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Spiegel Hardcover Belletristik

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HERKUNFT ist ein Buch über den ersten Zufall unserer Biografie: irgendwo geboren werden. Und was danach kommt.

HERKUNFT ist ein Buch über meine Heimaten, in der Erinnerung und der Erfindung. Ein Buch über Sprache, Schwarzarbeit, die Stafette der Jugend und viele Sommer. Den Sommer, als mein Großvater meiner Großmutter beim Tanzen derart auf den Fuß trat, dass ich beinahe nie geboren worden wäre. Den Sommer, als ich fast ertrank. Den Sommer, in dem Angela Merkel die Grenzen öffnen ließ und der dem Sommer ähnlich war, als ich über viele Grenzen nach Deutschland floh.

HERKUNFT ist ein Abschied von meiner dementen Großmutter. Während ich Erinnerungen sammle, verliert sie ihre. HERKUNFT ist traurig, weil Herkunft für mich zu tun hat mit dem, das nicht mehr zu haben ist.

In HERKUNFT sprechen die Toten und die Schlangen, und meine Großtante Zagorka macht sich in die Sowjetunion auf, um Kosmonautin zu werden.

Diese sind auch HERKUNFT: ein Flößer, ein Bremser, eine Marxismus-Professorin, die Marx vergessen hat. Ein bosnischer Polizist, der gern bestochen werden möchte. Ein Wehrmachtssoldat, der Milch mag. Eine Grundschule für drei Schüler. Ein Nationalismus. Ein Yugo. Ein Tito. Ein Eichendorff. Ein Saša Stanišić.

»Eines der intelligentesten, geistsprühendsten und - nicht zuletzt - formal innovativsten Bücher dieses Frühjahrs. Eine echte Freude zu lesen!«

Denis Scheck / Das Erste "druckfrisch" (17. März 2019)

ORIGINALAUSGABE
Hardcover mit Schutzumschlag, 360 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-630-87473-9
Erschienen am  18. März 2019
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Saša Stanišić | HERKUNFT

Von: Bookster HRO

02.04.2019

Endlich wieder ein Lebenszeichen von Saša Stanišić, dem Autor, der 2014 mein persönliches Buch des Jahres geschrieben hat. Nach der darauf folgenden Storysammlung FALLENSTELLER – die mir offen gestanden nicht so zusagte – führt uns der Autor diesmal in seine Heimat Bosnien, die er 1992 vierzehnjährig mit seinen Eltern verlassen musste. Als Sohn einer Bosniakin und eines Serben wurde es nach der Besetzung seiner Heimatstadt Višegrad im Zuge des Bosnienkrieges lebensbedrohlich zu bleiben. Sie flohen nach Heidelberg und ließen den Großteil ihrer Familie zurück. Unter anderem Großmutter Kristina, die eigentliche Heldin dieses Buches – mit ihr beginnt es und mit ihr endet es. Stanišić schreibt in HERKUNFT vom Aufwachsen in einem fremden Land, dem Erlernen einer fremden Sprache und den Reisen zurück in seine Heimat, und dort vor allem von den Begegnungen mit seiner Großmutter, die zwar allmählich in der Demenz verschwindet, ihn aber nach wie vor liebevoll beleidigend einen Esel nennt. Dabei geht er nicht chronologisch vor, sondern packt eine Anekdote an die andere, zaubert Erinnerungen hervor wie Kleidungsstücke aus der Mottenkiste und verziert sie mit der für ihn so typischen ironisch-poetischen Sprache. Dass ihn das Gedächtnis manchmal trügt, daraus macht er keinen Hehl und arbeitet den Kampf um die richtige Erinnerung in den Text ein, schmückt aus, erfindet neu. Somit ist HERKUNFT weder Biographie noch Roman, sondern eine Mischform aus beidem, die gerade aus der Unzuverlässigkeit des Autors ihren Reiz gewinnt. Auf den letzten sechzig Seiten greift Stanišić nochmal richtig in die Trickkiste und bezieht uns Leser in seine Geschichte ein. In dem interaktiven Abschlusskapitel DER DRACHENHORT müssen wir als Saša unsere Großmutter aus dem Pflegeheim befreien und auf ihrer letzten Reise zu ihrem geliebten Mann Pero begleiten, der seit Jahrzehnten im Jenseits auf sie wartet. Es lauern viele Gefahren, allerlei Getier aus der slawischen Mythenwelt will uns an den Kragen und wir müssen entscheiden, welchen Weg wir gehen, damit Großmutter glücklich wird. Choose-Your-Own-Adventure-Bücher waren vor allem in den 1980er Jahren sehr populär und erfreuen sich spätestens seit der Black-Mirror-Folge BANDERSNATCH auf Netflix wieder großer Beliebtheit, zumindest im Filmformat. Dass Stanišić diese Literaturgattung von der Staubschicht befreit und ihr wieder Leben einhaucht, gehört auch in die Rubrik Erinnerung an die Jugend (und ist – ganz unter uns – die schönste und rührendste Liebeserklärung an eine Großmutter, die ich je gelesen habe). Zugegeben: Das Thema Heimat und Herkunft ist seit einigen Jahren omnipräsent und besonders auf dem Literaturmarkt stark überbeansprucht. Dennoch ist Stanišićs Buch ein wichtiger Beitrag zur Debatte und eine Bereicherung für die Literatur, eben weil er mit HERKUNFT nicht nur ein Flüchtlingsdrama oder Emigrantenschicksal erzählt, sondern mit viel Witz und Poesie einen persönlichen, verspielten und aufrichtigen Lebensbericht geschrieben hat. Ich bleibe dabei: Saša Stanišić ist einer der besten Schriftsteller seiner Generation und es ist ein großes Glück, dass wir ihn haben.

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Literarisches "Selbstporträt mit Ahnen"

Von: Buchfundbüro

27.03.2019

In Herkunft wendet sich Saša Stanišić den Schauplätzen der eigenen Biografie zu. Auf seiner literarischen Spurensuche – die von Višegrad über Heidelberg nach Hamburg und wieder zurück führt – fragt er jedoch nicht nur nach dem Einfluss der Orte auf die eigene Identität. Mit seinen Erzählungen von Krieg, Flucht und Neuanfang führt er zudem eindrücklich vor, warum es längst an der Zeit ist, Begriffe wie Heimat und Zugehörigkeit aus ihrer nationalen Fixierung zu lösen.  Die Geschichte, die Stanišić in Herkunft erzählt, findet ihren Anfang im Sommer 2009. Gemeinsam mit seiner Großmutter reist er in diesem Jahr in ein abgeschiedenes bosnisches Bergdorf namens Oskuruša, dem Geburtsort seines Großvaters.  Der Besuch am Grab seiner Vorfahren, die Gespräche mit den wenigen verbliebenen Einwohnern des aussterbenden Dorfes, all dies bildet den Ausgangspunkt für ein sehr persönliches "Selbstporträt mit Ahnen". Mit seinem episodenartigen Erzählstil,  dem beständigen Hin- und Herspringen zwischen Zeiten und Orten, präsentiert sich der autobiografische Text dabei als eine Art literarisches Erinnerungsmosaik, das sich aus den Lebensläufen dreier Generationen zusammensetzt. Um die Rekonstruktion einer Familiengeschichte im klassischen Sinne geht es Stanišić dabei jedoch eher am Rande. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Suche nach der eigenen Position in einem spezifischen Gefüge von Menschen und Orten – oder kurz gesagt die Frage: Was hat das eigentlich alles mit mir zu tun? Denn während für die bis dato unbekannten Verwandten in Oskuruša feststeht, dass der inzwischen in Deutschland lebende Autor selbstverständlich ,einer von hier' ist, bleibt Stanišić selbst deutlich skeptischer gegenüber allzu einfachen Herkunftsdefinitionen. So wird seine ebenso persönliche wie poetische Annäherung an die Vergangenheit vor allem auch von grundlegenden Zweifeln begleitet: Lässt sich – aus der Perspektive des Jahres 2018 – überhaupt bedenkenlos über Heimat und Abstammung nachdenken, ohne damit jene Politik der Ausgrenzung fortzuschreiben, die ja gerade diese Begriffe zu ihren zentralen Schlagworten erhoben hat? Es ist nicht zuletzt diese Frage, auf die Stanišić mit seinen schlaglichtartigen Einblicken in die eigene Biografie, aber auch die Lebensgeschichten seiner Eltern und Großeltern, eine Antwort zu geben versucht. Dabei greift er erneut Themen auf, die bereits Eingang in seinem Debütroman Wie der Soldat das Grammofon repariert (2006) fanden. So erzählt er von seiner Kindheit in Jugoslawien, von den ersten Vorboten des Krieges und schließlich auch dem Zusammenbruch des Vielvölkerstaats. Davon, wie er zu Beginn der 1990er Jahre mit der Mutter vor der eskalierenden Gewalt nach Deutschland flüchtet und Schritt für Schritt nicht nur in einem fremden Land, sondern auch einer fremden Sprache Fuß fasst. Wie er noch als Schüler erste Schreibversuche unternimmt und schließlich durch die Tätigkeit als Schriftsteller eine Aufenthaltserlaubnis und damit auch eine dauerhafte Bleibeperspektive in Deutschland erschreibt.  Doch die Anekdoten vom Ankommen, von  Selbstbehauptung und erfolgreichen Neuanfängen, markieren nur die eine Seite einer Geschichte, zu der auch gehört, dass eine Familie infolge des Krieges auseinandergerissen und über verschiedene Länder und Kontinente zerstreut wird. Dass eine Rückkehr in die frühere Heimat unmöglich geworden ist. Nicht nur, weil das Land, in dem man geboren ist, nicht mehr existiert, sondern auch, weil die einst vertrauten Orte zu Schauplätzen der Gewalt geworden sind. Weil die persönlichen Erinnerungen überlagert werden von dem Wissen um die hier vollzogenen Gräueltaten. Dass sich Stanišićs  Auseinandersetzung mit Identität und Zugehörigkeit vor diesem Hintergrund kaum mit nationalen Begriffen erfassen lässt, wird dabei schnell deutlich. Etwa dann, wenn er Herkunft als etwas beschreibt, das – mit der Großmutter in Bosnien, der Mutter in Kroatien und dem Sohn in Hamburg – stets an mehreren Orten zugleich stattfindet. Oder dann, wenn er – frei von jeglichem "Zugehörigkeitskitsch" – einer Heidelberger ARAL-Tankstelle eine mindestens ebenso identitätsstiftende Wirkung wie dem eigenen Geburtsort zuschreibt. Vor allem aber und besonders eindrücklich auch dann, wenn er an die ,unerhörte Selbstverständlichkeit' erinnert, mit der in den 1990er Jahren überall in Jugoslawien plötzlich die Rassisten aufmarschierten. Wenn er mit seiner Warnung vor dem "zersetzenden Potenzial der Nationalismen" eine Brücke in die Gegenwart des Jahres 2018 schlägt. Einer Zeit also, in der Grenzen, die er selbst noch überschreiten konnte, längst unüberwindbar geworden sind, die AfD Wahlergebnisse im zweistelligen Bereich erzielt und in Chemnitz ein "Hitler-Gruß [...] über der Gegenwart" hängt.   So sehr Stanišić dabei einerseits als Chronist des Gegenwärtigen und  Vergangenen in Erscheinung tritt, widmet er sich zugleich insbesondere auch der Unaufhaltsamkeit des Verschwindens und Vergessens. So lässt sich Herkunft vor allem auch als ein Abschiedsbuch lesen, ein Buch, das sich nicht nur mit verschiedenen Aspekten des Heimatverlustes beschäftigt, sondern auf einfühlsame Weise auch davon berichtet, wie sich die Großmutter nach und nach in der Demenz verliert. Wie schon in vorausgegangenen Texten liegen dabei Fakt und Fiktion, Erinnern und Erfinden stets eng beieinander. Spätestens wenn der Leser die Großmutter des Autors aus einem Altenheim befreien oder auf Drachenjagd begleiten und auf diese Weise selbst am Ende der Geschichte mitwirken darf, tritt zum wiederholten Male jene unbändige Freude am Fabulieren zutage, die Stanišić zu seinem literarischen Markenzeichen gemacht hat. So besticht Herkunft letztlich nicht nur als kluger zeitpolitischer Kommentar, sondern vor allem auch als ebenso kunstfertiges wie kreatives Spiel mit der Sprache und den Mitteln und Möglichkeiten der Literatur.  

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Vita

Saša Stanišić wurde 1978 in Višegrad (Jugoslawien) geboren und lebt seit 1992 in Deutschland. Sein Debütroman »Wie der Soldat das Grammofon repariert« wurde in 31 Sprachen übersetzt. Mit »Vor dem Fest« gelang Stanišić erneut ein großer Wurf; der Roman war ein SPIEGEL-Bestseller und ist mit dem renommierten Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet worden. Für den Erzählungsband »Fallensteller« erhielt er den Rheingau Literatur Preis sowie den Schubart-Literaturpreis. Saša Stanišić lebt und arbeitet in Hamburg.

Zur AUTORENSEITE

Events

24. Apr. 2019

Lesung

20:00 Uhr | Göttingen | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

25. Apr. 2019

Lesung

19:30 Uhr | Hannover | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

30. Apr. 2019

Lesung

20:00 Uhr | Hamburg | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

02. Mai 2019

Lesung

19:00 Uhr | Frankenberg / Eder | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

08. Mai 2019

Lesung mit Sasa Stanisic

19:00 Uhr | München | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

09. Mai 2019

Lesung

20:00 Uhr | Mindelheim | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

15. Mai 2019

Lesung und Gespräch

19:30 Uhr | Berlin | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

19. Mai 2019

Lesung und Gespräch

17:00 Uhr | Freinsheim | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

20. Mai 2019

Lesung mit Sasa Stanisic

Heidelberg | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

22. Mai 2019

Lesung und Gespräch mit Sasa Stanisic

19:30 Uhr | Zürich | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

28. Mai 2019

Lesung

19:00 Uhr | Wuppertal | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

29. Mai 2019

Lesung mit Sasa Stanisic

19:30 Uhr | Frankfurt | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

05. Juni 2019

Lesung mit Sasa Stanisic

19:00 Uhr | Aalen | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

06. Juni 2019

Lesung

19:00 Uhr | Karlsruhe | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

11. Juni 2019

Lesung mit Sasa Stanisic

20:00 Uhr | Hamburg | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

12. Juni 2019

Lesung

19:30 Uhr | Oldenburg | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

13. Juni 2019

Lesung mit Sasa Stanisic

19:30 Uhr | Lüneburg | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

19. Juni 2019

Lesung

20:15 Uhr | Berlin | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

20. Juni 2019

Lesung

Leipzig | Lesungen
Saša Stanišić
Wie der Soldat das Grammofon repariert

26. Juni 2019

Lesung

19:30 Uhr | Bolanden | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

27. Juni 2019

Lesung

19:30 Uhr | Westerburg | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

06. Aug. 2019

Gespräch mit Sasa Stanisic

18:00 Uhr | Berlin | Lesungen
Saša Stanišić
HERKUNFT

Videos

Pressestimmen

»Klug, herzzerreißend, verrückt. Mehr geht nicht. Unbedingt lesen!«

Natascha Geier / NDR Fernsehen "Kulturjournal" (18. März 2019)

»Dass ein Buch wichtig sei, sagt sich leicht, dieses ist, gerade heute, gerade hier, von großer Bedeutung.«

Richard Kämmerlings / Die Welt (16. März 2019)

»Wenn es sie gibt, die goldene Generation der deutschen Gegenwartsliteratur mit Migrationshintergrund, dann ist Saša Stanišić ihr Libero.«

Ijoma Mangold / DIE ZEIT (14. März 2019)

»Mit kräftigen Farben malt Stanišić seine Ahnengalerie und die eigene Geschichte, aber nicht mit einem Behördenbleistift, sondern mit einem buschigen Pinsel.«

Daniel Kaiser / NDR Info (13. März 2019)

»Saša Stanišić ist ein moderner Bänkelsänger, der beste, den wir haben, das beweist er hier einmal mehr.«

Thomas Hummitzsch / Rolling Stone (28. Februar 2019)

Weitere Bücher des Autors