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Die Zweige der Esche Roman

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eBook (epub) ISBN: 978-3-641-17107-0

Erschienen: 25.04.2017
Dieser Titel ist lieferbar.

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Sie nennt sich selbst Ash, doch das ist nicht ihr wahrer Name. Eigentlich ist sie Constance, die treusorgende Ehefrau eines Farmers in Indiana. Aber sie ist die bessere Schützin und die mutigere von beiden. Also schneidet sie sich die Haare ab und verbirgt ihre weiblichen Formen unter der Uniform der Nordsaaten, um für die Freiheit zu kämpfen. Doch was treibt sie wirklich in den Krieg?

Warum verlässt sie ihren Ehemann, um den Terror des Krieges in seiner ganzen Grausamkeit zu erleben? Und wird es ihr gelingen, jemals wieder zur heimischen Farm zurückzukehren?

»gewöhnungsbedürftig und packend, trostlos und ergreifend. ‚Die Zweige der Esche‘ beeindruckt auf ganz eigene Art.«

Silke Hellwig, Weser Kurier (11.05.2017)

Laird Hunt (Autor)

Laird Hunt ist amerikanischer Schriftsteller, dessen Romane mehrfach für den Pen/Faulkner Award nominiert waren. Er arbeitete als Pressereferent bei den Vereinten Nationen und unterrichtet heute Creative Writing an der Universität von Denver. Er lebt mit seiner Frau, der Lyrikerin Eleni Sikelianos, und ihrer gemeinsamen Tochter in Boulder, Colorado.

»gewöhnungsbedürftig und packend, trostlos und ergreifend. ‚Die Zweige der Esche‘ beeindruckt auf ganz eigene Art.«

Silke Hellwig, Weser Kurier (11.05.2017)

»Ash/Constance zeiht die Leserinnen und Leser mitten ins Geschehen, lakonisch und beherzt, in einer oft mündlich wirkenden Diktion, hinter der ein versierter Autor sein Handwerk verbirgt.«

Frank Kaspar, Deutschlandfunk Kultur - Lesart (31.05.2017)

Aus dem Englischen von Kathrin Razum
Originaltitel: Neverhome
Originalverlag: Little, Brown and Company

eBook (epub)

ISBN: 978-3-641-17107-0

€ 13,99 [D] | CHF 17,00* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: btb

Erschienen: 25.04.2017

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Folgende Rezensionen beziehen sich auf eine andere Ausgabe (Gebundenes Buch)

Frau im Krieg

Von: Constanze Matthes Datum: 28.08.2017

https://zeichenundzeiten.com

Die Wahl Abraham Lincolns zum amerikanischen Präsidenten 1860 und die Sklaverei-Frage spalten das Land. Mehrere Südstaaten verlassen die Union und schließen sich zu einer Konföderation zusammen. Als am 12. April 1861 Fort Sumter (South Carolina) durch Soldaten aus dem Süden beschossen wird, verwandelt sich der Konflikt in einen Krieg. 3,8 Millionen Soldaten nehmen in den kommenden vier Jahren daran teil, rund 560.000 von ihnen lassen ihr Leben. Obwohl bereits viel über diese Zeit geschrieben wurde, ist ein Kapitel nur wenig bekannt: Dass sich auch Frauen den beiden Armeen einst angeschlossen haben. Der amerikanische Autor Laird Hunt erzählt davon in seinem Roman „Die Zweige der Esche“.

Grundlage seines Buches waren neben Fotografien der Schlachtfelder, wie Hunt in seiner Danksagung am Ende des Buches erklärt, die Recherche und Lektüre zahlreicher Werke zu diesem Thema. Zwei von ihnen widmen sich konkret weiblichen Soldaten während des Bürgerkriegs; darunter Briefe von Sarah Rosetta Wakeman, die als Lyons Wakemann im 153. Infanterie-Regiment der Union gekämpft hat. Gerade 21-jährig verstarb sie 1864 in einem Marine Hospital in New Orleans. Hunt, der früher als Pressereferent für die Vereinigten Nationen tätig war und heute Kreatives Schreiben unterrichtet, nennt seine Heldin Ash Thompson, alias Constance Thompson. Nach einigen Diskussionen, aber schließlich mit dem Segen ihres Mannes Bartholomew verlässt die junge Frau die heimische Farm in Indiana und zieht für die Nordstaaten in den Krieg. Weil sie robuster und stärker ist als ihr Mann. Selbst gegen kräftige Kerle gewinnt sie das Armdrücken im Handumdrehen.

Was in den Tagen und Wochen auf Wanderschaft und später im Ausbildungscamp an eine erlebnisreiche Zeit und Reise in neue und unbekannte Gefilde, schlichtweg an ein Abenteuer erinnert, wird später inmitten der Schlachten und der Schützengräben zu einem Grauen. Der Tod ist ein stetiger Begleiter, weil Kameraden sterben, weil die Felder voller Leichen sind. Er fragt nicht nach dem Alter oder nach der Herkunft, ob der Soldat eine Familie hat, welchen Beruf er ausübt. Auch Krankheiten fordern ihren Tribut. Menschlichkeit findet sich nur in wenigen kurzen Augenblicken. Ash wird Zeugin dieser dunklen Welt und ist zugleich ein Gewalt ausübender Teil von ihr, die ohne zu zögern zur Waffe greift, Mut und Klugheit beweist; ohne indes dass das Gros der Armee ahnt, dass sich in der Uniform eine Frau befindet. Zu den besonderen Begegnungen vor, während und nach der Schlachten sind neben den Aufeinandertreffen mit dem charismatischen und belesenen Colonel und spätere General jene, in sie auf andere Frauen trifft. Die Kompanien sind allgemein „bunt gemischt“. Chinesen, Indianer und Afroamerikaner gehören den Armeen an. In Briefen berichtet Ash ihrem Mann von ihren Erlebnissen, zudem hält sie stille Zwiesprache mit ihrer bereits verstorbenen Mutter. Doch die Gefahren lauern nicht nur im Kampfgetümmel. Die junge Frau wird von Banditen gefangengenommen, später von einer Frau, die sie erst freundlich in ihrem Haus aufnimmt, hinterrücks verraten. Ash findet sich schließlich als Spionin verrufen in einem Irrenhaus wieder.

„Die Zweige der Esche“ ist keine emotional leichte Lektüre, kein spannendes Historien-Drama mit leicht kitschigem Sepia-Anstrich, das man nach der letzten Seite zuklappen und innerlich abhaken kann. Vielmehr erweist sich der Roman als harte Kost, der sich mit vielen seiner Szenen einbrennt. Die Erzählerin ist keine geringere als Ash selbst, die in einer burschikosen und verknappten Sprache von ihrem Leben als Soldatin und ihrer Rückkehr sowie in kurzen Streiflichtern von ihrer Vergangenheit berichtet. Das Buch handelt nicht von militärischer Taktik, sondern vom Leid der Soldaten und Zivilisten, deren Heimat zerstört wurde, aber auch wie ganz normale Menschen mit einer Waffe in der Hand das Leben anderer auslöschen und jeden Hauch von Menschlichkeit zunichte machen. So auch Ash, nach deren Heldentaten die Soldaten ein Lied zu singen hatten, sondern die letzten Endes zur Verursacherin ihrer eigenen Tragödie wird.

Dass der Funken, der die Welt in Brand setzt, schon früher entstanden ist, zeigen vor allem Szenen im letzten Drittel des Buches, in dem nicht nur die Wahl des deutschen Titels erklärbar wird. Denn auch die Sklaverei findet mit mehreren Passagen, die sowohl die unmenschliche Behandlung der Sklaven als auch den Hass auf Gegner der Sklaverei schildern, Eingang in die Handlung, obwohl dieses gerade für diesen Bürgerkrieg so entscheidende Thema wohl noch etwas mehr Raum in diesem trotz alledem herausragenden Roman hätte bekommen können.

Präzise und emotional treffend

Von: Michael Lehmann-Pape Datum: 26.08.2017

www.rezensions-seite.de

Es gab sie.
Frauen, die Uniformen gefallener Südstaatler anzogen und mit in den Kampf gegen den Norden zogen. Eindrucksvoll schildert Hunt eine solche Szene, ein solches „sich Einreihen“, umgehend zu Anfang des Romans wie nebenbei.

Intensiv recherchiert hat der Autor, bevor er sich kongenial an die Darstellung einer solchen Frau im gesamten Umfang begibt.
Constance, die sich, als „männlicher Soldat“ „Ash“ nennt. Die ihren Mann auf dem Hof zurücklässt, denn sie kann besser schießen und überhaupt besser „ihren Mann stehen“. Und es muss etwas getan werden zur Verteidigung des eigenen Hofes und Landes.

Mit kühler Sprache, eher sachlich denn in den Figuren emotional, führt Hunt nun seine „Ash“ durchs Land und auf die Schlachtfelder.

„Geh und schau was in dir steckt“, das sind die Worte ihrer Mütter.
Verstorben schon längst, aber Ash hält das Gespräch mit ihr rege aufrecht. Das gesamte Buch hindurch. Wie sie mit Briefen Kontakt zu ihrem Mann hält. Und aus allem spricht eine klare Haltung. Kein Zweifel. Kein Bereuen.

Sie ist es, die als Teil der Wache den ersten Gegner treffsicher erschießt, rührungslos.

„…die Kameraden haben gemeint, wir sollten gleich zurück und Meldung machen, aber ich bin noch einen Moment bei dem Getöteten geblieben“. Entspannt.

Was im Kampf auch so bleiben wird. Aber in anderen Situationen nicht. Denn wenn Beine fliegen, Schreie ertönen, Blut den Boden durchtränkt, auch Ash ist nicht vor Kugeln gefeit und ihre Verkleidung nur ein äußerer Schützt. Solange sie nicht entkleidet wird. Was geschieht, als sie verwundet wird.

Damit aber ist das Ende der Geschichte noch nicht erreicht, denn Ash wird sich noch vieler Schwierigkeiten erwehren müssen. Und noch einmal, als alles schon vorbei scheint, die Waffe erheben aus privaten Gründen. Was ihr keine Schwierigkeiten bereiten wird. Aber böse Folgen nach sich ziehen kann. Wenn einer eine Leiter hochsteigt mit einer Muskete in der Hand.

Hier, wie an allen anderen Stellen im Roman, trifft Hunt genau den Ton und genau das, was die Gewalt des Krieges, das „Auge in Auge“ mit dem Feind, das zum Alltag wird, an der Seele, in der Persönlichkeit hervorruft. Wie soll danach ein Leben ohne innere Belastung, friedlich, noch funktionieren? Wenn alles sonst mit der Waffe geregelt wurde, wenn es jeden Tag hieß: „Der oder ich“?

„Ich schrieb, dass ich ihn arg vermisse. Und arg froh bin“.

Und Hunt schreibt minutiös von allem, was diesen Krieg mit ausmacht. Listen und Hinterhalte, Schreie und verlorene Körperteile, medizinische Versorgung, die eher an eine Metzgerei erinnert, der Tod allgegenwärtig, aber auch Freundschaft und gar Liebe (wenn auch einseitig, denn Ash steht für so etwas nicht zur Verfügung. Mit Folgen).

Ein Buch wie aus einem Guss, sprachlich genau angemessen, lakonisch teils, das weit über das konkrete historische Ereignis heraus dem Leer vermittelt, was Krieg, Kampf, Schlacht wirklich ist und was diese im Menschen auslöst. Bestens gewählt ist daher die leicht distanzierte Sprache, die eben nicht sich in die emotionalen Tiefen der Personen begibt, sondern deren Entwicklung anhand ihrer Handlungen nachvollzieht.

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