Die Seele des Monte Pavione

Roman

(3)
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In dem italienischen Bergdorf Nevada kann Augusto de Boer seine Familie vom Tabakanbau allein nicht ernähren. Daher versteckt er im Sommer ein paar Tabakblätter vor den Kontrolleuren und zieht im Spätherbst über die stark bewachte Grenze nach Österreich, um dort den hochwertigen Tabak zu tauschen und Lebensmittel zu beschaffen. Eines Tages - es ist das Jahr 1893 - entscheidet er sich, seine älteste Tochter, Jole, mitzunehmen. Sie besteht das Abenteuer an seiner Seite.

Drei Jahre später muss sie allein zum Schmuggeln aufbrechen, denn Augusto ist nach einem neuerlichen Aufbruch nach Österreich spurlos verschwunden, und die Familie droht zu verhungern. Auf ihrem Ritt über die Dolomiten muss Jole nicht nur mit bewaffneten Grenzwachen und durchtriebenen Schmugglern fertig werden, sondern auch sonderbare Gerüchte über ihren Vater vernehmen. Anfangs nimmt sie diese nicht ernst, doch die Saat der Zweifels scheint langsam aufzugehen ...

»ein beeindruckendes, nahezu perfekt geschriebenes Buch«

WDR 4 (21. Mai 2019)

Aus dem Italienischen von Bruno Genzler
Originaltitel: L'anima della frontiera
Originalverlag: Guanda
eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-22238-3
Erschienen am  22. April 2019
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Eine abenteuerliche Vater-Tochter-Geschichte

Von: Barbara62

23.09.2019

Nach seinem abenteuerlichen Vater-Sohn-Roman "Das Fell des Bären" 2017 hat der italienische Autor und Literaturdozent nun eine ebenfalls in den Dolomiten angesiedelte Vater-Tochter-Geschichte geschrieben, "Die Seele des Monte Pavione". Es geht darin um das harte Leben der Bergbauern im Veneto, die für ihren exzellenten, auf Terrassen angebauten Tabak von der Regia dei Tabacchi, der königlichen Tabakgesellschaft, unterhalb des Existenzminimums entlohnt wurden. Eine dieser armen Familien waren die De Boers, die mit ihren drei Kindern zu Ende des 19. Jahrhunderts trotz schwerster Arbeit nicht vom Tabakanbau leben konnten. Um das Überleben der Familie zu sichern, unterschlugen die Bauern einen Teil der Ernte, brachten sie auf gefährlichen Wegen zu den ebenso geknechteten Minenarbeitern auf der anderen Seite des Monte Pavione, tauschten ihn gegen unterschlagenes Edelmetall, das sie wiederum für Lebensmittel und Nutztiere einsetzten. Im Spätsommer 1894 unternimmt der Familienvater Augusto De Boer diese abenteuerliche Tour zum ersten Mal nicht allein, an seiner Seite ist die sechzehnjährige Tochter Jole, die ihn, einen „Mann wie ein Fels“ und „tragende Säule ihrer Welt“ hingebungsvoll liebt und bewundert. Zusammen überstehen sie die nur wenige Tage dauernde, durch italienische wie österreichische Grenzsoldaten, Schergen des Tabakmonopols, lauernde Banditen, wilde Tieren, Wetterunbill und riskante Wege bedrohte Reise. Bei der Heimkehr fühlt sich Jole erwachsen. Als der Vater von seiner nächsten Schmugglertour nicht zurückkommt, macht sich Jole zwei Jahre später, als das Auskommen der Familie erneut gefährdet ist, alleine auf den gefahrvollen Weg. Rund 70 Kilometer liegen bis Imer vor ihr und ihrem Haflinger, 80 Kilogramm Tabak möchten sie gegen Kupfer und Silber eintauschen. Drei Teile umfasst der nur 240 Seiten starke Roman. Im ersten, der mir ausgezeichnet gefallen hat, stehen die Lebensbedingungen der Bergbauern und die gemeinsame Schmugglertour von Vater und Tochter im Mittelpunkt. Nicht nur die Tabakpflanzer, auch die Minenarbeiter sind, wie Augusto ihr erklärt, aus „Hunger und Not dazu gezwungen, Dinge zu tun, die sie bei ein wenig mehr Brot auf dem Tisch niemals getan hätten: Gesetze zu brechen, die Obrigkeit und den König zu hintergehen und Aufseher zu narren“. Teil zwei und drei verfolgen ausführlich Joles abenteuerlichen Weg auf eigene Faust mit guten, aber vor allem auch lebensbedrohlichen Begegnungen, mit einem Berg, der ebenso majestätisch und fast sakral wie gefährlich und tückisch ist, und mit einem bösen Gerücht, das alles, an was sie glaubte, zu erschüttern droht. Dass Kommissar Zufall am Ende eine entscheidende Rolle spielt, war für mich weniger störend als überraschend, gab es doch schon vorher märchenhaft anmutende Szenen und zahlreiche Klischees. Dafür hätte ich mir an der ein oder anderen Stelle etwas weniger Pathos gewünscht. Trotzdem habe ich das Buch gerne gelesen, auch wenn mir "Das Fell des Bären" noch besser gefallen hat.

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Buchpalast

Von: Friederike Wagner aus München

16.07.2019

Der Roman lässt uns intensiv nachempfinden, wie die Menschen Ende des 19. Jahrhunderts in der Bergwelt der Dolomiten lebten. Er erzählt anschaulich von einer Familie mit drei Kindern, die vom Tabakanbau lebt - mehr schlecht als recht - und so wagt der Vater jedes Jahr aufs Neue den Schmuggel über die österreichische Grenze. Als er sie für alt genug hält, nimmt er seine älteste Tochter Jole mit auf den gefährlichen Weg. Diese wird einige Jahre später alleine losziehen müssen, denn der Vater kam von seinem Schmuggelabenteuer nicht zurück. Sie wird mehrmals in Lebensgefahr schweben und ein guter Ausgang ihrer Unternehmung ist ungewiss. In schöner ruhiger Sprache lässt dieser doch spannende Roman vergangene Zeit erfühlen. Italien-Literatur hat bei uns immer Hochkonjunktur und ich fand es sehr interessant, mich in diese vergangene Zeit am Fuße der Dolomiten zu versetzen.

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Vita

Matteo Righetto wurde 1972 geboren und lebt in Padua. Er ist Dozent für Literatur. Sein Roman "Das Fell des Bären" (Originaltitel: "La pelle dell'orso") war ein internationaler Bestseller und wurde von Marco Segato verfilmt. Auch sein neuer Roman wurde in zahlreiche Länder verkauft.

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