Alexander von Humboldt

Der Preuße und die neuen Welten

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Von Tegel in die Welt und zurück: Humboldt, Preuße und Entdecker

»Alexander von Humboldt ist 57 Jahre alt, er ist weltberühmt und pleite und muss nach Berlin zurück.« So beginnt Rüdiger Schapers Biographie des großen Universalgelehrten, die einen neuen Blick auf diese welthistorische Figur gewährt. Denn aus der Perspektive der letzten Lebensjahrzehnte, die Humboldt, nach seinen Entdeckerjahren in Übersee, nun weitgehend in der ungeliebten preußischen Heimat verbringt, lässt Schaper dieses Forscherleben Revue passieren. Er widmet sich dessen Reisen ebenso wie seiner schillernden Persönlichkeit und spürt dabei auch dem preußischen Erbe nach, das ihn zeitlebens begleitet hat. Und hier, in der preußischen Heimat, zieht Humboldt Bilanz: Hier wird er Geist und Materie, Natur und Geschichte, Wissenschaft und Kunst und die eigenen Reiseabenteuer in ein universelles System überführen.

»Der Journalist Rüdiger Schaper legt eine opulente Biografie des Preußen vor, die das Querdenkerische und Facettenreiche in Humboldts Kosmos auf kurzweilige Arterschließt.«

Kleine Zeitung (08. April 2018)

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mit Abbildungen
ISBN: 978-3-641-17367-8
Erschienen am  12. März 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Rüdiger Schaper: Alexander von Humboldt

Von: Esthers Bücher

20.11.2018

2019 sind es 250 Jahre, dass Humboldt geboren wurde. Ein so wichtiges Jubiläum, dass das Jahr zum Alexander-von-Humboldt-Jahr erklärt wurde. Warum Humboldt nach all dieser Zeit noch immer eine so große Faszination auslöst, das stellt Rüdiger Schaper in dieser tollen Biographie deutlich dar. "Wenige wissen viel über Alexander von Humboldt – und viele wissen wenig." (Seite 267) Schaper will diesen Umstand mit seinem Buch ändern, auch wenn er weiß, dass es ein fast unmögliches Unterfangen ist, eine umfassende Biographie über Humboldt zu schreiben. Das Lebenswerk Humboldts ist bis heute nicht gänzlich aufgearbeitet, was nicht nur an der schieren Menge des Materials liegt, sondern auch daran, dass seine Hinterlassenschaft auf der Welt verteilt ist und nur zum Teil öffentlich zugänglich ist. Trotzdem schafft er es, ein so weit wie möglich vollständiges Bild von Humboldt zu zeichnen, wobei er es auch nicht scheut, über das Privatleben Humboldts zu sprechen, ohne dabei effekthascherisch zu wirken. Was man diesem Buch anmerkt, ist die Leidenschaft, mit der Schaper an seinem Material gearbeitet hat. Als er darüber erzählt, wie er Humboldts original Tagebuch in den Händen gehalten hat, ist man sich als Leser sicher, dass es eins der wichtigsten Momente im Leben des Autors gewesen ist. Und als Leser kann man für einen Autor, der seinem Subjekt so hingebungsvoll nachgegangen ist, nur dankbar sein. Das Buch bereitet sehr viel Leservergnügen, ist ausgesprochen informativ und enthält viele erinnerungswürdige Momente. So zum Beispiel den Teil über die Freundschaft zwischen den Humboldt Brüdern, Schiller und Goethe, oder die Geschichte des Aufstiegs auf den Chimborazo. Immer wieder finden sich Passagen darüber, wie wichtig die Menschenrechte für Humboldt waren, womit er seiner Zeit teilweise deutlich voraus war (und nicht nur damit). Die ergreifende Geschichte des Polen, den Humboldt in Russland getroffen hat, werde ich wohl nie vergessen und auch wenn ich „Black lives matter “ höre oder sehe, werde ich an Humboldt denken müssen. Diese Biografie gehört zu den Highlights des Jahres, eine unbedingte Leseempfehlung.

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Junggebliebener, neugieriger und weltoffener Er braucht …

Von: daslesendesatzzeichen

22.10.2018

… GELD! Man schreibt das Jahr 1827. Alexander von Humboldt ist bald 60 und pleite. Er zieht gerade von Paris zurück nach Berlin. Wie häufig in seinem Leben reist er aber nicht auf direktem Weg. Er macht einen Abstecher nach London, wo er – wie fast überall – begeistert empfangen wird. Durch seine überschäumende, wissbegierige Art nimmt er das Publikum für sich ein und begeistert die Menschen, egal wohin er kommt. Die Vorträge über seine Reisen sind ein gesellschaftliches Must! Das Schöne an Humboldt: Auch mit seinen fast 60 Jahren ist er kein arrivierter, gesetzter älterer Herr, sondern immer auf der Suche nach Neuem – sein Wissensdurst ist noch lange nicht gestillt. Die Engländer bauen zur Zeit seines Besuches gerade einen Tunnel unter der Themse. Durch seine Popularität kommt Humboldt in den Genuss so mancher besonderen Möglichkeit und so lädt ihn der Baumeister Marc Brunel zu einem echten Abenteuer ein. Alexander von Humboldt steigt mit ihm in eine Tauchglocke, tief hinunter zur Baustelle, um sich einen persönlichen Eindruck von diesem Jahrhundertprojekt zu machen. Wie immer auf seinen Reisen ist er mit sich selbst wenig zimperlich und setzt seine Gesundheit aufs Spiel: Er bekommt Probleme mit dem Druckausgleich und infolge heftigste Kopfschmerzen und blutet aus der Nase – doch das kümmert ihn wenig, denn er ist besessen von dem Drang, herauszufinden, wie die Natur beschaffen ist und wie der Mensch darauf Einfluss nimmt. Delikates Detail am Rande: Wenige Tage nach diesem Ausflug stürzt die Baustelle ein. Der Tunnel wird erst 1834 fertig … Zurück in Berlin arrangiert sich Humboldt mit dem Umstand, aufgrund seiner desaströsen finanziellen Lage nicht mehr in seiner Lieblingsstadt an der Seine leben zu können. Die Nähe zu seinem Bruder, Wilhelm von Humboldt, und der Austausch mit anderen Wissenschaftlern spornen ihn zu Höchstleistungen an: In wenigen Monaten hält er mehr als 60 Vorträge über seine große Reise nach Amerika (später niedergeschrieben in seinen sogenannten „Kosmos“-Bänden) an der Universität, die sein Bruder 1809 gegründet hat. „Reden statt reisen“ heißt jetzt die Devise. Der Erfolg der Kosmos-Vorlesungen weckt die Sehnsucht nach neuen Grenzen und Gipfeln. Reisen und forschen, kommunizieren und schreiben, die Welt als globales Geschehen am jeweiligen Ort durchdringen und immer in Bewegung sein, den Informationsfluss beschleunigen: Das ist die Humboldt-Formel.“ 2019 jährt sich der Geburtstag dieses umtriebigen Mannes zum 250. Mal – wer das vorliegende Buch liest, der wird jedoch bemerken, dass seine Motive und Überzeugungen moderner sind denn je. Mit 20 Jahren hat er eine Vision, die unglaublich aktuell ist und von der man nicht glauben mag, dass sie schon vor so langer Zeit formuliert wurde: Je mehr die Menschenzahl und mit ihr der Preis der Lebensmittel steigen, je mehr die Völker die Last zerrütteter Finanzen fühlen müssen, desto mehr sollte man darauf sinnen, neue Nahrungsquellen gegenüber den von allen Seiten einreißenden Mangel zu eröffnen. Wie viele, unübersehbar viele Kräfte liegen in der Natur ungenutzt, deren Entwicklung tausenden von Menschen Nahrung oder Beschäftigung geben könnte. Humboldt ist ein großer Menschenfreund und sein Wissen, seine Forschungen überdauern die Zeiten – sie wirken bis heute. Dabei begann alles gar nicht so spektakulär: Seine Schulzeit empfand er (wie ja so viele Freigeister) als ausgesprochen öde – er wird nicht genug gefordert und kränkelt. Ein merkwürdiges Kind, das bereits mit 12 Jahren seine Zeit am liebsten damit verbringt, Mineralien, Insekten und Pflanzen näher zu untersuchen. Sein Bruder wendet sich früh den Sprachen zu (darunter so exotisches wie Japanisch, Sanskrit und Baskisch), bei Alexander beginnt die Liebe zur Reise. Doch zuerst noch in der Theorie: Er verschlingt Reisebücher. Nebenbei malt er sehr talentiert Landschaften und Porträts. 1790 ist es endlich so weit: Humboldts erste Reise! Mit seinem Vorbild, dem Forscher Georg Forster, bereist er Belgien, Frankreich, die Niederlande und England. Das Ergebnis dieser Reise sind Niederschriften in drei Bänden „Ansichten vom Niederrhein“. Die Bände sind: […] voller Empathie für die unfreien, geknechteten Menschen, denen die Reisenden begegnen – ein kaum versteckter Aufruf zur Umwälzung. Im Jahr darauf beginnt Humboldt ein Bergbaustudium in Freiburg. Er schließt zwar nicht mit Examen ab, dennoch wird ihm das dort erworbene Wissen noch Türen und Tore öffnen. 1792 nimmt er eine Stelle im Berliner Ministerium an. Er besichtigt Minen und Hütten, er macht Verbesserungsvorschläge und sammelt Erfahrungen, von denen er in der Zukunft profitieren wird. Er ist wegweisend: Humboldt richtet eine Schule für die Söhne der Bergbauern ein, er möchte Bildung vermitteln und ist überzeugt, dass nur so die Produktivität auf Dauer zu steigern ist. 1796 stirbt Humboldts Mutter. Ihr Leiden hat ihn tief bewegt, daher kann er, als der Tod schließlich eintritt, nicht so trauern, wie das manch einer vielleicht erwartet hätte. Die Erbschaft gibt ihm zum ersten Mal eine große Freiheit. Er kann nun ungehindert seinen Interessen nachgehen – er quittiert umgehend den Staatsdienst und bereitet seine erste große Reise vor. In Paris lernt er Aimé Bonpland kennen – auch der möchte reisen, hat jedoch das Augenmerk auf der Botanik. Sie beschließen, gemeinsame Sache zu machen. Der erste Weg führt sie nach Spanien. Das dortige Königshaus braucht Geld und wittert die Chance, dass Alexander von Humboldt als Bergbau-Experte wertvolle Rohstoffe finden kann. Der spanische König finanziert ihm eine Reise nach Südamerika und stattet ihn mit sämtlichen Begleitbriefen aus, um auf der Reise von allen maximal unterstützt zu werden. Humboldt ist fassungslos: Welch ein Glück ist mir eröffnet! Mir schwindelt der Kopf vor Freude … Und so ist er schließlich 5 Jahre lang unterwegs: Spanien – Teneriffa – Neu Granada (heute Venezuela, Ecuador) – Peru – Neuspanien (heute Mexiko) – Kuba – Vereinigte Staaten. Natürlich immer mit Bonpland an seiner Seite. Die beiden Forscher erfahren viel Neues, doch sie müssen auch mit negativen Erlebnissen umgehen können: […] Wenn unser Haus in Cumana für die Beobachtung des Himmels und der meteorologischen Vorgänge sehr gelegen ist, so mussten wir dagegen zuweilen bei Tage etwas mit ansehen, was uns empörte. Hier wurden Schwarze verkauft, die von der afrikanischen Küste herübergebracht werden … […] Der Schock sitzt tief. Die Sklaventhematik wird zu seinem großen politischen Thema. Humboldt und Bonpland reisen weiter, die Fotografie ist noch nicht entdeckt, was festgehalten werden soll, wird skizziert und anderweitig dokumentiert. Als 1804 die Reise in den USA endet, trifft Humboldt Präsident Jefferson – er ist eben mittlerweile selbst eine Berühmtheit! Auch hier zeigt sich seine visionäre Ader: Er spricht mit dem Präsidenten über eine mögliche Wasserstraße zwischen dem Pazifik und dem Atlantik, lange bevor der Panama-Kanal Realität wird. 1808 schließlich erscheint sein Buch „Ansichten der Natur“. So ein Buch hat es bisher noch nie gegeben! Es ist ein Musterbeispiel für Populärwissenschaft, mit verständlichen und fesselnden Texten und reicher Bebilderung. Mit vielen Politikern und Staatsmännern kommt Humboldt in Berührung, mit den meisten kommt er bestens klar, auch wenn er nicht deren Ansichten teilen mag. Mit einem aber kann er so gar nicht – Napoleon. Als Preußen von ihm besetzt wird, reist Alexander mit dem Prinzen Wilhelm nach Paris, um zu verhandeln. Die Mission scheitert – Humboldt aber bleibt in der Stadt an der Seine. Er lebt dort – und hier schließt sich der Kreis – bis 1827, bis ihm das Geld ausgeht. Denn auch als berühmter Wissenschaftler und Autor kann es finanzielle Probleme geben. Die Kosten für seine Reisebücher explodieren aufgrund der nötigen Kupfertafeln. Die luxuriösen Ausgaben können sich nur Regierungen leisten – die Gesamtausgabe kostete umgerechnet für heutige Begriffe rund 50.000 Euro. Zurück in Berlin kann er wieder Atem schöpfen, Geld auftreiben und reist auch in den weiteren Jahren viel, z. B. nach Russland – bis zur chinesischen Grenze. Er findet Zinn und Diamanten – und schreibt danach wieder Bücher über seine Reisen. Als ihm irgendwann tatsächlich die Gesundheit zu schaffen macht, werden seine Aktivitäten zwar weniger, sein Geist aber bleibt klar. Er setzt sich für den Arbeiterführer Ferdinand Lassalle (ein Wegweiser der späteren Sozialdemokratie) ein und wird nicht müde, das Bürgerrecht für Juden zu fordern. Mit fast 90 Jahren stirbt dieser unermüdliche Geist, Forscher, visionäre Denker. Doch er hinterlässt überall Spuren. Seit 1883 thronen die Humboldt-Brüder auf hohen Marmorsockeln vor der Universität in Berlin – der Humboldt-Universität. Und dort, wo früher das Berliner Schloss stand, wird jetzt das Humboldt-Forum erbaut. Hier sollen die Ideen der beiden Humboldts vereint werden. Berlin und Deutschland wollen so den Geist der Wissenschaft würdigen. Diese Würdigung ist übrigens auch Rüdiger Schaper mit seinem vorliegenden Werk gelungen. Ganz in der Tradition seiner Hauptperson hat er ein im besten Sinne populärwissenschaftliches Buch mit verständlichen und fesselnden Texten geschrieben. Chapeau! „Alexander von Humboldt. Der Preuße und die neuen Welten“ ist im Siedler Verlag erschienen. Nähere Infos zum Buch auf der Verlagsseite.

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Vita

Rüdiger Schaper, Jahrgang 1959, leitet das Kulturressort des Berliner »Tagesspiegel«, für den er seit 1999 tätig ist. Zuvor war er zehn Jahre lang Kulturkorrespondent der »Süddeutschen Zeitung« in Berlin. Bei Siedler sind von ihm zuletzt »Die Odyssee des Fälschers. Die abenteuerliche Geschichte des Konstantin Simonides, der Europa zum Narren hielt und nebenbei die Antike erfand« (2011) und »Karl May. Untertan, Hochstapler, Übermensch« (2012) erschienen. Rüdiger Schaper lebt in Berlin.

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»Ein Leben, ein Buch, das man kennen sollte.«

Neues Deutschland (16. Juli 2018)

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