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Das eigene Leben offen, schonungslos und radikal zum Gegenstand des Schreibens zu machen – dies ist das Konzept, zu dem sich Karl Ove Knausgård in einem furiosen Mammutprojekt entschlossen hat. Radikal ehrlich und mit unglaublicher sprachlicher Kraft nähert er sich in »Sterben«, dem ersten Roman einer sechsbändigen Serie, seinem schwierigen Verhältnis zum Vater, das ihn grundlegend geprägt hat.

Als dieser stirbt und er sich mit seinem Bruder daran macht, den Nachlass zu ordnen, bietet sich beiden ein Bild des Grauens. Während sie das Haus reinigen und die Beerdigung vorbereiten, kommen Erinnerungen hoch. Nach und nach entsteht so das Porträt eines Mannes, über den sich in der Kindheit das Gleichgewicht der Familie definierte und den die beiden Söhne unsäglich zu hassen lernten. So sehr hat dieser Vater einen Schatten auf das Leben der Brüder geworfen, dass sie den Bestatter bitten, die Leiche sehen zu dürfen. Erst dann, so sind sich beide einig, werden sie glauben können, dass er wirklich tot ist. Der Sog, der von Knausgårds direkter Art des Erzählens schon mit den ersten Sätzen ausgeht, macht seinen Roman zu einer faszinierenden und erschütternden Lektüre. Gerade weil er so radikal persönlich schreibt, gewinnt sein Text eine schmerzliche Allgemeingültigkeit. Selten ist in einem Stück Literatur so greif- und fühlbar geworden, was jeder Mensch ist: ein einmaliger und unerschöpflicher innerer Kosmos.

"Großartig ist die Zügellosigkeit von Knausgårds Denken, eine regelrechte Gedankenflut. Unerschrocken und souverän schildert er die Bandbreite des Lebens und seiner Daseinsformen."

Peter Urban-Halle / Frankfurter Allgemeine Zeitung (12. März 2011)

DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Norwegischen von Paul Berf
Originaltitel: Min Kamp 1
Originalverlag: Forlaget Oktober
Hardcover mit Schutzumschlag, 576 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-630-87351-0
Erschienen am  08. März 2011
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Das autobiographische Projekt

Leserstimmen

Schwerer, aber lohnenswerter Einstieg

Von: Katharina

10.11.2017

»Anfang 2017 wagte ich mich an eine Buchempfehlung, die schon lange im SUB schlummerte: „Sterben“ von Karl Ove Knausgård. Einerseits ist der Titel schon etwas abschreckend. Andererseits ist allein dieser erste Teil der geplant sechs-bändigen Selbstreflexion fast 600 Seiten stark – wenn man nicht weiß, was einen erwartet, ein guter Prokrastinationsgrund. Der Einstieg hat es mir schwer gemacht, mich mit dem Buch anzufreunden. Knausgård ist so direkt und entblättert sich so unumwunden vor dem Leser, dass es mir zu schnell ging. So einen nahen Einblick in das Leben, Denken und Fühlen eines Menschen zu erhalten, ist nicht immer einfach. Trotzdem las ich weiter und wurde immer mehr in das Buch gesogen. Mit der Zeit konnte ich die Autobiografie ausblenden und den Roman genießen: Mit toller Sprache, gutem Stil und einfach einer berührenden Story. (...)«

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Buch der Woche - Karl Ove Knausgard, Sterben

Von: Susanne Becker

11.05.2016

Aber Glück ist nicht mein Ziel, ist noch nie mein Ziel gewesen, was soll ich damit? Auch die Familie ist nicht mein Ziel. Wäre sie es gewesen und ich könnte ihr all meine Zeit und überschüssige Energie widmen, würden wir ein phantastisches Leben führen, davon bin ich überzeugt. Dann hätten wir irgendwo in Norwegen leben können und wären im Winter Ski und Schlittschuh gelaufen, mit Broten und einer Thermoskanne im Rucksack, wären im Sommer mit dem Boot hinausgefahren, hätten gebadet, gefischt, gecampt, hätten mit anderen Familien im Ausland Urlaub gemacht, hielten Ordnung zu Hause, hätten Zeit darauf verwendet, wohlschmeckende Mahlzeiten zuzubereiten und glücklich und fröhlich Zeit mit Freunden zu verbringen. Nun ja, das hört sich jetzt an wie eine Karikatur, aber ich sehe täglich Familien, die es schaffen, dass ihr Leben mit Kindern so funktioniert. Die Kinder sind sauber, ihre Kleider hübsch, die Eltern gut gelaunt, und wenn sie ausnahmsweise mal die Stimme erheben, schreien sie ihre Kinder niemals an wie Idioten. An den Wochenenden machen sie Ausflüge, im Sommer mieten sie Häuser in der Normandie, und ihr Kühlschrank ist niemals leer. ….Warum soll die Tatsache, dass ich Schriftsteller bin, mich von dieser Welt ausschließen? Warum soll der Umstand, dass ich schreibe, dazu führen, dass unsere Kinderwagen allesamt aussehen wie etwas, das wir auf einer Müllhalde gefunden haben? Warum soll mein Schreiben dafür verantwortlich sein, dass ich mit irren Augen und einem Gesicht, das zu einer grotesken Fratze der Frustration erstarrt ist, in den Kindergarten komme? Warum soll mein Schreiben dazu führen, dass die Kinder ganz auf ihren eigenen Willen setzen, egal, welche Konsequenzen das hat? Woher kommt all diese Wirrnis in unserem Leben?“ Ich lese gerade, nach Lieben, mein zweites Knausgard – Buch Sterben. Es fehlen mir jetzt noch Träumen, Leben, und Spielen und ich kann sagen, das erleichtert mich. Jetzt, da ich ein Fan bin, möchte ich nicht, dass die Bücher von Knausgard allzu schnell durchgelesen sind. Zu sehr fühle ich mich in ihnen wohl. Dass ich ein Fan wurde, ich kann nicht sagen, warum das so ist. Ursprünglich gehörte ich zu den gefühlt dreizehn Menschen weltweit, die Knausgard auf gar keinen Fall lesen wollten, ihn für einen eitlen, aufgeblasenen, seinen Egoergüssen verschriebenen Jammerlappen und Narzisten hielt. Es könnte sein, dass meine Charakterisierung seiner Person gar nicht vollkommen daneben liegt, also zumindest einen Teil seines Charakters treffend umschreibt. Dennoch kann ich nicht aufhören, ihn zu lesen. (Ich würde mir mittlerweile sogar ein Foto von ihm neben den Schreibtisch hängen!! Das ist mir seit Hesse nicht mehr passiert.) Es ist ein wenig wie eine Sucht. Ist es große Literatur? Keine Ahnung! Es ist vielleicht noch nicht einmal Literatur. Es ist so voller Ich Ich Ich. Aber das gerade, was ich normalerweise nicht so gut ertragen kann, was man Schreibenden ja auch vorwirft, zum Beispiel, wenn man ihre Manuskripte ablehnt oder unreif findet, das entwickelt bei ihm diesen Sog: seine absolute Zentriertheit auf sich selbst und sein Universum, das derart authentisch und minutiös Seite um Seite beschrieben wird. Er schreckt auch nicht davor zurück, den Blick aus dem Küchenfenster seitenlang genau zu beschreiben, oder die Tasse Kaffee und wie er sie zubereitet, die Zigarette und wie er sie raucht. Landschaften, andere Menschen, Straßen, Geschäfte, Zugfahrten, Bücher die er liest, Bücher die er schreibt, sein Leben als Sohn, als Mann, als Vater, als Schriftsteller, seine Frau, seine Kinder (Irgendwo in einem Interview mit seiner Frau Linda las ich die Zeile "Ich habe den indiskretesten Mann der Welt geheiratet", sie könnte recht haben, kommt sie mir doch schon nach anderthalb Büchern ihres Mannes so vertraut vor, als wäre sie meine beste Freundin) – alles wird so wahrhaftig wie möglich dargelegt, nackt vor den Leser gestellt mit jedem noch so unwichtig erscheinenden Detail. Das ist mutig, das ist auch schön. Man liest es und findet in dieser Menschlichkeit so ganz mühelos sich selbst wieder. Vielleicht ist das der Grund, dass ich die Bücher liebe? Ich finde mich selbst beim Lesen, ich erkenne mich, ich finde meine Gedanken wieder, meine täglichen Handlungen, auch meinen Blick aus dem Fenster. Ich erwische mich dabei, wie ich die Straße in Mitte hinunter gehe, und im Kopf wie Knausgard rede, mir jeden Sinneseindruck bewusst mache und ausformuliere. Das hat etwas beruhigendes und entschleunigendes. Es ist fast wie Meditation. Er macht menschliches Leben einer bestimmten Schicht im Europa des frühen 21. Jahrhunderts auf eine Weise publik, die mir als Leserin einen Schub gibt nach vorne aber auch in die Tiefe. Das liegt natürlich unter anderem daran, dass ich in einem ähnlichen Leben wie er stecke. Ich frage mich, ob seine Bücher auch interessant sind für Menschen, die vollkommen anders leben. „Man weiß so wenig, und es existiert nicht. Man weiß zuviel, und es existiert nicht. Schreiben heißt, das Existierende aus dem Schatten dessen zu ziehen, was wir wissen. Darum geht es beim Schreiben. Nicht, was dort geschieht, nicht, welche Dinge sich dort ereignen, sondern es geht um das Dort an sich. Dort ist der Ort und das Ziel des Schreibens. Aber wie kommt man dorthin?“ Ich würde weiter gehen: Ich würde sagen, Dort ist das Ziel des Lebens, (auch des Lesens), des alles, was man tut und lässt, atmet und verdaut. Ein Leben lang geht es um die Frage: wie komme ich zu diesem Dort? Für jeden Menschen geht es doch eigentlich um diese Frage. Also für jeden Menschen dieser Knausgard-Schicht, wenn man weiß, was man morgen isst, dass man ein Dach über dem Kopf hat, regelmäßig ins Museum geht, sich mit Philosophie beschäftigt, sehr viel liest, sich manchmal fast langweilt in dieser selbstverständlichen Bequemlichkeit. Knausgard nimmt uns in seinen Büchern auf seine persönliche und doch irgendwie allgemeingültige Reise Richtung Dort mit. Er zeigt uns all die Tiefen und Höhen der Suche, des Kampfes (so heißen seine Bücher ja eigentlich Mein Kampf), und manchmal kommt er an, beim Dort, und auch wir dürfen mit ihm zum Dort reisen. Er lädt uns ein. Als Leserin sind die Momente, die man mit ihm im Dort verbringt, größte Glücksmomente, weil sie einen selbst näher bringen an alles, worum es geht. Die Wahrhaftigkeit. Das eigene Dort. Ist es Literatur? Das frage ich mich immer mal wieder und ich komme zu der Einsicht, dass das so vollkommen egal ist, wie es nur egal sein kann. Es ist die Reise zum Dort, der Kampf ums Dort und vielleicht ist Literatur ja alles, wo die Menschen schreibend um dieses Dort kämpfen, so kommt es mir vor, und dann ist es Literatur. Wenn Literatur etwas anderes ist, dann sind Knausgards Bücher keine Literatur. Vielleicht sind sie dann einfach Tagebücher? Verrückterweise habe ich sein Buch „Lieben“ parallel zu dem Buch „Dein Name“ von Navid Kermani gelesen. Die beiden vermischten sich manchmal ein wenig in meinem Bewusstsein, aber dann auch in der Realität. Denn manchmal hatten sie die gleichen Themen, wie zum Beispiel Hölderlin, oder auch die Beschreibung des eigenen Lebens als Schreibender auf der Suche nach der Wahrheit, dem Dort, diese Suche schreibend so wahrhaftig und authentisch wie möglich darlegend, detailliert und minutiös. Mit sich selbst nicht gerade zart umgehend, auch die eigenen Schwächen dem Leser präsentierend, die Intimsphäre nicht aussparend. Ich sehne mich als Lesende nach mehr solchen Büchern, in denen mir erzählt wird, was ist, minutiös, der Wahrheit verschrieben, dem Dort, und wie man hinkommt. Ich mag die Authentizität, die Wahrhaftigkeit, aber auch der philosophische Anspruch, den ich in solchen Bücher erkenne, gefällt mir. Allerdings wären Knausgards Bücher wohl kaum so gut, wenn er nicht auch wunderbar schreiben könnte. Kein Mensch könnte all diese Seiten von ihm lesen, wenn sie sich erzählerisch und sprachlich nicht auf einem hohen Niveau bewegten. Dann würde man das Buch irgendwann einfach genervt in die Ecke schmeissen. Stattdessen schleicht man um den Buchladen, um den Stapel ungelesener Bücher, und diskutiert mit sich selber genervt hin und her, unter welchen Umständen es doch okay wäre, sich den nächsten Knausgard zu kaufen. © Susanne Becker

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Vita

Karl Ove Knausgård wurde 1968 geboren und gilt als wichtigster norwegischer Autor seiner Generation. Als erster Debütant überhaupt bekam er den Norwegischen Kritikerpreis verliehen. "Alles hat seine Zeit", sein zweiter Roman und vielfach preisgekrönt, war nominiert für den Nordischen Literaturpreis und den internationalen IMPAC Dublin Literary Award. "Sterben" - der erste Roman eines sechsbändigen, autobiographisch angelegten literarischen Projektes, das in Norwegen zur Sensation wurde - war das meist diskutierte Buch der letzten Jahre, stand monatelang auf Platz 1 der Bestsellerliste, wurde mit dem wichtigsten norwegischen Literaturpreis, dem Bragepreis ausgezeichnet, in der Zeitung VG zu einem der besten Bücher der letzten zehn Jahre gewählt sowie von den Lesern der Tageszeitung Morgenbladet zum Buch des Jahres. Bei Luchterhand wird nach "Sterben" demnächst auch der gleichfalls gefeierte zweite Roman "Lieben" erscheinen. Karl Ove Knausgård lebt mit seiner Familie an der schwedischen Südküste.

Zur AUTORENSEITE

Paul Berf

Paul Berf, geboren 1963 in Frechen bei Köln, lebt nach seinem Skandinavistikstudium als freier Übersetzer in Köln. Er übertrug u. a. Henning Mankell, Kjell Westö, Aris Fioretos und Selma Lagerlöf ins Deutsche. 2005 wurde er mit dem Übersetzerpreis der Schwedischen Akademie ausgezeichnet.

zum Übersetzer

Events

01. Dez. 2019

AUSVERKAUFT Lesung und Gespräch

11:00 Uhr | Schwäbisch Hall | Lesungen
Karl Ove Knausgård
Sterben | Kämpfen

02. Dez. 2019

Lesung und Gespräch

20:00 Uhr | Tübingen | Lesungen
Karl Ove Knausgård
Sterben | Kämpfen

03. Dez. 2019

Lesung und Gespräch

20:00 Uhr | Tübingen | Lesungen
Karl Ove Knausgård
Sterben | Kämpfen

Pressestimmen

"Knausgård schreibt sehr gut, einige Passagen sind von wunderbarer atmosphärischer Dichte und die Übersetzung von Paul Berf liest sich beweglich, flüssig, pointiert, unterhaltsam."

Spiegel Online (11. Mai 2011)

"Dem Norweger Karl Ove Knausgård ist ein fulminanter Beginn gelungen."

Cord Aschenbrenner / NZZ (21. Juni 2011)

"In den eigentlichen Geschichten ist Knausgård ein konsequent realistischer Erzähler - seine Reflexionen dagegen sind von brodelnder Klugheit, die eine fast hypnotische Kraft entwickeln."

Jutta Duhm-Heitzmann / WDR 5 (01. März 2011)

"Knausgård macht sich zum Fall, der die Welt ist - und wir folgen ihm, atemlos, gebannt, bis zuletzt."

Westdeutsche Allgemeine Zeitung (18. Juni 2011)

"Ein tief berührendes, ein tabuloses Buch mit aufrüttelnden Darstellungen, die Fragen an den Leser werfen."

Tobias Wenzel / NDR Kultur (21. März 2011)

"Es gibt Bücher, die lassen einen nicht mehr los. Karl Ove Knausgårds Sätze üben einen magischen Sog aus, dem man sich schwer entziehen kann. "

Heide Soltau / NDR 90,3 (23. März 2011)

"Knausgård schreibt akribisch, realisitisch und sinnlich."

Hamburger Abendblatt (22. März 2011)

"Will man das lesen? Man will!"

Knut Cordsen / B5 aktuell (06. April 2011)