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Die erste Bloggerin der Weltliteratur - tagesaktuelle Notizen aus einer sagenhaften Hochkultur

Ein Bündel edlen Papiers diente Sei Shônagon vor tausend Jahren als Tagebuch. Diesem vertraute sie ihre intimsten Geheimnisse an, darunter allerlei Delikates aus den Privatgemächern des Kaiserpalasts. Freimütig schwärmt die selbstbewusste junge Frau von Stil und Schönheit, macht sich über die Marotten der Männer lustig und ergründet mit heiterem Eigensinn Himmel und Erde. Ob sie vom prachtvollen Schwertlilienfest erzählt, vom Ausrücken der Kaiserlichen Gewittergarde oder von klammheimlichen Tête-à-Têtes – dank des lebendigen Stils wirken ihre höfischen Impressionen wie mit dem Tuschepinsel hingetupfte Ewigkeitsbilder.

»Shōnagons kurze, assoziative Texte erinnern nicht nur in ihrer Form an gegenwärtige Formate wie Tweets oder Blogposts; dank Michael Steins zeitgenössischer Übersetzung sind sie auch auf Deutsch in einer Sprache lesbar, die von klebrigen Kolonialismen und exotistischen Japanklischees befreit ist. Ein Meisterwerk.«

Süddeutsche Zeitung, Lea Schneider (25. Mai 2019)

Aus dem Japanischen von Michael Stein
Originaltitel: Makura-no-Soshi
Originalverlag: .
Mit Nachwort von Michael Stein
Hardcover mit Schutzumschlag, 736 Seiten, 9,0 x 15,0 cm
ISBN: 978-3-7175-2488-5
Erschienen am  15. April 2019
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

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Leserstimmen

Die Verzauberung des Alltags!

Von: AZ

23.02.2020

Das „Kopfkissenbuch“ der Hofdame Sei Shōnagon (geb. 966) ist ein Meisterwerk der japanischen Betrachtungs- und Essayliteratur. Obwohl nicht eindeutig datierbar, werden aufgrund der im Text erwähnten Ereignisse und Persönlichkeiten die Jahre 996 bis 1009 für die Entstehungszeit des Werkes angesetzt (siehe Nachwort, S. 632). Vermutlich begann Sei Shōnagon mit der Niederschrift um das Jahr 996, nachdem sie von der Kaiserin 20 Bögen Papier geschenkt bekommen hatte, eine Tatsache, die sie in Betrachtung 259 erwähnt. Im „Kopfkissenbuch“, eine Sammlung von 325 Betrachtungen oder kleineren Essays, folgt Sei Shōnagon keiner gängigen Form der fiktiven Erzählliteratur, sondern der Gattung zuihitsu, als deren japanische Begründerin sie gilt. Kenkōs „Tsurezuregusa“ aus dem 14. Jahrhundert, hierzulande meist bekannt unter dem Titel „Betrachtungen aus der Stille“, ist ein weiteres Beispiel dieser Gattung. Der Inhalt des Buches lässt sich nur schwer zusammenfassen, folgt doch Sei Shōnagon keinem Erzählstrang. Die nummerierten Betrachtungen von unterschiedlicher Länge stehen meist für sich, und einen roten Faden, der sie miteinander verbindet, wird der Leser vergeblich suchen. Das „Kopfkissenbuch“ ist nicht nur eine wichtige Quelle für Historiker, die sich mit dem japanischen Kaiserpalast beschäftigen, sondern eine auch heute noch sehr lesenswerte Lektüre. Die Essays bieten Betrachtungen über das tägliche Leben, Politik, Natur, Poetik, Ästhetik und viel mehr. In ihren scharfsinnigen Reflexionen bietet Sei Shōnagon Momente der Überraschung, Stille, Intimität und Sinnlichkeit. Die Betrachtungen lesen sich wie Einträge aus dem Tagebuch einer Entdeckerin, nicht auf einer Expedition in die weite Fremde, sondern hier und jetzt auf der Suche nach der Schönheit, ja Ästhetik des Alltags. Von Betrachtungen zu bestimmten Tageszeiten und Jahreszeiten, zum Beispiel der Morgendämmerung im Frühling, über den Duft des Brennholzes oder des Räuchergefäßes, bis zu Beschreibungen religiöser Feste, es ist der Zauber des Alltages, der in diesen Betrachtungen gefeiert wird. Dazu äußert sich auch die Kaiserin, als Sei Shōnagon über die Macht des Schreibens sinniert: Im Gespräch mit anderen Hofdamen vor der Kaiserin oder als Antwort auf ein Wort von ihr sagte ich einmal: «Wenn mir das Dasein so zuwider ist, dass ich vor Abscheu keinen Moment länger leben, sondern einfach spurlos verschwinden möchte, brauche ich bloß gewöhnliches, schön gebleichtes und sauberes Schreibpapier und einen ordentlichen Pinsel in die Hand zu bekommen, meinetwegen auch weiß gefärbtes oder Michinoku-Papier, um vollkommen getröstet zu sein. Dann sage ich mir, nun gut, so werde ich das Leben noch eine Weile ertragen können. Und wenn ich mir dann noch ein blaues, sauber gearbeitetes, dickes Sitzkissen hinlege, dessen schwarzes oder weißes Stickmuster auf dem Rand mit dem Blau deutlich kontrastiert, schöpfe ich neue Zuversicht, dass auch künftig das Leben durchaus lebenswert und ein Verzicht darauf bedauerlich wäre.» «Du findest ja in ziemlich alltäglichen Dingen Trost!», lachte die Kaiserin. Das „Kopfkissenbuch“ ist kein Buch, das man in einem Rutsch lesen sollte. Verteilt auf etwas weniger als ein Jahr, eignen sich die 325 Betrachtungen sehr gut als tägliche Lektüre, zu denen man immer wieder zurückkehren kann. So ist es mir mit Kenkōs „Tsurezuregusa“ ergangen, und so lese ich auch das „Kopfkissenbuch“ der Hofdame Sei Shōnagon. Diese 2019 von Manesse Verlag veröffentlichte Ausgabe ist die erste vollständige deutsche Übersetzung des Werkes und ersetzt eine ältere Ausgabe, die auch in Manesse Bibliothek erschienen und bis vor kurzem noch erhältlich war. Das ausführliche Nachwort und 816 Anmerkungen erleichtern den Zugang zum Buch, auch für ein Publikum, das mit der klassischen japanischen Literatur nicht vertraut ist. Ich danke Manesse Verlag ganz herzlich für das Leseexemplar, das ich bekommen habe.

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"Im Frühling liebe ich die Morgendämmerung"

Von: Frau Lehmann

08.08.2019

Sei Shonagon erblickt um 966 in Japan das Licht der Welt, als Tochter eines Provinzstatthalters. Sie erhält schon früh Zugang zu Literatur und Lyrik, ihr Vater ist ein anerkannter Experte für Dichtkunst. Das ist ungewöhnlich für ein Mädchen, aber es wird von einem sehr engen Verhältnis zwischen Vater und Tochter berichtet. Etwa um 990 tritt Shonagon in den Dienst als Zofe der Kaiserin Sadako, dort beginnt sie ihr Kopfkissenbuch zu schreiben, eine Art Tagebuch. Sie berichtet über Hofklatsch und Intrigen, über Feste, ihr Verhältnis zur Kaiserin, über Vorlieben und Abneigungen. Dem Manesse Verlag ist es zu verdanken, dass dieses Tagebuch nun erstmals vollständig übersetzt vorliegt. Nachwort, Personenverzeichnis und Anmerkungen komplettieren diese sorgfältig gestaltete Ausgabe, die es dem Leser ermöglicht seinen Blick eintausend Jahre zurück zu senden, an den japanischen Kaiserhof der Heian-Zeit. Shonagons Betrachtungen sind erstaunlich wenig gealtert, elegant formuliert und zeigen einen intelligenten und klaren Blick auf ihr Umfeld. Ihre Beschreibungen des Hofzeremoniells oder diverser Festlichkeiten sind lebendig und farbenfroh, ihre Charakterisierungen hochrangiger Persönlichkeiten sind zumeist überaus scharfzüngig und pointiert. Es ist ein wahres Lesevergnügen, Shonagon in ihre Welt zu folgen. Beeindruckend ist ihr Blick für Stimmungen, Natur oder Schönheit im Alltag. Die Kehrseite ist die Verachtung alles Häßlichen und Ärmlichen, ein typisches Verhalten privilegierter Menschen ihrer Zeit. Besonders hervorzuheben ist an dieser Übersetzung das Fehlen jeglichen Japankitschs. Die Sprache ist poetisch und präzise, ohne falsche Überzuckerungen oder schwülstige Formulierungen. Daher ist es nur angemessen, Michael Stein für diese wunderbar feinfühlige Ausgabe zu danken, die einen Klassiker japanischer Literatur zu neuem Leben erweckt hat.

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Vita

Sei Shonagon

Sei Shônagon (ca. 966-nach 1010) stammte aus einer literarisch und wissenschaftlich hochbegabten Familie – ihr Vater war ein bekannter Dichter –, trat mit sechsundzwanzig Jahren in den Dienst der Kaiserin Sadako und verbrachte ein Jahrzehnt bis zu deren Tod im Hofdienst. In dieser Zeit schrieb sie ihre zauberhaften Aufzeichnungen nieder, mit denen sie japanische Weltliteratur begründete.

Zur AUTORENSEITE

Events

22. Nov. 2020

Sibylle Canonica liest aus Sei Shônagon „Kopfkissenbuch“

17:00 Uhr | Klais | Lesungen
Sei Shonagon
Kopfkissenbuch

Pressestimmen

»Ausgesprochen amüsant und kurzweilig geschrieben. ... Ein informatives Nachwort des Herausgebers runden den schönen Band ab.«

DAMALS, Heike Talkenberger (01. Oktober 2019)

»Ein einzigartiger Blick durchs Schlüsselloch von Zeit und Kulturen.«

annabelle (CH) 7/2019, Sacha Verna (29. Mai 2019)

»Das Buch ist eine große Liebeserklärung an die Schönheit des Lebens. Und zeigt zugleich, wie fein und zeitlos die Kunst der achtsamen Wahrnehmung sein kann.«

Herzstück, Juli/August 2020, Monika Goetsch (01. Juli 2020)

»Das erstmals ungekürzt erscheinende »Kopfkissenbuch« von Sei Shõnagon in der Übersetzung von Michael Stein spendet Lesevergnügen der besonders feinen und anmutigen Art.«

Weitere Bücher der Autorin