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Spiegel Hardcover Belletristik

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HERKUNFT ist ein Buch über den ersten Zufall unserer Biografie: irgendwo geboren werden. Und was danach kommt.

HERKUNFT ist ein Buch über meine Heimaten, in der Erinnerung und der Erfindung. Ein Buch über Sprache, Schwarzarbeit, die Stafette der Jugend und viele Sommer. Den Sommer, als mein Großvater meiner Großmutter beim Tanzen derart auf den Fuß trat, dass ich beinahe nie geboren worden wäre. Den Sommer, als ich fast ertrank. Den Sommer, in dem Angela Merkel die Grenzen öffnen ließ und der dem Sommer ähnlich war, als ich über viele Grenzen nach Deutschland floh.

HERKUNFT ist ein Abschied von meiner dementen Großmutter. Während ich Erinnerungen sammle, verliert sie ihre. HERKUNFT ist traurig, weil Herkunft für mich zu tun hat mit dem, das nicht mehr zu haben ist.

In HERKUNFT sprechen die Toten und die Schlangen, und meine Großtante Zagorka macht sich in die Sowjetunion auf, um Kosmonautin zu werden.

Diese sind auch HERKUNFT: ein Flößer, ein Bremser, eine Marxismus-Professorin, die Marx vergessen hat. Ein bosnischer Polizist, der gern bestochen werden möchte. Ein Wehrmachtssoldat, der Milch mag. Eine Grundschule für drei Schüler. Ein Nationalismus. Ein Yugo. Ein Tito. Ein Eichendorff. Ein Saša Stanišić.

»Eines der intelligentesten, geistsprühendsten und - nicht zuletzt - formal innovativsten Bücher dieses Frühjahrs. Eine echte Freude zu lesen!«

Denis Scheck / Das Erste "druckfrisch" (17. März 2019)

ORIGINALAUSGABE
Hardcover mit Schutzumschlag, 368 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-630-87473-9
Erschienen am  18. März 2019
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Mit dem Autor auf einer emotionalen Suche nach Heimat

Von: Aufgeblaettert

31.07.2019

Gern werden die Begriffe Heimat und Herkunft gleichgesetzt sowie als Synonym für den Geburtsort einer Person verwendet. Dabei können das Heimatgefühl und die eigene Interpretation von Herkunft unterschiedlich ausgelegt werden. Saša Stanišić veranschaulicht diese Vielfältigkeit der Begriffe in seiner autobiographischen Erzählung und nimmt uns mit auf seine lebenslange Suche nach der Antwort, was für ihn Herkunft und Heimat bedeuten könnten: Könnten diese Begriffe anstatt an den Geburtsort auch an Lieblingsplätze, Erinnerungen, Erlebnisse oder an Familie und Freunde geknüpft sein? Inhalt: Saša Stanišić muss 1992 aus seinem Heimatort Višegrad im damaligen Vielvölkerstaat Jugoslawien und jetzt im östlichen Bosnien und Herzigowina aufgrund des damals ausgebrochenen Krieges fliehen. Sein Vater ist Serbe, seine Mutter Bosniakin und Muslimin. Die Familie flieht nach Heidelberg, wo Saša aufwächst und erwachsen wird. Der liebste Aufenthaltsort von ihm und seinen Freunden nach der Schule ist eine Aral-Tankstelle. Saša verliebt sich zum ersten Mal, lernt besser Deutsch und beginnt zu schreiben, das aber zu Beginn auf Serbokroatisch. Sein Lehrer bringt ihn dazu, auf Deutsch zu schreiben. Seine Kurzgeschichten werden in der Klasse sogar unter einem Pseudonym besprochen. Er beginnt für sich die deutsche Literatur und Lyrik sowie klassische deutsche Autoren zu entdecken. Heidelberg wird irgendwie seine neue Heimat. Saša Stanišić darf als einziger seiner Familie in Deutschland bleiben, da er nach der Schule Deutsch als Fremdsprache und Slawistik studiert und später als Autor Arbeitet findet. Wenn er nach seiner Herkunft gefragt wird, dann variieren seine Antworten. Jedoch was seinen Ursprung betrifft, bevorzugt Saša Slowene, da man dabei weniger an Kriegsopfer denke im Vergleich zu Bosnien. Als erwachsener Mann besucht er seine Oma in seiner Geburtsregion. Er geht so auch seinen Erinnerungen nach, die einen Teil seines Verständnisses von Heimat und Herkunft ausmachen könnten: Die Oma erkrankt an Demenz. Für sie scheinen Erinnerungen nur noch Schall und Rauch. Kaum noch etwas wirkt wie früher. Für Saša ist der Ort in seinem Geburtsland zum einen fremd, zum anderen wiederum so vertraut, als könnte er seiner Herkunft entsprechen. Einer seiner Verwandten in Bosnien ist sich sicher, dass Sašas Herkunft „hier“ sei. Doch ist das tatsächlich so einfach? Kritik: Das Gefühl von Heimat ist ein abstraktes und deutet auf die Beziehung zwischen einem Menschen und einem Ort hin. So verbinden manche Leute mit Heimat ihre sogenannte Wahlheimat, also denjenigen Ort, den man sich selbst zum Leben ausgesucht hat. Für manche wie Saša ist Heimat wiederum ein Ort, wohin man gezwungen wurde zu fliehen, aber ihn später als neue Heimat anerkennen wird. Heimat kann meiner Meinung nach genauso mit Personen oder mit Erlebnissen verbunden werden, also gar nicht zwangläufig mit einem Ort verknüpft. Auch Herkunft kann weitreichender definiert werden, denn nicht ohne Grund spricht man auch von sozialer Herkunft. So beschreibt Saša Stanišić vor allem Heimat und Herkunft nicht nur als vielfältige Orte, die sein Leben prägten sondern auch als Teil des Erlebbaren. So scheint die Heimat der Oma nun die Vergangenheit zu sein. Sie verliert sich immer mehr in ihren Erinnerungen und scheint nicht so recht bewusst da zu sein, wenn ihr Enkel sie besucht. Sašas Geburtsort ist eine wichtige Erinnerung und damit ein Teil seiner Herkunft, aber manchmal wiederum scheint der Ursprungsort seiner Familie nicht viele mehr als eine unscheinbare Erinnerung für ihn. Saša Stanišić nutzt im Laufe seines Lebens immer mehr sein Talent für Sprache. Sie ist der Grund, weshalb er in Deutschland bleiben darf. So zeigt auch Sprache, dass sie ein Teil des Heimatgefühls ausmachen kann. Sowohl die deutsche als auch die slavische Kultur und die damit verbundenen Sprachräume scheinen für den Autor Heimat. Und genau diese Komplexität von Herkunft und Heimat fängt der Autor insgesamt beeindruckend ein. Er bricht es nicht auf eine Definition herunter, sondern eröffnet neue Blickwinkel und Interpretationsvarianten, was man unter den vermeintlich klaren Worten Heimat und Herkunft verstehen kann. Ihm gelingt schlussendlich eine sprachlich differenzierte, tiefgründige, aber auch berührende Autobiographie als Roman. Heimat muss nicht nur der Geburtsort sein, sondern kann auch an Erinnerungen, Erlebnisse oder an Lieblingsplätze geknüpft sein. Fazit: Der Autor bedient sich der Vielfältigkeit der deutschen Sprache und lässt uns an seinen Gedankengängen zu Fragen teilhaben, die ihn und auch uns wohl ein Leben lang beschäftigen werden: Wo komme ich her, wo gehe ich hin? Wo will ich herkommen und wo will ich selbst hingehen? Der Roman von Saša Stanišić ist facettenreich, intelligent geschrieben und absolut lesenswert. Er veranschaulicht, dass der Heimatbegriff gar nicht so eindeutig zu bestimmen ist und auch nicht immer nur mit positiven Gefühlen behaftet ist. Und ohne zu viel verraten zu wollen: Bleibt dran! Das Ende des Romans wird nämlich interaktiv… Saša Stanišićs Roman „Herkunft“ ist bei Luchterhand (Random House) im März erschienen.

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Saša Stanišić – HERKUNFT

Von: Miss.mesmerized aus Deutschland

27.07.2019

Die Frage danach, wo man herkommt, scheint so einfach und ist doch so kompliziert. Wenn Saša Stanišić gefragt wird, muss er zunächst zurückfrage: wie, jetzt gerade? Oder wo ich wohne? Oder das Land, in dem ich geboren bin, und das es gar nicht mehr gibt? Oder die ethnische Zugehörigkeit seiner Eltern? Er beleuchtet dieses komplizierte Thema anhand seiner eigene Biografie. Geboren als Sohn einer Bosniakin und eines Serben in einer jugoslawischen Kleinstadt, ist es in der Kindheit relativ egal, wer was ist, es sind eh alle für Roter Stern Belgrad, die Mannschaft, die 1991 den Europapokal gewinnt, bevor das Land auseinanderbricht und Jahrzehnte im fußballerischen Nirgendwo versinkt. Der Krieg kommt näher und die Familie flüchtet nach Deutschland, wo im Kreis zahlreicher anderer Flüchtlinge die Herkunft wieder egal ist, alle sitzen letztlich im gleichen Boot. Und heute? Die Mutter in Kroatien, wo sie als Nicht-EU Bürgerin nicht dauerhaft wohnen darf, die Großmutter dement und damit gänzlich ohne Herkunft und der Rest der Familie in alle Himmelsrichtungen verstreut. Was gibt man da an die Kinder weiter? Der Autor selbst liest sein Buch, was der Geschichte durch den merklichen Akzent eine noch eindringlichere Wirkung verleiht. Thematisch könnte Stanišić kaum mehr den aktuellen Zeitgeist treffen, auch wenn seine Einwanderungsgeschichte unter gänzlich anderen Voraussetzungen stattgefunden hat als die derjenigen, die seit 2015 angekommen sind. Ohne Frage gilt der vielfach ausgezeichnete Autor als perfekt integriert und Musterschüler. Gut, dass er den Finger auch in die Wunde legt, denn er hat eine Chance bekommen, hätte seine Familie 15 Jahre später versucht zu flüchten, wären sie vermutlich von einem ungarischen Zaun gestoppt worden. Was mich besonders begeistern konnte war die gelungene Verbindung von persönlicher Geschichte und großen politischen Linien. Der Autor selbst erlebt die Flucht und Ankunft in der neuen Welt als Jugendlicher. Schnell findet er Anschluss, denn er ist nicht alleine, aus aller Herren Länder sitzen Mitschüler in seinem Vorbereitungskurs und schnell freundet man sich an und arrangiert sich mit der Situation. Eine gewisse Normalität kann er sich so schnell aufbauen, seine Eltern hingegen müssen einfache Arbeiterjobs annehmen, die ihren akademischen Qualifikationen in keiner Weise gerecht werden, bis sie schließlich nur wenige Jahre später ohnehin wieder rausgeworfen werden. Bei einer Reise mit seiner Großmutter nach Višegrad viele Jahre später sucht er nicht nur nach Wurzeln, sondern stellt auch fest, wie sich Menschen immer wieder anpassen. Den Zweiten Weltkrieg mit dem Einmarsch der Deutschen, die sich dann letztlich doch auch nur als Menschen herausstellten und sich mit der lokalen Bevölkerung arrangierten, haben die Alten genauso ausgehalten wie den angeordneten Vielvölkerstaat und dessen brutalen Zerfall. Anekdoten reihen sich aneinander, von kindlicher Unbedarftheit bis zu unschönen Wahrheiten. Er trifft auf Deutsche, die aus Schlesien stammen und ebenso mit scheinbar willkürlichen Grenzen und Definitionen leben müssen wie er und muss als Jugendlicher mit überschaubarem Wortschatz Wörter wie Brandanschlag, Ausländerhass und Molotow-Cocktail lernen, weil überall im Land gerade Neonazi Flüchtlingsunterkünfte anzünden. Er findet keine Antwort auf die Eingangsfrage, außer vielleicht, dass diese Frage nur gestellt wird vor dem Hintergrund eines sehr begrenzten Weltbildes, das aus Schubladen besteht, deren Sortierordnung nicht nur überholt, sondern weltfremd, unnütz und rassistisch ist.

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Vita

Saša Stanišić wurde 1978 in Višegrad (Jugoslawien) geboren und lebt seit 1992 in Deutschland. Sein Debütroman »Wie der Soldat das Grammofon repariert« wurde in 31 Sprachen übersetzt. Mit »Vor dem Fest« gelang Stanišić erneut ein großer Wurf; der Roman war ein SPIEGEL-Bestseller und ist mit dem renommierten Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet worden. Für den Erzählungsband »Fallensteller« erhielt er den Rheingau Literatur Preis sowie den Schubart-Literaturpreis. Saša Stanišić lebt und arbeitet in Hamburg.

Zur AUTORENSEITE

Events

07. Sep. 2019

Lesung mit Sasa Stanisic

Hamburg | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

19. Sep. 2019

Lesung mit Sasa Stanisic

20:00 Uhr | Essen | Lesungen
Saša Stanišić
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24. Sep. 2019

Lesung mit Sasa Stanisic

20:00 Uhr | Oestrich-Winkel | Lesungen
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25. Sep. 2019

Lesung mit Sasa Stanisic

Basel | Lesungen
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01. Okt. 2019

Lesung mit Sasa Stanisic

20:15 Uhr | Berlin | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

08. Okt. 2019

Lesung mit Sasa Stanisic

19:30 Uhr | Essen | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

22. Okt. 2019

Lesung mit Sasa Stanisic

20:00 Uhr | Reinbek | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

30. Okt. 2019

Lesung mit Sasa Stanisic

20:00 Uhr | Dossenheim | Lesungen
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06. Nov. 2019

Lesung mit Sasa Stanisic

20:00 Uhr | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

07. Nov. 2019

Lesung mit Sasa Stanisic

20:00 Uhr | Schwabach | Lesungen
Saša Stanišić
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14. Nov. 2019

Lesung mit Sasa Stanisic

19:30 Uhr | Halle | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

27. Nov. 2019

Lesung mit Sasa Stanisic

19:30 Uhr | Rosenheim | Lesungen
Saša Stanišić
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28. Nov. 2019

Lesung mit Sasa Stanisic

20:00 Uhr | Dingolfing | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

03. Dez. 2019

Lesung mit Sasa Stanisic

19:30 Uhr | Bochum | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

04. Dez. 2019

Lesung mit Sasa Stanisic

Würzburg | Lesungen
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27. Feb. 2020

Lesung mit Sasa Stanisic

19:00 Uhr | Buxtehude | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

Videos

Pressestimmen

»Klug, herzzerreißend, verrückt. Mehr geht nicht. Unbedingt lesen!«

Natascha Geier / NDR Fernsehen "Kulturjournal" (18. März 2019)

»Dass ein Buch wichtig sei, sagt sich leicht, dieses ist, gerade heute, gerade hier, von großer Bedeutung.«

Richard Kämmerlings / Die Welt (16. März 2019)

»Wenn es sie gibt, die goldene Generation der deutschen Gegenwartsliteratur mit Migrationshintergrund, dann ist Saša Stanišić ihr Libero.«

Ijoma Mangold / DIE ZEIT (14. März 2019)

»Mit kräftigen Farben malt Stanišić seine Ahnengalerie und die eigene Geschichte, aber nicht mit einem Behördenbleistift, sondern mit einem buschigen Pinsel.«

Daniel Kaiser / NDR Info (13. März 2019)

»Einer der tollsten Erzähler überhaupt!«

Kristian Thees / SWR3 (11. Mai 2019)

»Saša Stanišić ist ein moderner Bänkelsänger, der beste, den wir haben, das beweist er hier einmal mehr.«

Thomas Hummitzsch / Rolling Stone (28. Februar 2019)

Weitere Bücher des Autors