Hörbuch CD
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"Wir sind wie niemand sonst, wir haben uns selbst erschaffen, die Einzigen unserer Art."

Eine geheimnisvolle Explosion bildet das Herzstück dieser spannenden Geschichte, erzählt von den Kindern der Familie Cardinal: Sie haben den Schneid und die Wildheit von Helden, sie haben Angst vor nichts und niemandem. Und sie sind ganze einundzwanzig. Als der Vater in einem kanadischen Dorf ein Zinkvorkommen entdeckt, rechnet der Clan fest mit einem Anteil am Gewinn – doch eine Explosion zwingt die Geschwister zu einem Pakt des Schweigens, der zu einer Zerreißprobe für die ganze Familie wird.

Sanftmütig erzählen die Cardinal-Kinder ihre Geschichte und unerbittlich hüten sie ihr Geheimnis. Durch die Leuchtkraft ihrer Stimmen entsteht ein vielschichtiges Puzzle aus Perspektiven und Erinnerungen.

Mit den Stimmen von Devid Striesow, Claudia Michelsen, Anna Thalbach, Benno Fürmann, Robert Stadlober und Sabin Tambrea

(7 CDs, Laufzeit: ca. 7h 30)


Aus dem Französischen von Sonja Finck, Frank Weigand
Originaltitel: Les héritiers de la mine (Éditions Denoël)
Originalverlag: Insel HC
Hörbuch CD, 7 CDs, Laufzeit: ca. 6h 11 min
ISBN: 978-3-8371-4689-9
Erschienen am  11. März 2019
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Die Kings von Norco

Von: die.buecherdiebin

25.05.2019

Die Cardinals sind eine Großfamilie mit 21 Kindern, die in einem kleinen kanadischen Dorf aufwachsen. Sie sind ein großer wilder Haufen, die für gewisse Privilegien, sei es ein Schlafplatz, ein begehrter Platz auf dem Sofa oder ein Kleidungsstück, schon mal die Fäuste sprechen lassen. Die Mutter steht hauptsächlich am Herd und überlässt die Pflege und Erziehung der jüngeren Kinder schon sehr früh der ältesten Tochter, die anfangs selber noch ein Kind von sechs Jahren ist. Auch der Vater ist nicht allzu präsent. Nach einer Explosion mit tragischem Ausgang zerstreut sich die Familie und erst zwanzig Jahre später, als dem Vater eine Auszeichnung verliehen wird, treffen sie sich fast vollständig wieder. Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Explosion und das damit verbundene Schicksal von Angéle, einem der Zwillingsmädchen. Das Hörbuch beinhaltet sieben CDs und auf jeder CD kommt ein anderes Kind (inzwischen erwachsen) zu Wort. Die Ausnahme ist Thommy, die Zwillingsschwester von Angéle, deren Erzählung zwei CDs umfasst. Jeder erzählt aus der eigenen Perspektive von seinen Erinnerungen an die Kindheit, vom Leben in dieser großen Familie, dem schicksalhaften Tag und der Zeit danach. Es wird immer deutlicher, dass es ein Geheimnis gibt, über das keiner sprechen will. So wird der Spannungsbogen ganz langsam aufgebaut. Erst im letzten Kapitel wird das Geheimnis aufgeklärt. Ich fand es zunächst ziemlich verwirrend die Namen der vielen Kinder, fast ausschließlich Spitznamen, auseinanderzuhalten und zuzuordnen, doch bald konnte ich mir die wichtigsten Namen merken. Keines der Kinder war mir besonders sympathisch. Vielleicht ist es auch kein Wunder, wenn man bei so viel geschwisterlicher Konkurrenz rücksichtslos und egoistisch wird und seine Zuneigung nicht zeigen kann oder will. Am meisten habe ich mit Thommy mitgefühlt. Sie war die Einzige, die eine wirklich enge Beziehung zu ihrer Zwillingsschwester hatte. Aber auch sie hat nicht immer zu ihr gehalten. Die Mutter konnte ich überhaupt nicht einschätzen. Obwohl sie ihre Kinder sicher sehr liebt, zeigt sie es ihnen nicht, sondern verbringt den ganzen Tag am Herd. Erst wenn alle scheinbar schlafen, macht sie ihre Runde durch die Zimmer. Der Aufbau des Buches hat mir eigentlich ganz gut gefallen, trotzdem wurde die Handlung durch die vielen Wiederholungen manchmal etwas langgezogen.

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Einer für alle, und alle für Einen

Von: Petras Bücher-Apotheke

01.05.2019

Die Explosion hatte den ganzen Berg erbeben lassen. Als durch die Decke der Mine ein Riss ging, das Gestein sich zunächst ausdehnte, dann zerbarst, und der zentrale Stützpfeiler zerbrach, retten sich zwei Gestalten in letzter Sekunde hinaus. In Windeseile hatten sich die Anwohner vor der alten Mine versammelt, hatte sich das Haus der Cardinals geleert. Staub lag in der Luft ebenso wie Angst - und Wut, hilflose Wut ... Nichts gehörte einem wirklich allein in dieser Familie. Man zog an was man auf dem riesigen Kleiderhaufen fand. Zig Stiefel waren vor dem Gang in die Schule zu trennen, man zog an was einem passte. Wahre Lebensmittelberge wurden von der Mutter zu Mahlzeiten verarbeitet, aus der Küche kam sie tagsüber nicht heraus. Allenthalben Prügeleien und Gerangel. Um einen Platz am Tisch, vor dem Fernseher. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deshalb, traten die 21 Kinder der Cardinals nach außen hin auf wie eine geschlossene Formation, einig und unzertrennlich. Die Aufmerksamkeit zogen sie sowieso stets auf sich. Die Aufmerksamkeit derer, die kopfschüttelnd vor einem solchen Kinderreichtum standen.Sie wohnten in einem Haus indem das Leben pulsierte, immer schlug irgendwo eine Tür. In einem Haushalt, den das Chaos nie verließ, in einer Familie die arbeitete wie ein Organismus. Hier hatte jeder seine Funktion ... Mit sechs Jahre bekam die Älteste von fünf Mädchen ihren ersten Säugling zum Kümmern ans Herz gelegt. Fortan war dies ihre Aufgabe. Diese kleinen Bündel, die wie Saucier schreibt, nach der Leichtigkeit des Lebens rochen, am Leben zu halten. Ja, das war eine Herausforderung und die überhaupt größte Leistung wenn es gelang. Keines, das war die einzige Forderung der Mutter, durfte verloren gehen, wo sie selbst schon verloren wirkte ... "Unsere Mutter trägt etwas in sich, das beschützt werden will. Einen Riss, einen Graben, indem sich ihr Geist verirrt". (Textzitat) Mutter Cardinal war eine beständig vor sich hin murmelnde, gehetzt wirkende Frau, früh altersgebeugt, die wenn das Haus zur Ruhe kam durch die Nächte ihrer Kinder wanderte. Ihre Betten besuchte, mit der Taschenlampe in der Hand, die sie durchzählte. Auf knarzenden Dielen, mit gelösten Haaren und einem Nachthemd, dass sie wie eine Erscheinung wirken ließ. Mit achtundsiebzig Jahren arthrotisch und gefäßkrank schuftete sie noch immer. "Diese Frau kennt uns besser als wir selbst. Sie hat uns aus der Wolle ihrer Seele gestrickt. Sie kennt uns auf rechts und auf links. Sie findet jede verlorene Masche wieder". (Textzitat) Die Jungs hingegen lernten bereits mit sieben Jahren vom Vater, der sich von seiner Leidenschaft für Gestein gefangen halten ließ, den Umgang mit Dynamit. Sie sollten sich merken, dass wenn Dynamit eines hasste, dann seien das Eile, Feuchtigkeit und Erschütterung. Schreckhaft sei es und sie täten gut daran Angst vor ihm zu haben ... "Pack verschlägt sich, Pack verträgt sich; Blut ist dicker als Wasser". Solche Sprichwörter kennt man zur Genüge, hier werden sie lebendig und auf die Cardinals treffen sie alle zu. Mit Grasfeuern, brennenden Reifenstapeln, aufgespießten Haustieren, fanden sie ihre Kurzweil. Lärmend, prügelnd, üble Streiche spielend zogen die Kinder im Rudel durch den Ort. Wie ein Heer von Tyrannen müssen sie auf die Bewohner gewirkt haben, für diese "Landeier" hatten die Cardinal-Kinder aber eben nichts übrig. So spießig ... "Einer für alle, und alle für Einen". Gleich wie viele interne Streitereien sie auch ausgefochten haben mochten, nach außen wirkten sie wie ein Mann. Hart, streitbar und wehrhaft musste man in dieser Familie sein. Lachend verglich man im Winter die Frostbeulen, die man sich an den Füßen zugezogen hatte. In alle Winde verstreut. Australien, Südamerika, Europa. Dreißig Jahre lang hatte es kein Familientreffen mehr gegeben. Das man dem Vater jetzt mit seinen einundachtzig Jahren eine Medaille und den Titel "Erzsucher des Jahres 1995" verleihen wollte, mutete für alle seltsam an, seit 1944 hatte er schließlich nichts mehr wirklich bedeutendes entdeckt, und doch waren sie gekommen. Alle, alle bis auf Eine ... Hier tief unter der Erde, im Herzen der Finsternis nahm alles seinen Anfang und sein Ende ... Und an diesem Ende würde er sich ihnen stellen müssen, unbewaffnet und mit offener Deckung. Unter dem Berg, mit seinen Erinnerungen, die sich so real anfühlten als seien sie aus Fleisch und Blut. Jocelyne Saucier, geboren 1948, kanadische Journalistin und Schriftstellerin. 2015 erschien ihr vierter Roman Ein Leben mehr in deutscher Sprache. Dieser wurde in ihrer Heimat für vierzehn! Literaturpreise nominiert und ich werde mir diesen jetzt auf jeden Fall noch vornehmen. Bereits im Jahr 2000 erschien Niemals ohne sie in französischer Sprache und die Übersetzung ins Deutsche von Sonja Finck und Frank Weigand hat mir sehr gefallen. Sprachlich ausgewogen, sanft und klar. Wild und zart zugleich erzählt Saucier. Nein, besser lässt sie die Cardinal Geschwister erzählen. Gibt ihnen Spitznamen nicht wie eine Autorin, nein, beinahe wie eine Mutter. Alle liegen sie ihr am Herzen, das spürt man in jeder Zeile. Dramaturgisch geschickt verschachtelt, mit zahlreichen Rückblicken und Perspektivwechseln stattet sie ihre Geschichte aus. Die Sehnsucht der Kinder von den Eltern einzeln, als Individuum wahrgenommen zu werden, lässt sie uns so spüren, dass es weh tut. Aus zahlreichen Fragmenten fügt sie ihren Roman nach und nach zu einem Gesamtbild. Sie hält uns hin, steigert die Spannung mit sonnenlosen Tagen und schlaflosen Nächten. Längst ahne ich, das etwas geschehen wird, das etwas geschehen ist, das wenn ich davon erfahre, mir der Atem stocken wird ...  Eine empathische Geschichte, die mich entwaffnet hat und als Hörbuch so stimmig inszeniert ist, dass ich sie rückblickend nicht hätte lesen wollen. Das bunt gemischte Sprecher-Ensemble, welches sich hier versammelt, ist eine echte Bereicherung für die Story. So unterschiedlich wie die Charaktere der Geschwister ist der Stil ihres Vortrages, ihre Interpretation, sind ihre Stimmen. So verstärkt dieser bunte Strauß an Vorlesern auch die Diversität der Familienmitglieder ganz wunderbar.Sechs Cardinals kommen zu Wort, allesamt großartig vertreten durch Devid Striesow (als Max), Claudia Michaelsen (als Jeanne d'Arc), Anna Thalbach (als Tommy), Sabin Tambrea (als El Toro), Robert Stadlober (als Émilien) und Benno Führmann (als Geronímo). Keinen von diesen Schaupielern muss man mehr vorstellen, als Hörbuchsprecher sind aber nicht alle durchgängig aktiv, von daher hat es mir besonders gefallen einmal ein paar für mich frische Stimmen im Ohr zu haben. Claudia Michaelsen hat mich sehr beeindruckt, sie liest die Rolle des ältesten Geschwisterkindes Jeanne D'Arc mit einer Ruhe und Eindringlichkeit - Wow! Als sich dann gegen Ende des Kapitelreigens die Stimme von Geronímo alias Benno Führmann erhebt, ist auch mir ist klar, wer hier der Chef im Familien-Ring ist! Ich weiche zurück, stelle mich ins Glied. Hier ist mein Platz, unter ihnen, unbeugsam, die Hackordnung beachtend. Dem Leitwolf folgend, mit unbeugsamem Willen. Die stummen Anklagen halte ich aus, bin auf der Flucht, suche Zuflucht. Schreie innerlich auf, tief steckt uns die Schuld in den Knochen, beugt und nagt an uns ... Motive die im Dunkeln lauern, stumme Gespräche, verdrängte Trauer unter schwelendem Schmerz. Ein Knall - und die Zeit steht still ...

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Vita

Jocelyne Saucier

Jocelyne Saucier, geboren 1948 in der Provinz New Brunswick, arbeitete lang als Journalistin, bevor sie mit dem literarischen Schreiben begann. Mit ihrem Roman Ein Leben mehr gelang ihr 2015 der internationale Durchbruch als Schriftstellerin. Saucier lebt heute in einem abgeschiedenen Ort im nördlichen Québec.

Zur AUTORENSEITE

Devid Striesow ist einer von Deutschlands gefragtesten Schauspielern und wurde für seine darstellerischen Leistungen vielfach ausgezeichnet; unter anderem 2012 mit dem Grimme-Preis für "Ein guter Sommer" und 2015 mit dem Deutschen Schauspielerpreis für seine Hauptrolle in "Wir sind jung. Wir sind stark." Als Hörbuchsprecher brillierte Striesow u. a. mit seiner Lesung von Uwe Tims modernem Klassiker "Die Entdeckung der Currywurst." Devid Striesow liest die Geschichte der Cardinals aus der Sicht von Matz, dem jüngsten.

Claudia Michelsen „gehört zu den besten Schauspielerinnen im Deutschen Fernsehen” (FAS) und wurde für ihre schauspielerischen Leistungen vielfach ausgezeichnet; u. a. mit dem Hessischen Filmpreis, dem Grimme-Preis und der Goldenen Kamera. Für Random House Audio hat sie bereits etliche Kriminalromane von Charlotte Link eingelesen. Claudia Michelsen leiht ihre Stimme der ältesten Schwester Jeanne d'Arc.

Anna Thalbach, geboren 1973, lebt und arbeitet in Berlin. 2008 erhielt sie den Deutschen Hörbuchpreis als Beste Interpretin und gehört zu den gefragtesten Hörbuchsprecherinnen Deutschlands. Für Random House Audio las sie bereits Romane von Katherine Webb, Anne Jacobs und Gabriel Tallent. Sie spricht den Part von Tommy.


Sabin Tambrea, geboren 1984 im rumänischen Târgu Mureș, stammt aus einer Musikerfamilie. Neben dem Theater ist er auch als Film- und Kinoschauspieler tätig. So übernahm er gleich bei seinem ersten Kinofilm, "Ludwig II." (2012), die Hauptrolle, für die er 2013 mit dem Bayerischen Filmpreis als Bester Nachwuchsschauspieler ausgezeichnet wurde. Dem Fernsehpublikum ist er unter anderem aus der Neuverfilmung des Dramas "Nackt unter Wölfen" (2015) sowie der Sat1-Produktion "Jack the Ripper – Eine Frau jagt einen Mörder" und dem ZDF-Dreiteiler "Ku'damm 56" (beide 2016) bekannt. Er liest die Sichtweise des mittleren Bruders El Toro.


Robert Stadlober, geboren 1982, ist einer der gefragtesten deutschsprachigen Schauspieler. Er spielte zum Beispiel in „Sonnenallee“, „Crazy“, „Krabat“, „Jud Süß - Film ohne Gewissen“ und "Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm". Als Hörbuchsprecher liest er u.a. „Die Reifeprüfung“ von Charles Webb und "Stella" von Taxis Würger. Robert Stadlober liest den Part von Èmilian, dem ältesten der 21 Cardinalkinder.

Benno Fürmann ging mit 19 Jahren nach New York und studierte dort am Lee Strasberg Institute. Nach mehreren TV- und Kinorollen gelang ihm 2000 der Durchbruch mit Anatomie. Inzwischen wandelt er gekonnt zwischen Mainstream und Arthouse und ist ein beliebter Synchronsprecher. So leiht er dem gestiefelten Kater in der erfolgreichen Hollywood Blockbuster Reihe "Shrek" seine Stimme. Er gewann u.a. den Deutschen Fernsehpreis, den Bayerischen Filmpreis und den Grimme-Preis. Für Random House Audio las er bereits "Clockwork Orange" von Anthony Burgess und "Harold" von Einzlkind. Benno Fürmann leiht seine Stimme Geronimo, dem starken Anführer der Cardinals.

© Markus Nass
Benno Fürmann
Claudia Michelsen
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