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Machandel Roman

Kundenrezensionen (6)

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Taschenbuch, Broschur ISBN: 978-3-328-10024-9

Erschienen: 12.12.2016
Dieser Titel ist lieferbar.

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Regina Scheer spannt in ihrem beeindruckenden Roman den Bogen von den 30er Jahren über den Zweiten Weltkrieg bis zum Fall der Mauer und in die Gegenwart. Sie erzählt von den Anfängen der DDR, als die von Faschismus und Stalinismus geschwächten linken Kräfte hier das bessere Deutschland schaffen wollten, von Erstarrung und Enttäuschung, von dem hoffnungsvollen Aufbruch Ende der 80er Jahre und von zerplatzten Lebensträumen.

Regina Scheer (Autorin)

Regina Scheer, 1950 in Berlin geboren, studierte Theater- und Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität. Später arbeitete sie bei der Wochenzeitschrift „Forum“, bis diese wegen „konterrevolutionärer Tendenzen“ aufgelöst wurde. Danach veröffentlichte sie mehrere Bücher zu deutsch-jüdischer Geschichte. „Machandel“ ist ihr erster Roman, für den sie 2014 den Mara-Cassens-Preis erhielt.

10.06.2017 | Vogelsang

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21.06.2017 | Schwedt/Oder

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29.06.2017 | 19:30 Uhr | Feldberger Seenlandschaft

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Literatur im Zimmer
Breite Straße 18
21614 Buxtehude

ERSTMALS IM TASCHENBUCH

Originaltitel: Machandel
Originalverlag: Knaus, München 2014

Taschenbuch, Broschur, 480 Seiten, 11,8 x 18,7 cm

ISBN: 978-3-328-10024-9

€ 10,00 [D] | € 10,30 [A] | CHF 13,90* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Penguin

Erschienen: 12.12.2016

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Regina Scheer: "Machandel"

Von: Fräulein Julia Datum: 11.01.2017

www.fraeuleinjulia.de

Machandel: So heißt das kleine Dorf in der Uckermark mit dem die Geschichte von Clara und ihrer Familie untrennbar verbunden ist. Regina Scheer entfaltet in „Machandel“ ein halbes Jahrhundert deutscher Geschichte zu einem schillernden Kaleidoskop aus Erinnerungen, Verletzungen, Hoffnungen und Enttäuschungen. Das ist ziemlich großartig!

Enthält ein Roman auf der letzten Seite ein Personenregister, so heißt das oft: Hier gibt es zahlreiche Erzählstränge, unzählige Charaktere, Geschichten und Erinnerungen, die man als Leser mit aller Aufmerksamkeit zu einem Strang zusammenhalten muss – und das ist nicht immer leicht. Nicht so bei Regina Scheer. Ihr ebenso fulminanter wie leiser Familienepos macht das Auseinanderhalten der Personen zu einem Leichten – so gekonnt sind die Schicksale ineinander verwoben.

Um mehr als fünf Jahrzehnte Geschichte unter einen Hut zu bringen, bedient sich die Erzählerin – sie heißt Clara Langner – dreier Zeitebenen: Wir befinden uns irgendwo in der Gegenwart, vielleicht sind es die frühen 2000er, vielleicht etwas später. Rückblicke bringen uns in die mittleren und späten 1980er Jahre, in denen die DDR ebenso wie ihre Hausfassaden unübersehbar vor sich hin bröckelte. Eine dritte Erzählebene geht weit zurück in die Zeit des zweite Weltkrieges, der auch vor dem beschaulichen Machandel keinen Halt machte. Wir erfahren die Geschehnisse durch Clara, ihren Vater Hans Langner, die ehemalige „Ostarbeiterin“ Natalja und einen Freund Claras namens Herbert – zwei Generationen, deren jüngere etliche Fragen an die ältere hat, diese aber nicht immer oder nur unbefriedigend beantwortet bekommt.

„Das ist alles schon so lange her!“

Über das, was damals im Krieg geschah, wird geschwiegen, alte Wunden aufreißen – was bringt das schon? „Ham wer immer esu jemaat“, sagt man dazu in Köln und auch in der Uckermark hält man an der Tradition des „Das ist alles schon so lange her!“ fest. Augen zu und durch, was gestern war, ist vorbei. Eine Tatsache, die vor allem von Clara nur schwer akzeptiert wird, als sie in Machandel – hier war ihre Mutter als Flüchtlingskind gelandet und hatte ihren Vater, einen ehemaligen KZ-Insassen kennengelernt – einen alten Katen kauft und damit unweigerlich in der Geschichte zu stochern beginnt.

Dabei ist sind die Jahre 1985-89 durchaus Jahre, in denen man die Geschichte mit beiden Händen im Begriff ihres Entstehens greifen kann: Clara und ihr Mann Michael engagieren sich in Berlin in den von den Kirchen organisierten Friedenskreisen, sie tragen die „Schwerter zu Pflugscharen“-Aufnäher, verbringen ihre Abende bei Mahnwachen und die Nächte mit Wein und Diskussionen in den kühlen Altbauküchen von Freunden. Diskutieren, immer wieder diskutieren, man muss doch etwas ändern können an diesem System, kann es nicht eine reformierte DDR geben?

Doch die Träume eines freundlichen Sozialismus‘ zerplatzten, das steht in jedem Geschichtsbuch. Wer auf trockene Beschreibungen der Kriegs- und Nachkriegszeit und der „Wende“ keine Lust hat, der lese Machandel!

Folgende Rezensionen beziehen sich auf eine andere Ausgabe (Gebundenes Buch)

MECKLENBURGISCHE MELANCHOLIE...

Von: parden Datum: 24.03.2017

www.litterae-artesque.blogspot.de/

Als Clara 1985 ihren Bruder Jan vor seiner Ausreise aus der DDR nach Machandel begleitet, findet sie in dem mecklenburgischen Dorf eine verwunschene Sommerkate. Hierhin zieht sie sich mit ihrer jungen Familie vor den turbulenten politischen Entwicklungen in Ostberlin zurück. Zu Beginn ahnt sie nicht, wie sehr ihre persönliche Geschichte mit diesem Dorf verwoben ist. Schon ihr Vater, der Kommunist und von den Nazis verfolgte Hans Langer, fand hier in den letzten Kriegstagen Zuflucht, bevor er im neuen Staat Minister wurde. Doch nun kehrt sein Sohn diesem Staat den Rücken, und seine Tochter engagiert sich in Bürgerbewegungen.

Regina Scheer spannt in Manchandel den Bogen von den 30er Jahren über den Zweiten Weltkrieg bis zum Fall der Mauer und in die Gegenwart. Sie erzählt aus der Perspektive von Clara, ihrem Vater Hans, dem jungen Dissidenten Herbert, der ukrainischen Zwangsarbeiterin Natalja und der 1943 vor den Bomben von Hamburg nach Mecklenburg geflohenen Emma von den Anfängen der DDR, als die von Faschismus und Stalinismus geschwächten linken Kräfte hier das bessere Deutschland schaffen wollten. Sie erzählt von Erstarrung und Enttäuschung, von Lebenslügen und Sich-Einrichten, vom hoffnungsvollen Aufbruch Ende der 80er Jahre und von zerplatzten Lebensträumen.


"Seit fünfundzwanzig Jahren gehört Machandel, dieses abgelegene Dorf auf dem Malchiner Lobus der Endmoräne, zu meinem Leben. Vorher war ich nie hier gewesen. Dabei sind meine Eltern sich hier begegnet, und mein Bruder Jan, das wusste ich immer, wurde im Schloss von Machandel geboren. Aber Jan ist vierzehn Jahre älter als ich, und bei meiner Geburt im Jahr 1960 wohnte meine Familie schon lange in Berlin. Unsere Großmutter, die in Machandel geblieben war, starb kurz danach, es gab keinen Grund mehr für einen von uns, in dieses Dorf zu fahren. Dachte ich." (S. 14)


Was für ein Roman! Regina Scheer gelingt hier ein großer Wurf, eine vielschichtige Erzählung mit zahlreichen Ebenen und Metaebenen. Nicht allein, dass hier wechselnd aus fünf verschiedenen Perspektiven erzählt wird, wodurch nicht etwa Verwirrung gestiftet, sondern deutlich wird, dass dasselbe Zeitgeschehen von verschiedenen Personen vollkommen unterschiedlich erlebt und bewertet werden kann. Darüber hinaus verwebt Scheer das Thema 'Machandel' auf vielfältige Weise mit der Erzählung - das fiktive Dorf in Mecklenburg hat seinen Namen von den Wacholderbäumen erhalten, die im niederdeutschen Machandelbäume genannt werden und rund um das Dorf anzutreffen sind. Clara befasst sich in ihrer Doktorarbeit außerdem mit dem Grimmschen Märchen 'Machandel' und mit dessen Deutungsmöglichkeiten, und der Autorin gelingt es, hier stets auch einen Bezug zwischen dem Märchenhaften und der Realität herzustellen. Den einzelnen Personen widmet sich Regina Scheer mit einer sorgfältigen Hingabe und schildert das Geschehen mit differenzierten Details, ohne jemals Gefahr zu laufen, sich zu verzetteln. Dafür allein meine Hochachtung.


"Ich spürte und wusste allmählich, dass an diesem Ort, in unserem eigenen Haus, etwas geschehen war, das nicht vergessen war, das sich jederzeit plötzlich zeigen konnte, als ein Schmerz in Nataljas Gesicht, als ein Verstummen im Gespräch der Frauen am Bus, in der Geste, mit der sie sich kaum merklich von Wilhelm abwandten. Dieses Ungesagte verwob sich für mich mit dem Märchen vom Machandelboom, es machte mich traurig. Dennoch fuhren wir so oft wie möglich nach Machandel, als würden wir nur an diesem Ort festhalten können, was uns allmählich verloren ging." (S. 190 f.)


Wie ging es mir nun mit der Lektüre? Ich habe das Lesen als unglaublich intensiv erlebt. Durch die geschilderte Vielschichtigkeit habe ich lange für den Roman gebraucht, da ich nach einigen Seiten stets das Gefühl hatte, 'satt' zu sein. Eine Fülle an Informationen, Emotionen, Nachdenkenswertem wollte verarbeitet werden, so dass ich das Buch immer wieder zur Seite legte. Abgesehen von meiner Faszination über die gelungene Komposition des Romans war die Lektüre auch überaus interessant. So viel Wissenswertes zum Zeitgeschehen in der DDR vom Zweiten Weltkrieg bis zur Wende und darüber hinaus habe ich erfahren - und gleichzeitig gemerkt, dass es dort nicht DEN Traum gab, sondern viele Träume, und dass die Anstrengungen auch der damaligen Opposition nicht zwangsläufig in dieselbe Richtung zielten. Da waren Enttäuschungen vorprogrammiert. Die Melancholie zieht sich so auch durch die Erzählung.


"Immer wieder erfuhr ich, wie scheinbar Vergangenes in die Gegenwart führt, wie es immer um dasselbe geht - um Menschen und ihre Träume, um Macht und Ohnmacht. Und die Dinge sind selten so, wie sie scheinen." (S. 423)


Auch wenn die unterschiedlichen Perspektiven dazu beitragen, dass das Zeitgeschehen nicht eindimensional präsentiert wird, waren mir persönlich nicht alle gleich lieb. Aus Claras Sicht wird das Geschehen am häufigsten geschildert, und sie war es auch, der ich mich am nähesten gefühlt habe. Eher unangenehm waren mir teilweise die (zum Glück eher seltenen) Schilderungen aus der Perspektive von Claras Vater, weil hier oftmals eine Fülle von Informationen auch zu Sozialismus und Kommunismus stakkatoartig auf mich einprasselten, mit unzähligen, mir meist unbekannten Namen und oft nur angedeuteten Zusammenhängen, was ich als anstrengend empfand. Doch in der Summe ist dieser Roman ein faszinierendes Kaleidoskop deutscher Zeitgeschichte vom Krieg bis zur Wende und darüber hinaus...

Überaus beeindruckend!


© Parden

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