Spione im Zentrum der Macht

Wie die Stasi alle Regierungen seit Adenauer bespitzelt hat

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Deutsch-deutsche Geschichte – spannend wie ein Krimi

Günter Guillaume kam Willy Brandt ganz nah. Als der DDR-Agent enttarnt wurde, trat der Kanzler zurück – es war die größte Spionageaffäre der deutschen Geschichte. Doch Guillaume war nur die Spitze des Eisbergs. Es gab Tausende Stasi-Spitzel, die aus dem »Operationsgebiet« BRD berichteten.
Heribert Schwan hat über 70.000 Blatt Stasi-Akten gesichtet, um die Ausmaße der DDR-Spionage im Westen nachzuvollziehen. Er zeigt, wie die Stasi das gesamte Bonner Spitzenpersonal ins Visier nahm, darunter auch die Kanzler, von Adenauer bis Kohl. Doch mehr noch, das MfS streute auch aktiv Fehlinformationen, um die BRD-Regierungen und führende Persönlichkeiten zu diffamieren. Schwan gibt Einblick in die Strategien, Pläne und Tricks der selbst ernannten »Kundschafter des Friedens« und erklärt, wie das Agentennetz funktionierte. Vier Jahrzehnte Stasi-Spionage: ein weitgehend unbekanntes, spannendes Kapitel deutsch-deutscher Geschichte!


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ISBN: 978-3-641-22928-3
Erschienen am  23. September 2019
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Versagen der BRD-Geheimdienste

Von: Dr. Michael Lausberg aus Doveren

29.10.2019

In diesem Buch weist der Journalist Heribert Schwan nach, wie die Stasi vier Jahrzehnte lang das gesamte westdeutsche politische Spitzenpersonal im Visier hatte, darunter auch die Kanzler, von Adenauer bis Kohl. Das MfS streute auch aktiv Fehlinformationen, um die BRD-Regierungen und führende Persönlichkeiten zu diffamieren. Dazu hat er über 70.000 Blatt Stasi-Akten gesichtet, um die Ausmaße der DDR-Spionage im Westen nachzuvollziehen. Er gibt Einblick in die Strategien, Pläne und Tricks der Stasi und erklärt, wie das Agentennetz funktionierte. Das Buch verknüpft die Erkenntnisse der spät entschlüsselten Datenträger des DDR-Geheimdienstes mit den Ermittlungsergebnissen der bundesdeutschen Justiz. Dabei stehen folgende Fragen im Mittelpunkt: Wie konnte es der Stasi gelingen, ihre Spitzel selbst ins Kanzleramt einzuschleusen? Wie wurden die inoffiziellen Mitarbeiter angeworben und ausgebildet – und was hat sie zu ihrem Verrat bewogen? Auf welchen Wegen wurden die geheimen Berichte und Unterlagen übermittelt? Einen Schwerpunkt bildet dabei die Guillaume-Affäre, der politisch bedeutsamste Spionagefall der deutsch-deutschen Geschichte. Günter Guillaume reiste 1956 aus der DDR in die Bundesrepublik ein und gab dabei vor, politischer Flüchtling zu sein. Von Beginn an war er auf die Parteiarbeit in der SPD angesetzt.1970 gelangte Guillaume als Mitarbeiter ins Bundeskanzleramt und wurde im Oktober 1972 persönlicher Referent des Bundeskanzlers in Parteiangelegenheiten. In dieser Funktion hatte er unter anderem die Parteitermine Brandts, der neben der Kanzlerschaft auch den Parteivorsitz der SPD innehatte, zu organisieren sowie den Schriftverkehr mit Parteigliederungen und Mitgliedern zu führen. Am 24. April 1974 wurde er enttarnt. Brandt übernahm die politische Verantwortung und trat am 7. Mai 1974 von seinem Amt als Bundeskanzler zurück. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Guillaume-Affäre nicht der alleinige Grund für den Rücktritt war, zumal die von Guillaume in die DDR übermittelten Informationen offenbar nicht allzu sicherheitsrelevant waren. Schon Konrad Adenauer wurde systematisch observiert. Von besonderem Interesse für die SED waren die Pariser Verträge, die für die BRD das Besatzungsstatut beendeten und ihren Beitritt zur NATO und zur WEU vereinbarten. Sein Nachfolger Ludwig Erhard war derart integer, dass sich die Spionage auf Minister in seinem Kabinett konzentrierte, denen eine NS-Vergangenheit nachgewiesen werden konnte. darunter auch Erich Mende als Minister für gesamtdeutsche Fragen, auf den der Nürnberger Unternehmer Hannsheinz Porst angesetzt wurde. Kiesingers Nazi-Vergangenheit wurde natürlich vom MfS propagandistisch ausgeschlachtet in einer 50seitigen Vita. Wie Helmut Schmidt von einem Kölner Regierungsobersekretär der Bundeswehr für das MfS mehr als 15 Jahre lang ausgespäht wurde, wird ebenfalls nachgezeichnet. Ca. 50 Spitzel waren auf Kanzler Kohl angesetzt, darunter der Mitarbeiter des Flick-Konzerns und CDU-Mitglied, Hans-Adolf Kanter. Auch die Tätigkeit der DDR-Spione in Auswärtigem Amt und in militärischen Einrichtungen wird ausführlich rezipiert. Über den Erfolg der DDR-Spionage bemerkte der Autor: „Sicherlich waren die DDR-Oberen durch bestimmte Informationen den bundesdeutschen Politikpartnern manchmal einen Schritt im Denken und Handeln voraus. Damit konnte die DDR-Spitze ihre eigene deutsch-deutsche Politik strategisch besser planen und gestalten.“ (S. 366) Das Buch ist eine spannende vorläufige Aufarbeitung der systematischen Unterwanderung der Bonner Regierungen von 1949 bis 1989 durch Spione für die DDR. Diese Dokumentation zeigt ausführlich Praktiken im Kalten Krieg für die eine Seite, eine Aufarbeitung der BRD-Spionage in der DDR steht noch aus und wird wohl noch lange auf sich warten lassen. Für die BRD-Geheimdienste bedeutet dieses Buch auch keine Erfolgsgeschichte.

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Vita

Heribert Schwan, Dr. phil., geboren 1944, war Redakteur beim Deutschlandfunk und beim WDR-Fernsehen, u.a. verantwortlich für die Kulturfeatures im ARD-Programm. Für seine Dokumentationen erhielt er zahlreiche nationale und internationale Preise; für seinen Film »Die verdrängte Gefahr – Neonazismus« wurde er mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet. Heribert Schwan verfasste für Helmut Kohl drei Bände von dessen Memoiren und ist Autor zahlreicher anderer Bücher; darunter einige Bestseller. Zuletzt erschien von ihm »Vermächtnis. Die Kohl-Protokolle« (zusammen mit Tilman Jens).

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