiker? Perfide Ignoranten! Für Balzac waren Presseleute so ziemlich das Letzte. In seinem Bestiarium der Pariser Journaille, hier erstmals ins Deutsche übersetzt, wagt der Autor einen satirischen Rundumschlag – respektlos, böse und herrlich einseitig.

Die Herren von der schreibenden Zunft haben in Balzacs Augen samt und sonders etwas maliziös Wankelmütiges, sind offen korrupt oder von eherner Prinzipienlosigkeit. Angelehnt an die zoologische Artenbestimmung knöpft er sich in seiner Typenlehre nun sämtliche Gestalten der Pressewelt vor: den Leitartikler, den Vulgarisator, das Faktotum, den Lobhudler, den Monothematiker, den Sektierer, den Mann fürs Grobe und was sonst alles über die Flure von Zeitungsredaktionen kreucht und fleucht. Die kritische Inventur des modernen Journalismus ist ein origineller Sidekick in der aktuellen Debatte um die Rolle der Medien. Ergänzt wird die heitere Philippika durch Balzacs Appell an Schriftsteller, ihr Urheberrecht zu verteidigen.

"Bittere Bonmots" - deutschlandradiokultur.de

«Weil der Platz fehlt, sei Balzacs Artenlehre hier einfach umstandslos empfohlen. … Ein Stück Karikatur der Vergangenheit, mit dem man die Gegenwart etwas lässiger sieht.»

DIE WELT, Literarische Welt, Marc Reichwein (08.10.2016)

Honoré de Balzac (Autor)

Honore de Balzac (1799-1850), eigentlich der Generation der Romantiker angehörend, bildet zusammen mit Stendhal und Flaubert das große Dreigestirn der französischen Realisten. Ruinöse Unternehmungen als Verleger und Spekulant sowie sein hemmungslos verschwenderischer Lebensstil stürzten Balzac schon in jungen Jahren in gewaltige Schulden und zwangen ihn zeitlebens zu rastloser literarischer Arbeit. Seine fast hundert Titel umfassende, als universelles Sittengemälde seiner Zeit angelegte „Comédie humaine“, ist Geniestreich der Selbstvermarktung und virtuoses Monumentalwerk der Weltliteratur in einem.

«Weil der Platz fehlt, sei Balzacs Artenlehre hier einfach umstandslos empfohlen. … Ein Stück Karikatur der Vergangenheit, mit dem man die Gegenwart etwas lässiger sieht.»

DIE WELT, Literarische Welt, Marc Reichwein (08.10.2016)

«Der Schriftsteller Honoré de Balzac kritisiert mit Witz und Verve die Presse.»

Cicero (Magazin für politische Kultur), Michael Stallknecht (01.11.2016)

«Balzacs Typenlehre, nach 173 Jahren erstmals von Rudolf von Bitter auf Deutsch herausgegeben, ist eine famos garstige Philippika über die ‹Edelfedern, Phrasendrescher und Schmierfinken›.»

Bayern 2 Radio, Sdg. radiotexte (15.11.2016)

«Wer sich ein Bild davon machen will, dass der Vorwurf der ‹Lügenpresse› lange vor den Nazis im Umlauf war, der soll das hübsche Bändchen aufschlagen.»

Neue Zürcher Zeitung, Franziska Meier (21.12.2016)

«Ein zeitloser Band, der in jede Redaktionsstube & neben den Rechner der Blogger wie Netzaktivsten jeglicher Coleur gehört.»

Perlentaucher.de - Das Kulturmagazin (16.09.2016)

mehr anzeigen

Aus dem Französischen von Rudolf von Bitter

Gebundenes Buch, 320 Seiten, 9,0 x 15,0 cm

ISBN: 978-3-7175-2382-6

€ 19,95 [D] | € 20,60 [A] | CHF 26,90* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Manesse

Erschienen: 26.09.2016

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Gehässig, aber interessant: Wie Balzac vor 200 Jahren über die Pariser Presse herzog

Von: Die kleine Bibliothek Datum: 14.05.2017

www.die-kleine-bibliothek.de

Wen man ein Buch rezensiert, schreibt man kritisch über das Buch. Man wägt ab, was dem Autor besonders gut gelungen ist oder benennt dramaturgische Schwächen, flache Charaktere und was einem sonst aufgefallen ist und der Rede wert erscheint. Man ist also zwangsläufig ein Kritiker und damit einer jener „schrägen Typen der Journaille“, wie sie Honoré de Balzac in seiner Polemik gegen die Presse charakterisiert. 1843 erschien die Streitschrift, 2016 brachte der Schweizer Manesse-Verlag das Traktat erstmals in deutscher Übersetzung auf den Markt: Von Edelfedern, Phrasendreschern und Schmierfinken. Die schrägen Typen der Journaille

Fünf Gattungen Kritiker gibt es nach Balzac und schon der Titel stellt klar, dass er nur wenig von ihnen hält. Ob es nun um Publizisten, Politiker, Übersetzer geht. Er übergießt sie alle mit beißendem Spott, dessen sarkastische Qualität an Voltaire erinnert und vielleicht eine Besonderheit französischer Literatur ist. Der Gedanke an Voltaire drängt sich schon deshalb auf, weil er seinerzeit Journalisten als „cannaille de la littérature“ bezeichnet hatte. 100 Jahre vor Balzac schütteten Schriftsteller also auch schon Hohn über die Presse aus.

Das Wichtigste am Charakter eines Kritikers oder Publizisten sei, das sie keinen besäßen, ätzt Balzac gleich zu Beginn seines Werkes. An späterer Stelle heißt es.

Der Charakter des Kritikers ist insofern bemerkenswert, als in jedem Kritiker ein verhinderter Schriftsteller steckt. Da er selbst zur Schöpfung nicht taugt, wirft er sich zum Haremswächter auf (…). Gemeinhin hat der Kritiker damit angefangen, Bücher zu veröffentlichen, in denen er vielleicht sein Französisch unter Beweis hat stellen können, die aber weder Dramaturgie noch Charaktere bieten, Bücher bar allen Interesses.

Was Balzacs Typologie der Pariser Presse auszeichnet, sind Passagen wie die Zitierte. Er legt den Finger in die Wunde und benennt Dinge, die nicht von der Hand zu weisen sind, kombiniert mit Gehässigkeit, die auf die Dauer etwas enervierend, aber immerhin ausgezeichnet in Worte gegossen ist. Es steckt stets ein wahrer Kern in seinen überzeichneten Charakterisierungen. So ist es auch beim freien Journalisten, der pro Zeile bezahlt wird und den Balzac (soviel kann ich nicht zuletzt aus eigener beruflicher Erfahrung sagen) pointiert beschreibt:

Der Zeilenangler ist der Autor, der von der Zeile lebt wie der Angler von der Schnur. Tag für Tag bringt er die kostbarste Begabung auf, um eine Albernheit über ein oder zwei Spalten auszuwalzen (…).

Die Polemik Balzacs ist gewiss nicht mit den dumpfen Beschimpfungen zu vergleichen, die zunehmend in der Öffentlichkeit die Runde machen. Es wäre anachronistisch seine Kritik an Opportunismus und Heuchelei mit dem von rechts außen kolportierten Propaganda-Wort der Lügenpresse zu vermengen. Aber es zeigt, dass die Medien schon vor knapp 200 Jahren einen schweren Stand hatten und schon immer von denen diskreditiert wurden, denen die Tonalität der Artikel nicht behagte. Es sind nicht zuletzt die Verrisse seiner eigenen Werke, die Balzacs Zorn erregten.

Komplettiert wird die Typologie der Pariser Presse von einem kundigen Nachwort, das hilft, den Text besser zu verstehen, und einigen Briefen Balzacs, zum Beispiel sein Plädoyer für die Etablierung eines Urheberrechts.

Honoré de Balzac: Von Edelfedern, Phrasendreschern und Schmierfinken

Von: Birgit Böllinger Datum: 04.02.2017

www.saetzeundschaetze.com

Was „La Comédie humaine“ im großen Ganzen zugrunde lag, das wandte Balzac auch auf einen Text an, der 1843 erschien: „Die Monographie de la presse parisienne“. Rudolf von Bitter, Kulturchef beim BR, hat diese Mischung aus Satire, Pamphlet und Essay erstmals ins Deutsche übersetzt, erschienen ist der Text, ergänzt durch Balzacs „Brief an die französischen Schriftsteller“ und weitere Beispiele, die sein prekär-streitbares Verhältnis zu Kollegen und Kritikern beleuchten, 2016 beim Manesse Verlag.
Balzac war ein temperamentvoller und empfindlicher Mensch: Und so ist seine Monographie eine bissige Abrechnung mit Journalisten, eine Presseverurteilung der literarisch gehobenen Art, gespeist wohl auch von einer inneren Wut. Rudolf von Bitter ordnet in seinem umfangreichen Nachwort die Polemik  – „eine systematische und systematisch verunglimpfende Streitschrift gegen „die Journalisten“, gegen „die Presse“, mit einer Anordnung einzelner Charaktertypen wie im Biologiebuch, nach dem Vorbild von Carl von Linné mit seinen Rangstufen von Klasse, Ordnung, Gattung, Art und Varietät, voll ausgesuchter und offenbar über die Jahre aufgesammelter Einfälle und Wortspiele“ – sachlich ein und zeigt auf, in welche Fehden mit der Feder sich Balzac im Laufe seines Lebens begab. Sein Hinweis, beim Lesen des Textes Verständnis für die Nöte Balzacs mit den dargestellten Typen zu haben, ist wichtig – auch mit dem Blick auf die Medienlandschaft heute. Auch wenn man bei manchem Absatz schmunzeln und an die eine oder andere Figur aus dem aktuellen Medienbetrieb denken mag: Balzacs Text ist eine subjektive, aus persönlichen Erfahrungen und Verletzungen gespeiste Polemik.

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