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Fleischfabrik Deutschland Wie die Massentierhaltung unsere Lebensgrundlagen zerstört und was wir dagegen tun können

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Taschenbuch, Broschur ISBN: 978-3-442-15929-1

NEU
Erschienen: 18.09.2017
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Ein zynisches Geschäft

Die industrielle Massentierhaltung nimmt trotz des Biotrends immer gewaltigere Ausmaße an. Das gefährdet unsere Gesundheit, zerstört die Umwelt und quält Tiere. In diesem System nimmt Deutschland als einer der größten Fleischproduzenten Europas eine skandalöse Schlüsselposition ein. Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender der Grünen, deckt die Funktionsweise der Fleischfabrik Deutschland auf und fordert in seinem leidenschaftlichen Plädoyer eine radikale Wende in der Politik. Es ist möglich, gutes und gesundes Essen für alle zu produzieren, und zwar nachhaltig und fair.

Anton Hofreiter (Autor)

Anton Hofreiter, Jahrgang 1970, ist Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag und promovierter Biologe. Er kämpft für eine gerechte Agrarwende und ist dafür bis nach Brasilien gereist. In Deutschland besucht er regelmäßig Höfe und sucht das Gespräch mit Bauern, Unternehmen und Verbrauchern.

Originaltitel: Fleischfabrik Deutschland
Originalverlag: Riemann Verlag, München 2016

Taschenbuch, Broschur, 256 Seiten, 12,5 x 18,7 cm
s/w Abbildungen und Grafiken

ISBN: 978-3-442-15929-1

€ 10,00 [D] | € 10,30 [A] | CHF 13,90* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Goldmann

NEU
Erschienen: 18.09.2017

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Folgende Rezensionen beziehen sich auf eine andere Ausgabe (Gebundenes Buch)

Rezension: Fleischfabrik Deutschland von Dr. Anton Hofreiter

Von: Katrin Luber Datum: 13.10.2017

istdasvegan.eu/

Als ich vor 13 Jahren von Berlin nach Niedersachsen zog, war ich durch mein Studium der Landschaftsarchitektur und die Ausbildung als Landschaftsgärtnerin zwar nicht ganz blauäugig, aber die Auswirkungen der Fleischfabrik Deutschland auf die Umwelt, sehe ich jetzt jeden Tag vor der Haustür! Fahre ich zum Dümmer See, komme ich an einem Hof mit Hühnern und einem mit Schweinen vorbei, es wird quasi nur noch Mais oder Raps angebaut, etwas Kartoffeln und immer weniger Getreide.

Fasane, Schmetterlinge und Feldhasen gibt es fast gar nicht mehr, ab und an sieht man noch Rehe. Kein Wunder, dass die Artenvielfalt in meiner alten Heimat Berlin wahrscheinlich momentan höher ist als bei mir auf dem ja ach so idyllischen Land. Nur direkt am Dümmer See im Naturschutzgebiet, ist die Natur noch ein ganz kleines bisschen vorhanden, obwohl der See regelmäßig von Algen geplagt wird.

Anton Hofreiter kritisiert dieses System in seinem Buch Fleischfabrik Deutschland und nennt ganz eindeutig die Schuldigen. Vieles wusste ich schon, da ich ja sehr viele Bücher für den Blog lese und mich für sehr aufgeklärt halte. Da er als Fraktionsvorsitzender bei den Grünen im Bundestag hautnah an der Quelle sitzt, habe ich, vor allem was die politischen Verflechtungen angeht, noch vieles gelernt. Hofreiter kämpft für eine gerechte Agrarwende und besucht regelmäßig Höfe und spricht mit Bauern, Unternehmen und Verbrauchern.

Die Fleischfabrik Deutschland hängt am Sojatropf

Als Student Anfang 20 reist er nach Südamerika und guckte sich die Regenwälder und Savannen Brasiliens an. Vor 2 Jahren war er wieder dort und statt sattem Grün, sah er Agrarwüsten und Sojaplantagen, soweit er gucken konnte. Auf den Flächen werden Futtermittel für die Massentierhaltung angebaut und die Konzerne vertreiben die Einheimischen von ihrem Land. Da hier der Fleischkonsum immer mehr sinkt, müssen die Konzerne nach neuen Absatzmärkten suchen. Sie exportieren Fleisch aus einer hochsubventionierten und technisch ausgereiften Industrie zu Dumpingpreisen nach Afrika und Südamerika und zerstören so weiter die Lebensgrundlagen der einheimischen Bauern.

Der Deutsche Bauernverband lässt die Kleinbauern im Stich
Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, meine allen Ernstes, schreibt Hofreiter, dass es in Deutschland keine Massentierhaltung gäbe. Er spreche lieber von „Intensivtierhaltung“! Da kann man nur noch mit dem Kopf schütteln.

Hofreiter erklärt auch das System der EU-Subventionen. Insgesamt stehen für Deutschland 6,5 Milliarden Euro zur Verfügung und wer viel Fläche hat, der bekommt auch viele Subventionen – etwa 344 Euro pro Hektar. Somit erhalten die, die eh schon viel haben, Millionen an Steuergeldern und können davon weiter neue Flächen kaufen. Die kleinen Bauern bekommen nur einen Bruchteil und müssen davon häufig leben, da sie durch die gesunkenen Preise ihre Waren oft unterhalb der Herstellungskosten verkaufen müssen.

Hofreiter schlägt vor, die Subventionen bei einer Höhe von 150.000 € zu kappen, um mit dem Geld eine grünere und gerechtere Landwirtschaft aufbauen zu können. Stattdessen gehen Höfesterben und Massentierhaltung weiter. Der Bauernverband treibt seine Mitglieder mit dem Motto „wachse oder weiche“ in eine ruinöse finanzielle Sackgasse. Aus diesem Grund fühlen sich viele kleinere und mittlere Betriebe nicht mehr vom Bauernverband vertreten, sind bereits ausgestiegen und gründeten eigene Verbände.

Weitere Themen des Buches sind die katastrophalen Haltungsbedingungen der Tiere in der Massentierhaltung, antibiotikaresistente Keime, Überdüngung, Glyphosat & Gentechnik sowie TTIP und CETA.

Lösungen für eine grüne Landwirtschaft
Hofreiter vergleicht die Zeit jetzt mit den Jahren vor der Energiewende – damals hielten diese viele für nicht durchführbar. Er ist sich sicher, dass die Agrarwende kommen wird, auch wenn Christian Schmidt und Joachim Rukwied anderer Meinung sind. Er schlägt „sechs Schritte für eine grüne Agrarwende“ vor.

Diese beinhalten einen Ausstieg aus der Massentierhaltung und Umstieg auf 100 Prozent Bio in Deutschland. Dies beinhaltet eine Landwirtschaft, die eine sichere Zukunftsperspektive für Landwirte bietet und ein Einkommen, von dem sie leben können. Bauern sollen vom Artenkiller zum Artenschützer werden und der Verbraucher soll Transparenz und Verbraucherschutz erleben statt Täuschung. TTIP und CETA sollen verhindert (leider nicht eingetroffen) und die globale Agrarpolitik so gestaltet werden, dass Menschen in anderen Teilen der Welt ebenfalls von ihrem Ackerland und Arbeit leben können.

All dies klingt utopisch, aber er beschreibt auch, dass die Bevölkerung in Deutschland sich zunehmend mit Initiativen, Demonstrationen, einem Umstieg auf regionale Bioware und vielen anderen kleinen Aktionen wehrt. So haben beispielsweise 2015 über 1000 Betriebe auf Bio umgestellt.

Und weil ihr es ja immer wissen wollt: Ja, Anton Hofreiter isst noch Fleisch! Aber das Buch ist trotzdem sehr lesenswert!

Sehr informativ und verständlich!

Von: warmerSommerregen Datum: 12.11.2016

https://warmersommerregen.wordpress.com/

Die Massentierhaltung hat deutlich vernichtendere Folgen, als man es spontan vermuten würde. Selbstverständlich ist in der Bevölkerung bereits angekommen, dass diese Art der Produktion für wenig Geld auf Kosten der Qualität geht. Aber damit hat man das eigentliche Problem gerade erst gestreift: Nicht nur unsere Gesundheit wird gefährdet, den Tieren wird gesetzlich eigentlich verbotenes Leid zugefügt, die Umwelt leidet - mit verheerenden Folgen für die Ökosysteme und schlussendlich auch uns Menschen - und Bäuerinnen und Bauern können von ihrer Arbeit kaum mehr als die Kosten decken. Auf der anderen Seite stehen diejenigen, welche von dem Dumpingfleisch profitieren und mithilfe ihrer Lobbyisten notwendige Schritte in der Politik zu verhindern wissen.
Dabei sollte uns, als einer der größten Fleischproduzenten Europas, unsere Verantwortung gegenüber den Tieren, der Umwelt oder den Menschen bewusst sein.
In "Fleischfabrik Deutschland" zeigt der promovierte Biologe und Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, wie viele (globale) Missstände zusammenhängen und wie beispielsweise unser fehlerhaftes System der Fleischerzeugung unter anderem Wasserknappheit verschärfen oder zur Erderwärmung beitragen.

In diesem Werk wird auf derart viele Aspekte eingegangen, dass ich sie hier nicht auflisten möchte. Auf 256 Seiten werden, in die großen Oberkapitel "Das Schweinesystem", "Gefahren aus dem Stall", "Ohne Netz und doppelten Boden", "Eine Frage der Gerechtigkeit", "Globale Verlierer", "Die Schuldfrage", "Löchrige Gesetze", "Falsches Geld", "Europas mächtigste Lobby", "TTIP und CETA", "Aufbruch in die Agrarwende - hin zu einer grünen Landwirtschaft", "Mut zur Veränderung", "Sechs Schritte für eine grüne Agrarwende" und "Was wir davon haben" gegliedert, Zusammenhänge beschrieben, Sachverhalte erklärt, Fragen gestellt, Lösungen geboten,...
Dabei sind die Ausführungen stets sehr verständlich und gut zu lesen. Hofreiter bleibt immer sachlich und verurteilt niemanden, er sucht auch nicht den einen Schuldingen, sondern gibt viel mehr Denkanstöße und ganz konkrete Vorschläge an, um das System zu verbessern. Schließlich liegt der Grund für die vielen Probleme weder einfach nur beim ignoranten Konsumenten, der mehr zu bezahlen nicht bereit ist, noch bei den profitmaximierenden Bäuerinnen und Bauern. Es wird sehr darauf geachtet, keine Schwarz-Weiß-Malerei zu betreiben und nicht alle Probleme und die Verantwortung auf einzelne Personen(gruppen) abzuwälzen.
Sehr hilfreich sind auch die zahlreichen anschaulichen Diagramme, Graphen, Skizzen, Fotografien und so weiter, da diese einem die sonst doch etwas schwer zu begreifenden Fakten verständlicher machen.
Was mir an diesem Buch auch sehr gefällt ist, dass es auch kein Aufruf zum Vegetarismus oder Veganismus ist. Viel mehr wird ein vernünftiger und verantwortungsbewusster Umgang mit unseren Ressourcen gefordert und eine Umstrukturierung der industriellen Landwirtschaft angestrebt.
Dies wäre auch ein Schlüssel, um auf globaler Ebene der Zerstörung unserer Lebensgrundlagen entgegen zu wirken.

Von mir gibt es für dieses spannende, informative und zum Nachdenken anregende Buch 5 von 5 Sternen!

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