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Dann schlaf auch du Roman

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eBook (epub) ISBN: 978-3-641-21290-2

Erschienen: 21.08.2017
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Der Preis des Glücks

Sie wollen das perfekte Paar sein, Kinder und Beruf unter einen Hut bringen, alles irgendwie richtig machen. Und sie finden die ideale Nanny, die ihnen das alles erst möglich macht. Doch wie gut kann man einen fremden Menschen kennen? Und wie sehr kann man ihm vertrauen?

Sie haben Glück gehabt, denken sich Myriam und Paul, als sie Louise einstellen - eine Nanny wie aus dem Bilderbuch, die auf ihre beiden kleinen Kinder aufpasst, in der schönen Pariser Altbauwohnung im 10. Arrondissement. Wie mit unsichtbaren Fäden hält Louise die Familie zusammen, ebenso unbemerkt wie mächtig. In wenigen Wochen schon ist sie unentbehrlich geworden. Myriam und Paul ahnen nichts von den Abgründen und von der Verletzlichkeit der Frau, der sie das Kostbarste anvertrauen, das sie besitzen. Von der tiefen Einsamkeit, in der sich die fünfzigjährige Frau zu verlieren droht. Bis eines Tages die Tragödie über die kleine Familie hereinbricht. Ebenso unaufhaltsam wie schrecklich.

Frankfurter Buchmesse 2017 Leïla Slimani am 3sat-Stand

Frankfurter Buchmesse 2017 Leïla Slimani auf dem Blauen Sofa

»Vituos inszeniert Leïla Slimani die unselige Verflechtung von unstillbaren Begierden und sozialer Not.«

Meike Feßmann / Süddeutsche Zeitung (16.11.2017)

Leïla Slimani (Autorin)

Die französisch-marokkanische Autorin Leïla Slimani gilt als die aufregendste literarische Stimme Frankreichs. Slimani wurde 1981 in Rabat geboren und wuchs in Marokko auf. Nach dem Studium an der Pariser Eliteuniversität Sciences Po arbeitete sie als Journalistin für die Zeitschrift »Jeune Afrique«. »Dann schlaf auch du« wurde mit dem höchsten Literaturpreis des Landes, dem Prix Goncourt, ausgezeichnet und erscheint in 36 Ländern. Ihr ebenfalls preisgekröntes literarisches Debüt »Dans le jardin de l’ogre« wird derzeit verfilmt. Darüber hinaus ist Leïla Slimani im November 2017 zur persönlichen Beauftragten von Staatspräsident Emmanuel Macron zur Pflege des französischen Sprachraums ernannt worden. Sie ist verheiratet und Mutter zweier Kinder und lebt in Paris.

»Vituos inszeniert Leïla Slimani die unselige Verflechtung von unstillbaren Begierden und sozialer Not.«

Meike Feßmann / Süddeutsche Zeitung (16.11.2017)

»Es ist ein tolles Buch, es ist fantastisch geschrieben!«

Barbara Vinken / 3sat Buchzeit (08.10.2017)

»Es ist klar, es ist schmerzhaft, und es ist großartig.«

Annabelle Hirsch / Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (27.08.2017)

»Ein Wechselbad der Gefühle, beklemmend zu lesen, aber immer so dosiert in der Zuspitzung, dass man weiterlesen will, weiterlesen muss.«

Christine Westermann / WDR 5 (26.08.2017)

»Man will einfach wissen, wie das Unfassbare geschehen konnte.«

Tilman Krause / Die Welt (26.08.2017)

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Aus dem Französischen von Amelie Thoma
Originaltitel: Chanson douce
Originalverlag: Gallimard

eBook (epub)

ISBN: 978-3-641-21290-2

€ 15,99 [D] | CHF 19,00* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Luchterhand Literaturverlag

Erschienen: 21.08.2017

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Folgende Rezensionen beziehen sich auf eine andere Ausgabe (Gebundenes Buch)

Gewaltig - in jeder Hinsicht

Von: Monia [www.ichlesehaltgern.com] Datum: 27.11.2017

www.ichlesehaltgern.com

3 Dinge, die mir spontan zum Buch einfallen:
ich werde nie verstehen, weshalb sich Leila mit Trema schreibt, wunderschönes Cover mit toll geriffeltem Papier, nein! die Frau hat nix mit den Slimanis auf Youtube zu tun!

Das sagt der Verlag zum Buch:
Sie wollen das perfekte Paar sein, Kinder und Beruf unter einen Hut bringen, alles irgendwie richtig machen. Und sie finden die ideale Nanny, die ihnen das alles erst möglich macht. Doch wie gut kann man einen fremden Menschen kennen? Und wie sehr kann man ihm vertrauen?

Sie haben Glück gehabt, denken sich Myriam und Paul, als sie Louise einstellen – eine Nanny wie aus dem Bilderbuch, die auf ihre beiden kleinen Kinder aufpasst, in der schönen Pariser Altbauwohnung im 10. Arrondissement. Wie mit unsichtbaren Fäden hält Louise die Familie zusammen, ebenso unbemerkt wie mächtig. In wenigen Wochen schon ist sie unentbehrlich geworden. Myriam und Paul ahnen nichts von den Abgründen und von der Verletzlichkeit der Frau, der sie das Kostbarste anvertrauen, das sie besitzen. Von der tiefen Einsamkeit, in der sich die fünfzigjährige Frau zu verlieren droht. Bis eines Tages die Tragödie über die kleine Familie hereinbricht. Ebenso unaufhaltsam wie schrecklich.

Meine bescheidene Meinung:
Mal wieder ein Buch, bei dem es mir alles andere als leicht fällt, eine Rezension zu schreiben. Nicht, weil es besonders gut oder besonders schlecht wäre – im Gegenteil: ich weiß nicht, wo ich anfangen und wo aufhören soll…

Die Handlung beginnt schon mal mit einem Paukenschlag und hat mich so sehr in ihren Bann gezogen, dass ich einfach weiterlesen musste. Dran glauben mussten auch noch gefühlte hundert Post Its, denn es gab Textstellen, die konnte man gar nicht zurücklassen, ohne sie nicht vorher markiert zu haben, wie zum Beispiel diese hier, die Louises Macht, die sie binnen kürzester Zeit erlangt hat, auf das Treffendste beschreibt:

Je mehr Zeit verstreicht, desto mehr perfektioniert Louise die Kunst, zugleich unsichtbar und unverzichtbar zu sein. […] Sie ist die Wölfin mit der Zitze, an der sie alle trinken, die verlässliche Quelle ihre Familienglücks. (S. 55)

Louise hat einen Strauß Dahlien ins Wohnzimmer gestellt. […] Wir können unmöglich auf sie verzichten, denken sie. Sie reagieren wie verwöhnte Kinder, wie Hauskatzen. (S. 131)

Slimani macht es dem Leser schwer, wenn nicht sogar unmöglich, Louise, Paul oder Myriam zu mögen und dies aus unterschiedlichen Gründen: bei Louise handelt es sich um etwas Offensichtliches, das ich jedoch nicht spoilern will, auch wenn es auf der ersten Seite schon ersichtlich ist.

Bei Paul und Myriam war es in meinen Augen ebenso einfach: sie sind durch und durch Opportunisten. Sie möchten einfach alles auf einmal haben: Kinder, die behütet aufwachsen, regelmäßige Mahlzeiten bekommen und abends mit einer Gutenacht-Geschichte ins Bett gehen.

Wer hier einhakt und sagt, dass das ja nun wirklich nichts Verwerfliches ist, kann ich bis hierhin zustimmen. Allerdings lechzen beide auch nach ihrer beruflichen Karriere und so wird es immer mehr Usus, dass Louise nicht nur die Nanny, sondern auch das Mädchen für alles gibt: neben dem Kinderaufpassen kocht sie, putzt, kauft ein und ermöglicht so allen Beteiligten einen reibungslosen Tagesablauf. Sie kommt morgens in der Früh, damit Myriam in die Kanzlei oder zu Gericht gehen kann und geht erst spät in der Nacht, wenn diese wieder den Weg in die Altbauwohnung im 10. Arondissement gefunden hat.

Paul verbringt seine Nächte im Studio, gierig nach Musik, nach neuen Ideen, nach Lachanfällen. […] „Louise ist doch da!“, sagt er seiner Frau immer wieder, wenn sie sich besorgt über ihre häufigen Abwesenheiten zeigt. (S. 116)

Wer nun denkt: arme Louise – die wird ja komplett ausgenutzt! liegt nicht ganz richtig, denn tatsächlich ist dieses Arrangement eine absolute Win-Win Situation für alle. Trotzdem kann man sich des Eindrucks, dass Louise einfach nur ausgenutzt wird, nicht erwehren. Selbst die Tatsache, dass das Paar die ältere Dame mit in den Griechenland-Urlaub nimmt, hinterließ bei mir einen mehr als bitteren Nachgeschmack; so beschreibt Slimani Pauls Reaktion auf die Tatsache, dass Louise nicht schwimmen kann, folgendermaßen:

Die Nanny ist beschämt zurückgewichen. Sie wollen gerade eine Erklärung von ihr verlangen, als sie langsam murmelt: „Ich habe Ihnen nicht gesagt, dss ich nicht schwimmen kann.“ […] Paul ist peinlich berührt, und dieses Gefühl macht ihn wütend. Er nimmt es Louise übel, dass sie ihre Bedürfnisse und ihre Schwäche mit hierhergebracht hat. Dass ihre Leidensmiene ihnen den Tag vermiest. (S. 69)

Und ja, ich weiß: dazu gehören immer 2 Parteien: die, die es macht und die andere, die es mit sich machen lässt. Und auch wenn ich Louise nicht mag, tut sie mir leid, da sie einen sehr bedürftigen Eindruck auf mich macht, der sich auch durch die Macht, die sie ob ihrer aufopfernden und omniipräsenten Art erlangt hat, nicht übertünchen lässt: Sie lebt als Witwe, deren Tochter bereits vor Jahren das Haus auf Nimmerwiedersehen verlassen hat, in einem schmuddeligen Einzimmer-Appartement am Rande von Paris.

Auch hier schafft es Leïla Slimani wieder wortgewaltig und anschaulich, der Person Louise und auch der Stadt, in der sie lebt – Paris – ein hässliches Gesicht zu geben

Die Einsamkeit hat sich aufgetan wie ein klaffender Riss, ind em Louise sich versinken sah. Die Einsamkeit, die an ihrem Körper, an ihren Kleidern haftete, fing an, ihre Züge zu modellieren und ihr die Gesten eines alten Mütterchens zu verleihen. […] Jeden Tag traf sie Schicksalsgenossen, Schwachsinnige, Clochards, Letue, die Selbstgespräche führten. (S. 98f)

Das ist die Sorte Mann, die sie verdient. Der Typ,den keiner haben will, aber den sie, Louise, nimmt, so wie sie gebrauchte Kleidung nimmt oder schon gelesene Zeitschriften mit herausgerissenen Seiten oder sogar Waffeln, die die Kinder halb aufgegessen haben. (S. 140)

Wie man unschwer sehen kann, ein nicht unbedingt lebensbejahendes Buch, eher eines, das nicht nur den Finger in die Wunden unserer Gesellschaft legt und ordentlich darin herumstochert – nein, das reicht Leïla Slimani nicht – sie streut noch meisterlich eine Prise Salz hinterher. Das Paris, das der Leser durch Louises Augen sieht, erinnerte mich leider sehr oft an das Lied The Streets of London von Ralph McTell, welches – passenderweise – ursprünglich Streets of Paris hieß.

Ich bin die ganzen 223 Seiten (die sich wie ein Vierfaches lasen) ein gewisses beklemmendes Gefühl nicht losgeworden, was nicht zuletzt an den letzten beiden Sätzen liegt:

Kommt, Kinder. Ab in die Badewanne.

Irgendwann möchte ich das Buch nochmal im Original (Chanson Douce) lesen – die Übersetzung kam mir manchmal was die Zeitenübersetzung anging, etwas holprig vor (wenn z. B. bei durchgängigem Präsens stellenweise und plakativ Plusquamperfekt benutzt wird).

Ein gewaltiges Werk, das noch lange in einem nachhallt und einen im besten Fall das eigene Tun auch mal überdenken lässt und veranlasst, bei unserem Gegenüber vielleicht etwas genauer hinzuschauen.

Leila Slimani, Dann schlaf auch du

Von: Lobe den Tag Datum: 22.11.2017

lobedentag.blogspot.de/

"Das Baby ist tot."
Die französisch-marokkanische Autorin Leila Slimani hat mit ihrem Buch „Dann schlaf auch du“, für das sie in Frankreich mit dem höchsten Literaturpreis des Landes, dem Prix Goncourt, ausgezeichnet wurde, den Alptraum einer jeden Mutter in Literatur verwandelt. Ich glaube, wirklich jede Mutter kennt diese Furcht, dass man die Kinder zur Strafe dafür, dass man sie allein lässt, nie wieder lebend sieht.

Ich wollte dieses Buch zunächst nicht lesen. Denn ich kann es, seitdem ich selbst Kinder habe, nur schwer ertragen, wenn in einem Buch oder Film Kindern Leid geschieht. Es fällt mir schwer, davon zu abstrahieren. Dennoch war ich neugierig und las diesen ersten Satz. „Das Baby ist tot.“, der sofort eine unglaubliche Sogwirkung erzeugte. Ich konnte das Buch nicht mehr beiseitelegen.

Myriam und Paul sind ein ganz normales Pariser Paar, das so aber auch in New York, Berlin, London leben könnte. Sie hat ein Jurastudium erfolgreich abgeschlossen, er produziert Musik. Sie haben eine Wohnung mitten in der Stadt. Sie wünschen sich eine Familie. Als Mila kommt, ist es für Myriam selbstverständlich, zunächst zuhause zu bleiben. Sie hat ein hohes Ideal davon, wie sie als Mutter sein möchte. Dieses Ideal beinhaltet, dass sie sich sehr intensiv um ihr Kind kümmert, dass nur sie ihr Kind wirklich kennt und weiß, was es braucht. Schon nach geraumer Zeit fällt es ihr nicht mehr so leicht. Sie langweilt sich und die stupide Hausarbeit, das intellektuell wenig anregende Zusammensein mit einem Kleinkind sind ihr nicht genug. Nach etwas über einem Jahr kommt Adam auf die Welt, ein zweites Wunschkind für Myriam, die die Kinder auch nutzt, um vor den Ansprüchen der Berufswelt zu flüchten. Mit zwei kleinen Kindern aber kollabiert in Myriam etwas. Während ihr Mann weiter draußen arbeitet, fühlt sie sich wie im Gefängnis. Als sich ihr die Chance bietet, als Anwältin in die Kanzlei eines alten Studienkollegen einzusteigen, greift sie zu.

„Sie hatte die Vorstellung immer weit von sich gewiesen, dass die Kinder ihren persönlichen Erfolg und ihre Freiheit beeinträchtigen könnten. Wie ein Anker, der einen mit nach unten reißt, der das Gesicht des Ertrunkenen in den Schlamm zieht. Diese Erkenntnis hat sie anfangs total deprimiert. Sie fand es ungerecht und entsetzlich frustrierend. Ihr war klar geworden, dass sie das Gefühl, unvollkommen zu sein, die Dinge nicht richtig zu machen, einen Bereich ihres Lebens zugunsten eines anderen zu opfern, nie wieder loswerden würde. Sie hatte ein Riesendrama daraus gemacht und partout nicht von ihrer Idealvorstellung der Mutterrolle abweichen wollen. Hatte darauf beharrt zu glauben, dass alles möglich sei, dass sie alle ihre Ziele erreichen würde, dass sie weder verbittert noch erschöpft sein würde. Dass sie weder die Märtyererin noch die Mutter Courage geben würde.“

Paul und Myriam geben ein Inserat auf und finden Louise, die scheinbar perfekte Nanny, Nounou genannt, die sich innerhalb kürzester Zeit in ihr Leben einnistet, die sich unentbehrlich macht, nicht nur die Kinder betreut, sondern auch den Haushalt schmeisst, unzählige Überstunden klaglos macht. Das klingt vielleicht wie ein Klischee, aber das Buch bedient an keiner Stelle Klischeevorstellungen. Die Zeichnungen der Personen, vor allem auch Louise', sind psychologisch feinsinnig und tiefgründig. Die Verzweiflung dieser Frau, ihre Einsamkeit, ihre Armut. Sie lebt vollkommen am Rande der Gesellschaft und niemand schaut hinter ihre Fassade aus rosa Nagellack und wohl riechendem Puder. Paul und Myriam vertrauen ihr rund um die Uhr ihre Kinder an, nehmen sie mit in den Urlaub, und bemerken trotz zunehmender Zeichen nicht, wie verzweifelt, wie nah am Abgrund diese Frau sich bewegt. Sie wollen es vielleicht auch nicht bemerken, denn es würde dieses Konstrukt bedrohen, das ihr Alltag ist und der ohne Nounou nicht funktionieren könnte.
Auch Myriam wird sehr empathisch und für mich absolut überzeugend gezeichnet, in ihr das Dilemma der modernen Frau, die auch Mutter sein möchte. Die in jeder ihrer Rollen perfekt sein möchte, es könnte kaum besser beschrieben werden. Louise und Myriam. Zwei Frauen, die sich wie zwei Seiten einer Medaille gegenüberstehen. Zwei Typen, die beide nötig sind, um die moderne Gesellschaft rollen zu lassen.
Der Autorin gelingt es, diese beiden Frauen liebevoll darzustellen. Der Leser kommt beiden sehr nah und es ist unmöglich, ein Urteil über sie zu fällen. Vielmehr nimmt man das Dilemma wahr, dass die Frauen stellvertretend für die gesamte Gesellschaft tragen. Wenn Egoismus das Mittel ist, Erfolg zu haben, dann stehen Mütter, die aufgrund ihrer Rollen per definitionem ein gehöriges Maß an Selbstlosigkeit benötigen, um die Bedürfnisse ihrer Kinder erfüllen zu können, in einer spagatartigen Grätsche über einem Abgrund. Jede Mutter, die Karriere machen möchte, benötigt jemanden, die an ihrer Statt für ihre Kinder sorgt. Wir wissen über Psychologie heutzutage viel zu viel, um nicht auch zu wissen, dass Kinder, deren Bedürfnisse konsequent missachtet werden, leiden. Wir wissen auch, dass es nicht damit getan ist, die Bedürfnisse von Kindern mechanisch zu erfüllen. Sie müssen wirklich geliebt werden. Wenn die Eltern dazu kaum Timeslots frei haben, dies aber eine andere Person, wie im Buch Louise, scheinbar perfekt übernimmt, klaffen die Problemzonen weit offen. Wie viele Kinder hat diese Frau bereits an Eltern statt versorgt und wie ihre eigenen Kinder geliebt? Wurde sie von irgendeinem Kind jemals wie eine Mutter zurück geliebt? Welche emotionalen Kosten verursacht ein solches Arrangement auf allen Seiten?

All diese Abgründe unserer Gesellschaft, die sich an den Kinderfrauen und Müttern so deutlich ablesen lesen, beschreibt die Autorin glasklar und präzise, ohne Pathos. Da ist es nur konsequent, dass Paul, obzwar deutlich gezeichnet, letztendlich eine Randfigur bleibt. Er hat weder Schuldgefühle noch wird er von irgendwem verantwortlich gemacht.

Slimanis Buch entwickelt vom ersten Satz an „Das Baby ist tot.“ eine inhärente Logik, die einen nicht mehr los lässt. Obwohl das Buch brutal ist, traurig, hat es doch von Anfang an eine Schönheit, die in der Sprache liegt, die so klar ist und auf den Punkt trifft. Es gibt keine Überflüssigkeiten, keinen Schnickschnack. Hier wird eine Geschichte erzählt. Vergeudet wird dabei nicht ein Wort.

Es ist ein Brennglas, das auf den Zustand unserer modernen Gesellschaft gerichtet ist. Was geschieht in dieser Gesellschaft mit Müttern, mit Kindern, mit jenen Personen, die schlecht bezahlt unsere Kinder betreuen müssen und die im Berufsleben geforderte Flexibilität der Eltern mit eigenen Opfern erst ermöglichen? Was geschieht in unserer Gesellschaft mit berechtigten Bedürfnissen und tiefen Gefühlen? Es ist ein Buch über die Einsamkeit der Frauen in unserer Leistungsgesellschaft, die immer noch mit einem großen Teil der Arbeit und des schlechten Gewissens alleine zurecht kommen müssen und auch untereinander wenig Solidarität erfahren und geben. Das erfährt Myriam zum Beispiel knallhart mit ihrer Schwiegermutter: "Sie hat Myriam verantwortungslos und egoistisch genannt. Hat an ihren Fingern all die Dienstreisen aufgezählt, die sie unternommen hatte, selbst wenn Adam krank und Paul gerade mit der Fertigstellung eines neuen Albums beschäftigt war. ... Sie hatte nicht die Kraft, sich gegen diese Anklagen zu verteidigen, ... Da war nicht das kleinste bisschen Raum für Nachsicht und Mitgefühl. Nicht ein wohlmeinender Rat wurde erteilt, von Mutter zu Mutter, von Frau zu Frau."

Last but not least ist es ein hochgradig feinsinniger und lückenlos gestrickter Thriller. Wir wissen von der ersten Seite an, dass die Kinder sterben und wer sie ermordet. Dennoch wird die Spannung von Seite zu Seite größer, will man immer unbedingter durchdringen, wie es dazu kommen konnte. Leila Slimani seziert die Vorgeschichte Schritt für Schritt. Sie erzählt einfach, was geschehen ist. So ist dieses Buch auch ein psychologisches Meisterwerk und ich möchte in vieler Hinsicht eine große Leseempfehlung für das Werk aussprechen!

Herzlichen Dank an den Luchterhand Verlag für das Rezensionsexemplar. Dieses Buch wird mir sicher noch lange Stoff zum Nachdenken geben.

(c) Susanne Becker


Folgende Rezensionen beziehen sich auf eine andere Ausgabe (Gebundenes Buch)

Von: Stephanie Wolff-Rohe aus Aachen Datum: 16.08.2017

Buchhandlung: Buchhandlung am Markt, Aachen

Der Leser weiß es von Anfang an: Die Geschichte endet in der Katastrophe, denn schon der erste Satz stellt es klar: "Das Baby ist tot." Rückblickend erzählt Leila Slimani dann die Geschichte, die zu den dramatischen Ereignisse des Romananfangs führen wird.
Myriam ist Anwältin, ihr Mann Paul ist im Musikbusiness tätig. Als die Kinder Mila und Adam geboren werden, hört Myriam auf zu arbeiten. Doch sie ist zunehmend unzufrieden und möchte ihre Karriere fortsetzen. Deswegen stellen Myriam und Paul eine Nanny, eine "nounou" ein, die sich um Kinder und Haushalt kümmern soll. Mit Louise glauben sie, die perfekte Kandidatin gefunden zu haben. Und tatsächlich: die nounou schafft es in kürzester Zeit, eine liebevolle Beziehung zu den Kindern herzustellen, und den Haushalt in allen Belangen zu perfektionieren. Myriam kehrt in ihren aufreibenden Job zurück, und zunächst sind alle zufrieden.

Dann wendet sich die Darstellung zunehmend der Persönlichkeit von Louise zu, und dem Leser wird schnell klar: Diese Frau ist einsam, ihre obsessive Bindung an ihre Arbeitgeber ist nicht gesund. (Und wir wissen ja von Anfang an, dass das Ganze schlimm enden wird). So entwickelt der Roman einen unwiderstehlichen Sog. Die feine psychologische Ausarbeitung und der bewusst zurückgenommene Erzählstil der Autorin machen den Schrecken transparent und für den Leser erträglich.

Von: Tanja Bemerl aus Waldmünchen Datum: 24.07.2017

Buchhandlung: Buchhandlung Gustav Fuss

An und für sich ist das Buch super spannend, aber das Ende lässt sehr zu wünschen übrig. Weil es gibt kein richtiges Ende. Es ist alles sehr verständlich und leicht zu lesen.

Myriam und Paul wollen ihrer Karriere nachgehen und stellen ein Kindermädchen für ihre Kinder Mila und Adam ein. Louise ist anfangs die gute Fee, die das Haus putzt, wäscht und kocht. Die Kinder lieben sie. Aber nach und nach entwickelt sie sich als Psychopatin, die sich stundenlang vor den Kindern versteckt und ihnen Angst macht. Irgendwann lockt sie die Kinder dann in die Badewanne und bringt beide um.

Und jetzt fehlt hier eine Erklärung. Warum tut sie das???? Leider wird das nicht aufgeklärt und somit macht es das Buch nicht zum Bestseller.

Und es gibt dafür leider auch nur 3 Sterne. Und das nur weil es wirklich spannend geschrieben ist.

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