Anna und der Schwalbenmann

Ab 14 Jahren
(1)
eBook epub
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Krakau, 1939. Anna ist noch ein Kind, als die Deutschen ihren Vater mitnehmen, einen jüdischen Intellektuellen. Sie versteht nicht, warum. Sie versteht nur, dass sie allein zurückbleibt. Und dann trifft Anna den Schwalbenmann. Geheimnisvoll ist er, charismatisch und klug, und ebenso wie ihr Vater kann er faszinierend viele Sprachen sprechen. Er kann Vogellaute imitieren und eine Schwalbe für sie anlocken. Und er kann überleben – in einer Welt, in der plötzlich alles voller tödlicher Feindseligkeit zu sein scheint. Anna schließt sich dem Schwalbenmann an, lernt von ihm, wie man jenseits der Städte wandert, sich im Wald ernährt und verbirgt. Wie man dem Tod entkommt, um das Leben zu bewahren. Aber in einer Welt, die am Abgrund steht, kann alles gefährlich werden. Auch der Schwalbenmann.

"Es ist ein rätselhaftes und trotz seines schweren Themas traumschönes Buch."

Brigitte (13. April 2016)

Aus dem Englischen von Sophie Zeitz-Ventura
Originaltitel: Anna and the Swallow Man
Originalverlag: Knopf / RH US
eBook epub (epub), 12 s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-641-16696-0
Erschienen am  29. Februar 2016
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Poesie der Einsamkeit: Gavriel Savits „Anna und der Schwalbenmann“

Von: lies-geschichte

01.03.2019

Wie einem Kind das Grauen des Nationalsozialismus, überhaupt das Leid von Krieg und Mord, von menschlicher Grausamkeit erklären? Das heutige didaktische Problem überträgt Gavriel Savit in seinem Jugendbuch „Anna und der Schwalbenmann“ in den Text selbst. Wie einem kleinen Mädchen erklären, dass der Vater einfach verschwindet, weil die Nazis ihn als Angehörigen der intellektuellen Elite ermordet haben? Die Antwort, die dieser poetische Roman gibt, ist so bedrückend leicht wie erhaben schwer: Mit Geschichten. Gavriel Savit nimmt uns mit in die Zeit des Zweiten Weltkrieges und zeigt uns fernab der großen Städte und Straßen, inmitten der Einsamkeit der Wälder und Wanderwege umso eindrücklicher, wie existenziell bedrohlich der Mensch dem Menschen werden kann, wie einsam wir alle sind und wie schwer es ist, Mensch zu bleiben, trotz allem. Die Handlung beginnt 1939 in Krakau. Anna ist ein Intellektuellenkind und wächst in der multikulturellen Atmosphäre einer bunten Weltstadt auf. Mal spricht sie deutsch, mal jiddisch, mal polnisch, mal französisch. Die Freunde des Vaters sind auch ihre Freunde, die Welt ist ein Sammelsurium spannender Menschen mit eigenen Geschichten und bunten Erlebnissen. Bis ihr Vater sie eines Tages bei einem befreundeten Apotheker lässt und nicht zurückkehrt. Der Apotheker will Anna jedoch auch nicht beherbergen. Er ist Deutscher, das Kind eines Ermordeten will er offensichtlich nicht bei sich unterbringen. Welche Ethnizität Anna selbst hat, wird nie deutlich, sie weiß es selbst nicht, genauso wenig wie sie weiß, wohin sie gehen soll, nachdem sie stundenlang von der abgeschlossenen eigenen Wohnungstür gesessen hat. Schon hier wird auf wundersame Weise die Absurdität ethnischer Zugehörigkeiten deutlich und gleichsam die (vermeintliche) Sicherheit, die sie manchen vermitteln gespiegelt. Ganz ohne dass es klar ausgesprochen würde. Anna ist verzweifelt und hat Angst. Doch dann passiert ein kleines Wunder: Auf der Straße, vor der Apotheke, trifft sie einen leicht unheimlichen, mysteriösen Mann, der genau wie sie die Sprachen wechseln kann wie Kleider und der sogar mit Vögeln spricht. Er lockt eine Schwalbe zu sich, um Anna zu trösten. Und Anna weiß plötzlich, was zu tun ist. Sie folgt dem Schwalbenmann. Geschichten und Identitäten und wir: Dazwischen Der Schwalbenmann ist ein Rätsel für Anna und er wird es das ganze Buch über bleiben, doch eines erkennt Anna intuitiv von Beginn an: So, wie eine Tochter nicht ohne Vater sein kann, so kann auch ein Vater nicht ohne Tochter sein. Die gemeinsamen Verluste schmieden die beiden aneinander, der Schwalbenmann und Anna wandern durch Polen, Jahre vergehen und in kurzen Sätzen gelingt es Savit, die historischen Hintergründe einzuflechten, während er ansonsten beschreibt, wie Anna langsam erwachsen wird und doch in einer Welt der Geschichten lebt. Wie sie dabei bleibt, die Nazis als Wölfe und die Sowjets als Bären zu betrachten, ganz so, wie der Schwalbenmann es ihr von Beginn an erklärt hat. Wie sie durch die Geschichten des Schwalbenmanns ihren eigenen Namen verliert und doch nicht verloren geht, bis eines Tages die Frage im Raum steht, ob es wirklich möglich ist, ein einziges Menschenleben gegen viele aufzurechnen. Und ob wir, wenn wir einmal unsere Maske haben fallen lassen, wieder zurückkönnen in die Rollen, die wir uns selbst gesucht haben. Vom Wert eines Menschenlebens Gavriel Savit erzählt vor dem Hintergrund der nationalsozialistischen Besatzung in Polen eine berührende Geschichte von Menschenwürde und Anstand, die so philosophisch wie poetisch ist und an vielen Stellen so grausam und buchstäblich herzzerreißend, dabei so ruhig und nachdenklich, dass es weh tut. Aufgrund der hohen Abstraktion ist die Empfehlung des Verlages ab 14 Jahren sicherlich sinnvoll, zumal der historische Kontext wirklich nur en passant geliefert wird. Weiterführende Hinweise finden sich nicht am Ende des Textes. Dennoch sei dieser Roman wärmstens empfohlen. Eben gerade, weil der historische Rahmen so selbstverständlich erzählt wird, ist er umso eindrücklicher präsent und zugleich viel näher an uns dran, als gelegentlich lieb ist. Die Rätselhaftigkeit der Charaktere lässt uns über uns selbst rätseln, das Fehlen von Schwarz und Weiß-Malerei, von eindeutigem Böse und Gut macht das Rätsel noch schwerer. Was sind die Dinge die uns leiten, wer wollen wir sein, wie können wir das Elend der Welt ertragen? „Anna und der Schwalbenmann“ lädt ein, darüber nachzudenken. Gestaltung 5/5 Sprache 5/5 weiterführende Tipps 0/5 Handlung 5/5 Gavriel Savit: Anna und der Schwalbenmann. Mit Illustrationen von Laura Carlin. Aus dem Amerikanischen von Sophie Zeitz-Ventura. Ab 14 Jahren. ISBN 978-3-570-16404-4. München: cbt 2016.

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Vita

Gavriel Savit ist Autor und Schauspieler. Nach seinem Abschluss an der Universität von Michigan - als Musicaldarsteller - zog er nach New York, um dort seine Bühnenlaufbahn zu verfolgen. Als Schauspieler und Sänger ist Gavriel Savit inzwischen auf drei Kontinenten aufgetreten, von New York bis Brüssel und Tokyo. Er lebt in Brooklyn. "Anna und der Schwalbenmann" ist sein erster Roman.

Zur AUTORENSEITE

Pressestimmen

"Der Roman, klug und konsequent konstruiert, macht die Möglichkeit neuen Erzählens vor: Die Sprache des Überlebens ist selten brachial, vielmehr poetisch."

Süddeutsche Zeitung (01. April 2016)

"Eine poetische und wunderschön geschriebene Geschichte."

Buchmarkt (01. März 2016)

"Gavriel Savits Debüt trifft den Leser mit voller Wucht. […] Wenige Bücher vermögen es, den Leser so tief hineinzuziehen. Savits Debüt gehört zu diesen Ausnahmen."

eselsohr (01. März 2016)

"Gavriel Savit erzählt ein Meisterstück über die magische Kraft, die wir Hoffnung nennen."

Topic (29. April 2016)

"Berührend."

1001 Buch (01. September 2016)

„Ein scharfsinniger, fesselnder Roman!“

UNICUM Abi (15. Februar 2016)

"Ein magischer Roman."

SRF (24. April 2016)

"Ein bemerkenswertes Roman-Debüt."

Leipziger Volkszeitung

"Kunstvoll verflicht Gavriel Savit Realität mit fantastischen Elementen und nimmt den Leser mit auf eine Reise ins Ungewisse."

buchjournal (25. Februar 2016)

"Wunderbare Dialoge, philosophische Betrachtungen und harte Realitäten."

Hamburger Morgenpost (24. März 2016)

"Eine fesselnde Geschichte, die lange nachwirkt."

Buchmedia Magazin

"Ein dichtes, atmosphärisches Buch, das den Leser von der ersten Seite an packt."

BÜCHER (01. März 2016)

"Es ist ein Buch der ganz leisen Töne, mit starken philosophischen Ideen, die lange nachklingen."

Neue Presse Hannover (21. März 2016)

"Ein poetischer und atmosphärisch unglaublich dichter Roman, über dem immer der Schatten des Kriegs und die Schreckensherrschaft der Nazis schwebt."

Fränkische Nachrichten (10. November 2016)

"Der Autor bedient sich einer wunderschönen Sprache. Die Figuren, die er geschaffen hat, haben etwas Märchenhaftes."

"Eine kindlich poetische Geschichte zur Zeit des 2ten Weltkrieges. Wundervoll erzählt mit viel Herz und vielen Fragen ohne Antworten. Lesenswert."

"Das Buch trägt ein traurige und emotionale Stimmung, aber auch etwas schönes und beruhigendes in sich. "

„Das Buch ist für Büchereien geeignet. Die Zielgruppe sind ältere Jugendliche und Erwachsene. Auch für einen Literaturkreis zu empfehlen.“

Evangelicher Buchberater (01. September 2016)

»Vielleicht ist mein 'Warum?' am Ende der Geschichte die größte Liebeserklärung an dieses grandiose Buch.«