Die Siliziuminsel

Roman

(4)
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Auf der Siliziuminsel im Südwesten Chinas wird der Elektronikschrott der ganzen Welt recycelt. Inmitten von giftigen Dämpfen und verseuchter Hardware suchen die Müllmenschen nach Verwertbarem. Als eines Tages eine amerikanische Firma die Siliziuminsel modernisieren will, wird das labile Gleichgewicht zwischen den chinesischen Behörden, mächtigen Mafiaclans und internationaler Machtpolitik gestört. Arme und Reiche, Chinesen und Ausländer finden sich in einem Krieg um die letzte Ressource der nahen Zukunft wieder – den Menschen.

»Ein furioser chinesischer Roman.«

Dietmar Dath, Frankfurter Allgemeine Zeitung (19. September 2019)

Aus dem Chinesischen von Marc Hermann
Originaltitel: 荒潮 (Huang chao)
eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-22182-9
Erschienen am  09. September 2019
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

"Doch das war keine Fiktion. Es war Realität" Seite 465

Von: Ein Regal voller Abenteuer

22.03.2020

"Es gibt viele Orte auf dieser Erde, wo die Menschen inmitten von Müll ums Überleben kämpfen." Seite 466 ""Ein Menschenleben ist so viel billiger als eine Maschine", dachte Mimi. Aber wenn die Bosse nur noch Maschinen benutzen würden, wo sollten Mädchen wie sie dann noch eine Arbeit finden?" Seite 88 Willkommen auf der Siliziuminsel! Täglich wird hier schiffeweise Elektroschrott gebracht, der unter den drei Mafiaclans aufgeteilt wird. Die Geschäfte laufen gut, die Inselverwaltung wird geschmiert und erhält ihren Anteil am Gewinn. Der Profit spricht seine eigene Sprache. Umweltverschmutzung? Pah, nur eine der in Kauf zu nehmenden Nebenwirkungen. Und überhaupt - wenn interessieren dabei die Müllmenschen, die für das Recylen der Plastikteile eingestellt sind und in erbärmlichen, menschenunwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen ihr Leben auf der Müllhalde fristen? "Mimi saß vor einem Haufen Plastikbruchstücken von unterschiedlicher Farbe und Beschaffenheit - wie Knochen, die man aus einem Tierkadaver herausgerissen hatte. Und was war Sie dann? Ein streunender Köter? Mit geübten Händen sortierten die Mädchen den Plastikmüll: ABS, PVC, PC, PPE, MMA ... " Seite 87 Bis das Eintreffen des Amerikaners, Scott Brandle, Unruhe in die tägliche Routine bringt. Er spricht von Recycling-Technologie, sozialversicherten Arbeitsplätzen und umfassenden Umweltsanierungsmaßnahmen. Seine Firma möchte das Leben auf der Siliziuminsel grundlegend verändern. Doch kann man ein laufendes System tatsächlich ändern? Basierend auf den Umständen in Guiyu veranlasste es den Autor, Qiufan Chen, ein Jahr an seinem Buch "Die Siliziuminsel" zu schreiben, das erstmals 2013 (!) in China veröffentlicht wurde. Mehrere Jahre nach der Veröffentlichung erscheinen nun auch die deutsche (2019!), englische (2019!), spanische, russische und japanische Ausgabe. Es ist zu hoffen, dass weitere Übersetzungen folgen! Denn auch wenn der Lesefluss nicht immer packend war - so ist es auf jeden Fall dieses Thema. Wir alle müssen dafür sorgen, dass solche "Inseln" nicht weiter existieren dürfen! Wir alle tragen hierfür eine Verantwortung, dass sie es dennoch tun. Wieder aufbereiteter Plastikmüll wird an die Fabriken verkauft und dort zu allen möglichen billigen Produten verarbeitet, sodass wir auf der ganzen Welt preiswerte, aber gute Ware "Made in China" kaufen können. Wenn diese Waren veraltet oder abgenutzt sind, verwandeln sie sich wieder in Müll, der nach China zurückverschifft wird. Der Kreislauf beginnt von Neuem. "Die Geschichte, die in "Die Siliziuminsel" erzählt wird, kann nicht auf Schwarz gegen Weiß, Gut gegen Böse reduziert werden. Jede Nation, jede Gesellschaftsschicht, jede Regierung und sogar jedes Individuum, alle haben ihren Teil dazu beigetragen, dass so etwas wie Guiyu überhaupt entstehen konnte. Wir alle sind für die fatalen Konsequenzen des globalen Massenkonsums verantwortlich." Seite 466 Es ist wichtig, dass solche Bücher auf dem Büchermarkt nicht nur erscheinen, sondern auch beachtet werden! Bücher mit einer Message. Bücher die uns unser Handeln überdenken lassen. Von mir daher eine ganz klare Leseempfehlung!

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Dystopie trifft auf Konsumkritik.

Von: Burgherr

13.11.2019

Ich scheine mich auf Bücher aus dem asiatischen Raum ein wenig eingeschossen zu haben. Bei diesen muss ich mir keine Gedanken machen, ob ich sie in der Sprache des Autors lesen möchte. "Die Siliziuminsel" ist das Romandebüt des chinesischen Autors Qiufan Chen. Als ehemaliger Mitarbeiter von Baidu und Google kennt er sich mit "moderner" Technik aus. Diesen Wissen ließ er ebenso in die Geschichte einfließen wie eine düstere aber leider wohl realistische Vision unserer Zukunft. Auf der Siliziuminsel wird Elektroschrott in großem Umfang abgeladen und mehr oder weniger gut für eine weitere Nutzung vorbereitet. Diesen Job übernehmen die unter ärmlichen Bedingungen hausenden Müllmenschen. Doch so schlecht deren Leben ist, andere ziehen aus der Situation ihren Gewinn. Von diesem Leben einige Clans recht gut. Dieses Konstrukt wird gefährdet, als eine amerikanische Firma Anstrengungen unternimmt, durch Anlagen die Recyclingprozesse zu modernisieren. Entsprechend schwer wird es dem Repräsentanten Scott Bradle gemacht. Vor dieser kühlen Kulisse liegt es an dem Mädchen Mimi, für die menschlichen Momente zu sorgen. Sie wird zum Spielball der Interessen und Zuneigung und auch zum Schlüssel der Geschichte. Die "Mensch-Maschine"-Symbiosen und die düster realistischen Schilderungen der Zustände machten das Buch für mich lesenswert. Richtig flüssig gestaltete sich dieser Vorgang zwar nicht, aber vielleicht liegt das an dem kulturellen Gap zwischen dem Autor und mir.

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Vita

Qiufan Chen stammt aus Shantou in der chinesischen Provinz Guangdong. Er hat bereits über dreißig Kurzgeschichten auf Chinesisch und auf Englisch veröffentlicht. Sein Debütroman »Die Siliziuminsel« erschien 2013 auf Chinesisch und wurde von Ken Liu, dem Übersetzer Cixin Lius, ins Englische übertragen. Qiufan Chen wurde mit dem Taiwan Dragon Fantasy Award, dem Galaxy Award sowie dem chinesischen Nebula Award ausgezeichnet. Er lebt in Beijing.

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Pressestimmen

»Je präziser und kälter Chen die Technik beschreibt, die die Menschen versklavt und mit deren Gebrauch die Menschen sich gegen die Versklavung zu wehren beginnen, desto hitziger und irrer werden die Bilder, die in den Köpfen seiner Leser zu schwirren beginnen.«

Jens Balzer, Die ZEIT (12. Dezember 2019)

»Ein in jeder Hinsicht neuer Meilenstein der immer interessanteren SF aus China!«

GEEK!, Januar/Februar-Ausgabe (01. Januar 2020)

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