Herbst

Roman

(7)
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Im Herbst 2016 ist Daniel ein Jahrhundert alt. Elisabeth, Anfang 30, kennt ihn von früher, der Nachbar hat sie als Kind mit der Kunst bekannt gemacht. Jetzt besucht sie ihn im Altersheim, liest ihm Bücher vor und fragt sich, was die Zukunft bringen mag. Denn England hat einen historischen Sommer hinter sich, die Nation ist gespalten, Angst macht sich breit. Der erste Roman aus Ali Smiths Jahreszeitenquartett erzählt von einer Welt, die immer abgeschotteter und exklusiver wird, über das Wesen von Reichtum und Wert, über die Bedeutung der Ernte. Und er erzählt vom Altern, von der Zeit und von der Liebe. Von uns.

»Ali Smith findet prächtige, farbmächtige Bilder für den Zustand ihrer Protagonisten. Ein berührendes, umwerfendes Juwel britischer Literatur, beeindruckend übersetzt von Silvia Morawetz.«

Johannes Kaiser / Deutschlandfunk Kultur (09. November 2019)

Aus dem Englischen von Silvia Morawetz
Originaltitel: Autumn
Originalverlag: Hamish Hamilton
eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-22296-3
Erschienen am  21. Oktober 2019
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Andersartig aber genial

Von: Justmiaslife

05.07.2020

Ali Smith ist keine leicht zu lesende Autorin, und doch sind ihre Worte und Gedanken schön. Wenn euch eine lineare Handlung gefällt, werden Sie sie hier nicht finden, obwohl sie meist in der Zeit nach Brexit angesiedelt ist, sie geht in der Zeit vor und zurück. Zu einer Freundschaft zwischen einem jungen Mädchen und einem älteren Mann, einem Mann, der eine ziemliche Vergangenheit hatte, die langsam aufgedeckt wird. Die Gedanken, die über Brexit geäußert werden, sind die gleichen, die viele hier in den Staaten nach unserer jüngsten Wahl zum Ausdruck bringen. Wunderbar und geschickt ausgedrückt über die Art und Weise, wie viele von uns fühlen. Sie liebt es, mit Worten zu spielen, mit Szenen zu spielen, das ist manchmal eine Herausforderung, aber wenn man nur liest und nicht erwartet, dass sie sich an die vermeintlichen Regeln der Fiktion hält, sind diese Dinge oft entzückend. Sie erforscht die Zeit, sie vergeht, vom Herbst in den Winter, von der Vergangenheit in die Gegenwart, von jung in alt, so wie die Jahreszeiten uns verändern. Sie wirft einen Pop-Art-Künstler ein, den Christine Keeler-Skandal, den ich nachschlagen musste, weil ich nicht aus Großbritannien stamme. Ihre Beschreibung der natürlichen Welt ist absolut großartig. Auf der anderen Seite bietet Ali Smith aber auch eine Form von Sicherheit und Beständigkeit: nämlich die große Freundschaft, die sich zwischen Elisabeth und dem 70-jährigen Daniel entwickelt hat und die wir durch einige großartige Rückblenden allmählich kennen lernen. Besonders die Figur des Gluck ist verlockend; er erinnert mich an die Erzähler in den Romanen der AG Sebald: ein Mann deutscher Abstammung mit einer enormen Vergangenheit (auch mit einem klaren Bezug zum Holocaust), mit großer Gelehrsamkeit und einem kritischen Sinn und mit Tentakeln sowohl in der Hoch- als auch in der Populärkultur; für Elisabeth ist er der Meister, den jeder von uns gerne gehabt hätte. Das Buch steht im Mittelpunkt ihrer Freundschaft, daher Glucks letzte Worte in diesem Buch an Elisabeth: "Schön, Sie zu sehen. Was lesen Sie?". In gewisser Weise bieten die vielen Hinweise sowohl auf die höhere als auch auf die niedere Kultur sowie auf den politischen Kontext eine Art Vertrautheit und Trost. Es mag ein wenig hochgestochen klingen, aber für den aufmerksamen Leser sind die Hinweise auf und Parallelen zu Dickens, Huxley, Homer, Ovid, Kafka, Cocteau, Vian, Beckett usw. ziemlich erkennbar. Aber es gibt nicht nur die höhere Kultur, sondern auch Hinweise auf Werbespots und auf populäre Lieder. Und dann gibt es den politischen Aspekt. Es scheint mir, dass Smith ihren Roman ursprünglich um den so genannten Profumo-Skandal herum aufgebaut hatte, der Großbritannien Anfang der 1960er Jahre in seinen Grundfesten erschütterte, einen Spionageskandal mit dem Callgirl Christine Keeler im Mittelpunkt. Genau wie der Brexit-Skandal war dies ein politisches Thema, das hauptsächlich auf Lügen und falschen Wahrnehmungen beruhte. Sowohl der Skandal als auch die Figur Keeler werden in diesem Roman regelmäßig als geschlechtsspezifisches Element genannt (das im Werk von Ali Smith oft wiederkehrt), aber sie fungieren am stärksten als Symbole der Verblendung, Unsicherheit und Vergänglichkeit. So hat ihr beispielsweise die Pop-Künstlerin Pauline Boty ihr berühmtestes Werk gewidmet: eine Collage um das berüchtigte Foto des nackten Keeler, der auf einem umgedrehten Stuhl sitzt. Ich persönlich fand es etwas schwierig, diese Verweise zu platzieren, da ich nicht wirklich damit vertraut war, wofür der Profumo-Skandal stand. So ist dieses Buch manchmal etwas herausfordernd und sogar widerspenstig, abwechselnd urkomisch-halluzinativ-absurd und schließlich auch bewegend wegen seiner poetischen Herangehensweise und dem Gefühl des Altersendes, das es durchdringt. Es ist eine trügerisch glatte Lektüre, aber gleichzeitig ein Roman, der unglaublich reich und vielschichtig ist, von unfassbarer Schönheit, der in Zeiten der Zerrüttung bis zu einem gewissen Grad Trost spendet. Dies ist sicherlich einer, über den man nachdenken sollte. Ich freue mich darauf, die nächsten Teile zu lesen.

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Herbst

Von: Bearnerdette

27.05.2020

Herbst von Ali Smith habe ich im Rahmen einer Leserunde mit einigen anderen Bloggern gelesen. Was soll ich sagen, ich bin schwer begeistert von diesem zeitgenössischen Roman, der so viel in sich vereint. Aber zunächst zur Story: Elisabeth besucht Mr Gluck im Altersheim. Der inzwischen über 100 Jahre alte Herr war früher ihr Nachbar und wurde ein guter Freund, doch dann riss der Kontakt ab. Jetzt schläft er die meiste Zeit, während die Mitt-Dreißigerin Elisabeth an seinem Bett sitzt und liest. Als Leser wechseln wir zwischen Vergangenheit und Gegenwart, erleben mit wie sich die Freundschaft zwischen den beiden entwickelte und sehen, wie es Eilsabeth heute geht. Der Roman streift viele interessante Themen, behandelt den Brexit, das gegenwärtige politische Kima in England, erzählt aber auch die faszinierende Geschichte der Pop Art Künstlerin Pauline Boty. Mit einer kunstfertigen Leichtigkeit taucht Smith in diese Themen ein, streift sie oder vertieft sich, bringt aber in jedem Fall die Stimmung der Figuren rüber. Ein Buch mit Tiefgang, was sich aber weder schwermütig noch schwerfällig liest. Smiths Schreibstil verleiht dem Buch Leichtigkeit und Poesie. Herbst ist der erste Teil eines Vierjahreszeiten Quartetts. Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Teil. Das Buch ist bei Luchterhand erschienen.

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Vita

Ali Smith wurde 1962 in Inverness in Schottland geboren und lebt in Cambridge. Sie hat mehrere Romane und Erzählbände veröffentlicht und zahlreiche Preise erhalten. Sie ist Mitglied der Royal Society of Literature und wurde 2015 zum Commander of the Order of the British Empire ernannt. Ihr Roman »Beides sein« wurde 2014 ausgezeichnet mit dem Costa Novel Award, dem Saltire Society Literary Book of the Year Award, dem Goldsmiths Prize und 2015 mit dem Baileys Women’s Prize for Fiction. Mit »Herbst« kam die Autorin 2017 zum vierten Mal auf die Shortlist des Man Booker Prize sowie auf Platz 6 der SWR-Bestenliste.

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Silvia Morawetz

Silvia Morawetz, geb. 1954 in Gera, studierte Anglistik, Amerikanistik und Germanistik und ist die Übersetzerin von u.a. Janice Galloway, James Kelman, Hilary Mantel, Joyce Carol Oates und Anne Sexton. Sie erhielt Stipendien des Deutschen Übersetzerfonds, des Landes Baden-Württemberg und des Landes Niedersachsen.

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Pressestimmen

»Es ist ein aufwühlendes Buch und es ist trotz allem eigenartigerweise ein tröstliches Buch.«

Barbara Vinken / 3sat-Buchzeit (08. Dezember 2019)

»Ein Triumph der Kunst über das Leben.«

Dagmar Kaindl / Buchkultur (05. Dezember 2019)

»Mehr als ein Brexit-Roman: Ali Smiths ›Herbst‹ erzählt von der Schönheit eines gelebten Lebens im Angesicht der Verunsicherung.«

Elena Witzeck / Frankfurter Allgemeine Zeitung (23. November 2019)

»›Herbst‹ ist der erste ins Deutsche übersetzte Band aus Smiths ›Jahreszeitenquartett‹ und macht Lust auf die Teile, die noch folgen.«

Stern (14. November 2019)

»Ein hoch politischer Roman und ein Buch über Kunst und Individualität.«

SWR Bestenliste Dezember (01. Dezember 2019)

»Man folgt und staunt nur zu gerne. Einen einzigen Fehler hat dieser Roman: ›Herbst‹ ist arg kurz.«

Ekkehard Knörer / www.republik.ch (06. Dezember 2019)