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Monte Verità 1900 – der Traum vom alternativen Leben beginnt

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Gebundenes Buch mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-421-04685-7

Erschienen:  16.10.2017
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Grüner leben, wilder denken, freier lieben - Gegenkultur im frühen 20. Jahrhundert

Das 20. Jahrhundert ist noch kein Jahr alt, da macht sich eine Gruppe junger Aussteiger nach Ascona an den Lago Maggiore auf. Sie gründen den Monte Verità, den Berg der Wahrheit. Ihre Agenda: in der Natur leben, sich vegan ernähren, freier lieben, sich selbst verwirklichen. Schnell verbreitet sich ihr Ruf nach Berlin, München, Genf und St. Petersburg. Erich Mühsam kommt, völlig blank, mit dem schönen Dichter Johannes Nohl im Schlepptau, doch er verträgt das vegetarische Essen nicht. Käthe Kruse tanzt mit ihrem unehelichen Kind an Weihnachten ums Feuer. Hermann Hesse flüchtet sich vor dem Alkohol nach Ascona und gräbt sich in die Erde ein. Marianne Werefkin malt über sechshundert Bilder. Mary Wigman folgt ihrem Lehrer Rudolf von Laban auf den Berg und bringt diesen mit ihrem Tanz an die Sonne zum Beben.

Stefan Bollmann erzählt von den Lebensreformern und der faszinierenden Aktualität ihrer Ideen bis heute.

»Ein unterhaltsames wie kluges Buch.«

Martin Doerry, DER SPIEGEL (28.10.2017)

Stefan Bollmann (Autor)

Stefan Bollmann, geboren 1958, promovierte nach einem Studium der Literatur, Geschichte und Philosophie über Thomas Mann. 1998 tauschte er den Beruf des Hochschullehrers gegen den des Lektors in Publikumsverlagen. Stefan Bollmann hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, darunter „Frauen, die lesen, sind gefährlich“, 2005 im Elisabeth Sandmann Verlag erschienen. Seine Bücher wurden in 16 Sprachen übersetzt und verkauften sich annähernd eine halbe Million Mal. Auch sein letztes Buch, „Warum ein Leben ohne Goethe sinnlos ist“ (DVA 2016), stand wieder auf der Bestsellerliste.

»Ein unterhaltsames wie kluges Buch.«

Martin Doerry, DER SPIEGEL (28.10.2017)

»Bollmann hat einen einnehmenden, dem Feuilletonistischen und der Ironie verpflichteten Ton, der dem Buch etwas Leichtes verleiht.«

Falter (12.10.2017)

»Stefan Bollmanns lebendig geschriebenes Buch überzeugt, weil es diese erste moderne Gegenkultur in ihre kulturhistorischen Kontexte einbettet.«

NZZ am Sonntag (28.01.2018)

»Äußerst lesenswert…Wer mit Stefan Bollmanns Buch nach Ascona reist, dürfte bestens vorbereitet sein.«

Rheinpfalz (30.10.2017)

»Stefan Bollmann rekonstruiert die Anfänge alternativer Lebensform um 1900...Lesenswert!«

die tageszeitung (05.11.2017)

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06.09.2018 | Ranis

Lesung und Vortrag

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Mehr Infos

Literatur- und Kunstburg Ranis
Burg Ranis
07389 Ranis

Weitere Informationen:
Lsezeichen
07743 Jena

Tel. 03641/590018

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 320 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
mit Abb.

ISBN: 978-3-421-04685-7

€ 20,00 [D] | € 20,60 [A] | CHF 27,90* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: DVA Sachbuch

Erschienen:  16.10.2017

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Faszinierende Zeitreise: Hier sind die wahren "Mütter und Väter" der späteren Hippie-Bewegung!

Von: artWORDising Diana Wieser Datum: 28.02.2018

schreiblust-leselust.de

Sie sind langhaarig, Vegetarier, Aussteiger, praktizieren freie Liebe und nacktes Sonnenbaden: Nein, die Rede ist nicht von den 1968ern. Die Rede ist von den Bewohnern des Monte Verità, jenem Ort über dem Lago Maggiore bei Ascona, der zwischen 1900 und 1920 Hotspot von Anarchisten, Rebellen, Freidenkern, Künstlern und Naturmenschen war. Körper, Geist und Seele wieder in Einklang bringen. Raus aus dem steifen Korsett, den industrialisierten und verdreckten Großstädten. Rein in eine Selbstversorger-Kommune, die Freiheit und Selbstentfaltung verspricht. Stefan Bollmann folgt der illustren Gründertruppe und ihren Gästen, von Hermann Hesse bis Käthe Kruse. Er zeigt, dass das Vermächtnis des Monte Verità noch Generationen später weltweit Früchte trägt. Sogar sprichwörtlich: Denn ohne diese Reformbewegung hätte Steve Jobs seine Firma nicht Apple genannt!

Dies ist nur eine der vielen kleinen, verblüffenden Geschichten, denen Stefan Bollmann in seinem Buch nachspürt. Zunächst zeigt er die Anfänge der alternativen Lebenskommune. Sechs Mitglieder - die Musikerschwestern Ida und Jenny Hofmann, der demissionierte Soldat Karl Gräser und sein jüngerer Bruder Gustav, der reiche Industriellensohn Henri Oedenkoven und die getürmte, esoterisch interessierte Bürgermeistertochter Lotte Hattemer haben keine Lust mehr auf die bürgerliche Enge des deutschen Kaiserreichs. Sie träumen von einem freien Leben, im Einklang mit der Natur. Doch bald zerfällt die Gruppe in „Realos“ und „Radikale“. Karl und Jenny hausen am Fuße des Berges in Höhlen und lehnen jegliche Art von Fortschritt ab. Henri und Ida, die eine freie „Reformehe“ führen, wollen einen modernen Kurbetrieb auf dem „Berg der Wahrheit“ errichten, der auch Gewinn abwerfen soll. Lichtlufthütten sowie ein nahezu eckenloses Zentralgebäude mit Bibliothek, Vortrags- und Musikzimmern werden erbaut.

Im Folgenden wird auf dem Monte Verità geliebt, gehasst, gestritten. Politische Umwälzungen werden diskutiert und Psychoanalysen betrieben, während man sich textilfrei sonnt oder eigenes Obst und Gemüse anbaut. Dabei zeigt Bollmann auch das Scheitern der Figuren. Freie Liebe schützt vor Syphilis nicht, mancher Seelenstriptease endet gar in Irrsinn und Freitod. Ideologien drohen ins Sektenhafte abzugleiten. Auch finanziell wirft der Monte Verità nicht den erhofften Erfolg ab. Der kreative Sog der Vegetarier-Kolonie ist jedoch unumstritten, die Prominenz lässt nicht lange auf sich warten. Hermann Hesse flüchtet hierher, weil er die Verantwortung des Familienlebens nicht mehr ertragen kann. Der Anarchist Erich Mühsam frönt in Ascona nicht nur homoerotischen Abenteuern, sondern schnorrt sich rigoros durch alle Gesellschaftsschichten. Mit Anarchie ist einfach kein Brot zu verdienen…

Daneben wird der Monte Verità eine Wirkstätte von starken Frauen, die auch ohne Mann ihren Weg gehen. Da ist Käthe Kruse, die sich mit ihren beiden Töchtern niederlässt. Ihr Geliebter, der fast dreißig Jahre ältere Berliner Bildhauer Max Kruse, will sich nicht zu ihr bekennen. Die alleinerziehende Mutter entwirft auf dem „Berg der Wahrheit“ ihre weltberühmten Puppen, die aus weichen, natürlichen Materialien hergestellt und anders als ihre steife, porzellanartige Konkurrenz endlich auch zum Kuscheln geeignet sind. Malerin Marianne von Werefkin produziert über 600 Bilder auf dem Monte Verità. Die chronisch überschuldete Bohemienne Franziska zu Reventlow beschließt, ihren Lebensunterhalt endlich selbst zu verdienen und schreibt drei Romane.

Ihre erfolgreichste Zeit hat die Kolonie zwischen 1913 und 1919, als Rudolf von Laban eine Tanzschule auf dem Monte Verità betreibt, wo er modernen Ausdruckstanz lehrt – heute würde man ihn als „Contemporary Dance“ bezeichnen. Auf legendären Sommerfesten geraten junge Tänzerinnen in Ekstase, huldigen durch ihre Aufführungen dem Lauf der Sonne. Dies brachte der Kolonie den Namen „Balabiòtt“ seitens der Einheimischen ein – die tanzenden Nackten!

Es war eine aufregende Zeit, die den Grundstein für Entwicklungen gelegt hat, die uns noch heute beschäftigen. So verpasst es der Autor nicht, immer wieder Bezüge zur jetzigen Gesellschaft herzustellen. Und er verdeutlicht die Zusammenhänge: Was war an dem Monte Verità so revolutionär? Nach der Lektüre dieses Buches weißt der geneigte Leser um die Zusammenhänge zwischen Vegetarismus und Feminismus, Theosophie und Psychoanalyse, Körperkultur und Industrialisierung sowie Ausdruckstanz und Okkultismus.

Wer Lust bekommen hat, mehr in die Materie einzutauchen, kann dies tun: Seit Mai 2017 gibt eine Dauerausstellung in der restaurierten Casa Anatta auf dem Monte Verità Einblicke in die bewegenden Umbruchjahre seiner ganz besonderen Bewohner. Schön, dass sich Autoren und Historiker dieser spannenden Epoche angenommen haben. Denn der Traum von alternativen Leben ist bis heute nicht ausgeträumt…

Der Traum des guten Lebens

Von: Fräulein Julia Datum: 19.01.2018

www.fraeuleinjulia.de

Sie waren die Hippies der Jahrhundertwende: Um 1900 entstand in Ascona die Gemeinschaft auf dem Monte Veritá. Stefan Bollmann erzählt ihre Geschichte.

Aus der Gesellschaft aussteigen – sofern das überhaupt möglich ist – und an einem idyllischen Ort eine neue Gemeinschaft mit eigenen Regeln gründen: Dieser Traum hat sich nicht erst während der Blütezeit der Hippies Ende der 1960er in den Köpfen andersdenkender Menschen festgesetzt. Was noch heute in kleineren Landkommunen besteht, geht bis auf das Jahr 1900 zurück.

Als das neue Jahrhundert begann, wurden bei so manchem die Zweifel laut. Soll das unser Lebensentwurf sein? Der rasante Fortschritt von Industrialisierung und Technik, die verqualmten Städte, der Lärm auf den Straßen, die Armut, die fehlende Verbindung zur Natur? Eine kleine Gruppe entschied sich dagegen, sich weiter diesem Geziehe und Gezerre auszusetzen und wanderte gemeinsam nach Ascona. Ida Hoffmann und ihre Schwester Jenny, Henri Oedekoven, Karl und Gusto Gräser und Lotte Hattemer fanden dort einen Berg, den sie als ideal für ihr Vorhaben betrachteten: Ein Leben mit und in der Natur, ohne Korsett und spitze Schuhe, Monokel und Vatermörder – nur Luft, Licht und Liebe in schnörkellosen Holzhütten und mit rein veganer Kost und „Sonnenlichtnahrung“.

Immer mehr alternativ gesinnte Menschen bekamen Wind von den Aussteigern und machten sich ihrerseits auf den Weg zum Monte Veritá – dem „Berg der Wahrheit“, wie ihn die neuen Siedler getauft hatten. Hermann Hesse holte sich beim Nacktbaden einen Sonnenbrand am ganzen Körper, und Erich Mühsam suchte sich Gleichgesinnte für seine anarchistischen Anliegen (eine Leichtigkeit, war doch das gesamte Unternehmen in gewisser Weise Anarchismus pur). Karl Gräser und Jenny Hoffmann, zwei der Gründer, versuchen außerhalb des entstandenen Sanatoriums eine völlig autonome Lebensweise in der Natur zu etablieren und scheitern letztendlich an ihren eigenen Ansprüchen.

Stefan Bollmann hat für dieses Buch sicherlich eine längere Recherche-Zeit benötigt, denn: die Gemeinschaft auf dem Monte Veritá war über die Landesgrenzen, ja sogar bis in die USA bekannt und entfachte immer wieder die Sehnsucht von Menschen, die mit den starren Regeln des Kaiserreichs nicht zurecht kamen. Diese weit verzweigten Beziehungen unter einen Hut zu bekommen, war sicherlich nicht leicht – und führt im Falle dieses Buches auch dazu, dass man in etlichen kleinen Kapiteln leider immer nur einen kurzen Einblick in die verschiedenen Lebensgeschichten bekommt. Wie ging es denn mit Gusto Gräser weiter? Und welche Rolle spielte Gustav Nagel, der „Naturmensch und Wanderprediger“?

Als Leser möchte man gelegentlich kapitulieren vor der schieren Flut an auftauchenden Namen und behält letztendlich nur das Wesentliche im Kopf: Ida, Henri, Ascona, Berg, nackt sein, keine Tiere essen, Lichthütten und Sonnenbad. Was im Klappentext als „mitreißendes Panorama“ beschrieben wird, ist eher ein – dadurch aber nicht weniger ansprechendes – sachlich zusammengestelltes Konglomerat aus Informationen rund um den Monte Veritá und seine rätselhaften Bewohner. Als Einstieg in die Thematik ist das eine schöne Sache – von hier aus können die privaten Recherchen dann tiefer führen.

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