Der weiße Abgrund

Ein Heinrich-Heine-Roman

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Paris, um 1850. Durch eine unheilbare Krankheit ans Bett gefesselt, versucht Heinrich Heine seinem bevorstehenden Tod ein letztes Werk abzutrotzen: seine Memoiren, die sein Opus magnum werden sollen. An den illustren Diners der Pariser Bohème kann er schon lange nicht mehr teilnehmen. Stattdessen empfängt er gelegentliche Besuche deutscher Exilanten oder französischer Künstlerfreunde. Dann sucht überraschend Elise Krinitz seine Bekanntschaft: eine junge Frau, die Heine bewundert und zugleich hofft, in ihm einen Mentor für ihre eigenen literarischen Ambitionen zu finden. Mit ihr, die er zärtlich-ironisch „Mouche“ nennt, hat er bald darauf eine zwar platonische, aber nicht minder leidenschaftliche „Affäre“. Seine Memoiren aber werden, nachdem Heine am 17. Februar 1856 stirbt, für alle Zeit verschollen bleiben.

Eingebettet in ein faszinierendes Panorama des Paris seiner Zeit, zeichnet Boëtius‘ Roman das einzigartige Porträt der letzten Lebensjahre des großen deutschen Dichters Heine.


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ISBN: 978-3-641-26503-8
Erschienen am  13. Juli 2020
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Leserstimmen

Portrait eines eigenwilligen Menschen und ein unerwartet tragischer Ausflug in die 50er Jahre des 19. Jahrhunderts

Von: Knigaljub

25.09.2020

Heinrich Heine lebt in Paris, als es allmählich mit ihm zu Ende geht. Welche Krankheit ihn ans Bett fesselt, weiß niemand so genau – aber dass es keine Aussicht auf Besserung gibt, darin sind sich alle einig. Heinrich, genannt Henri, versucht dennoch, dem Dahinsiechen zu trotzen und schreibt in jeder freien Minute an seinem letzten großen Werk: seinen Memoiren. Boëtius zeichnet das Portrait eines eigenwilligen Menschen, dessen letzte Stunde geschlagen hat. Obwohl es nur um den letzten Lebensabschnitts des Dichters geht, wird deutlich, dass Heine nicht nur ein Schelm war, sondern auch ein Mensch der Extreme. Insgesamt habe ich dieses Buch mit echtem Mehrwert gelesen: Ich weiß jetzt mehr über Heine und seine Zeit, er ist mir als Person greifbarer geworden und vor allem hat sich mir das große Rätsel um seinen Tod, von dem ich vorher gar nichts wusste, nachhaltig eingebrannt. Ich muss allerdings zugeben, dass ich gerade anfangs ein Problem hatte, die Erzählstimme zuzuordnen, die irgendwo zwischen biographischem Bericht und allwissender Erzählung, in die sich Figurenbewertungen mischen, pendelt. Der Ausdruck ist eloquent, für die Symptome von Heines Krankheit werden beispielsweise Fachausdrücke verwendet. Heine selbst spricht und denkt manchmal in seinen Versen. Ich mochte das, aber als fast anderthalb Seiten lang ein anderes Werk auf Französisch zitiert wird, empfand ich das als einen leichten Bildungsbürgerton-Overload. Allerdings wird hierzu dann auch ein amüsanter Kontrast geschaffen, weil es zwischendurch um äußerst banal ausgedrückte Banalitäten wie Heines Stuhlgang geht. Insgesamt ein interessanter Roman über Heinrich Heine, dessen Höhepunkt – der weiße Abgrund – noch dazu mit unerwarteter Tragik und Spannung aufwartet. Für literarisch und historisch Interessierte, die nach Paris in die 1850er Jahre reisen, dort auf Literaten, Papageien und skurril anmutende Behandlungsmethoden treffen wollen, ist dieser schmale Roman das richtige Transportmittel.

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Keine Angst vor dem weißen Abrund

Von: HEIDIZ

02.09.2020

Wir befinden uns im Roman im Paris der 50er Jahre des 19. Jahrhunderts. Heinrich Heine ist unser Hauptcharakter. Wir lernen ihn kennen, als er von einer unheilbaren Krankheit heimgesucht, ans Bett gefesselt ist und schreckliche Schmerzen erdulden muss. Er möchte unbedingt noch seine Memoiren schreiben - sein Opus magnum (seine gute Arbeit). Die letzten Lebensjahr Heines werden lebendig, Autor Boëtius schafft es, das Paris dieser Zeit lebendig werden zu lassen und Heines Drängen, Arbeiten und Leiden zu beschreiben. Heine trifft sich mit deutscher Exilanten und französischer Künstlerfreunden. Er lernt Elise Krinitz kennen. Sie bewundert nach seinem Tod am 17. Februar 1856 verschollen bleiben. Ich finde die Art, wie der Autor diesen Heine-Roman geschrieben hat einfach wundervoll. Mitunter mit Witz und Ironie - somit trotz aller Schwere des Stoffes mit einer gewissen Leichtigkeit zu lesen. Sehr gut hat er das Hinscheiden eingebunden in die Zeit, in der Heine seine letzte Zeit verbringt. Angenehm zu lesen, erhellend und mitfühlend, als säße man dem Sterbenden zur Seite, hat mich dieses Buch gefangen genommen und nachhaltig beeindruckt. Heine empfindet das Schreiten in Richtung des weißen Abgrunds nicht als negativ, sondern als Erlösung. So empfindet man es als Leser. Die Liebe zu Elise wird sehr deutlich dargestellt und die Tatsache, dass sie ihm die letzte Zeit ein wenig erleichtert, aber ist da nicht eventuell etwas anderes, was Elise ist ... ??? Ich möchte hier nicht mehr verraten, lest selbst ... Ich fand es außerdem angenehm, dass der Autor Heine-Ferse in den Roman eingebunden hat - immer an den passenden Stellen.

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Vita

Henning Boëtius, geboren 1939, wuchs auf Föhr und in Rendsburg auf und lebt heute in Berlin. Er studierte Germanistik und Philosophie und promovierte 1967 mit einer Arbeit über Hans Henny Jahnn. Boëtius ist Verfasser eines vielschichtigen Werkes, das Romane, Essays, Lyrik und Sachbücher umfasst. Sein Roman "Phönix aus Asche" wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Bekannt wurde er außerdem durch seine Kriminalromane um den eigenwilligen niederländischen Kommissar Piet Hieronymus.

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